Pro­bio­ti­ka in der prak­ti­schen Anwen­dung

Probiotika - Mikrobiom

Ein­lei­tung Pro­bio­ti­ka

Stel­len Sie sich ein­mal vor, dass der mensch­li­che Darm 10 Mal mehr Bak­te­ri­en ent­hält, als der gesam­te Kör­per Zel­len hat, näm­lich mehr als 100.000.000.000.000 (100 Bil­lio­nen) Mikro­or­ga­nis­men.

Zu die­ser enor­men Bio­mas­se gehö­ren geschätz­te 1.800 Gat­tun­gen und 15.000 bis 36.000 ver­schie­de­ne Bak­te­ri­en­ar­ten, die eine star­ke Stoff­wech­sel­ak­ti­vi­tät ent­fal­ten und für die mensch­li­che Gesund­heit von wesent­li­cher Bedeu­tung sind. Neben der För­de­rung nor­ma­ler Magen-Darm-Funk­tio­nen und dem Schutz gegen­über Infek­tio­nen hat die Darm­mi­kro­flo­ra auch wich­ti­ge Wir­kun­gen auf den sys­te­mi­schen Stoff­wech­sel und die Immunfunk­ti­on. Zwar ist die genaue Rol­le für vie­le die­ser Orga­nis­men noch nicht bekannt, aber sowohl die wis­sen­schaft­li­che Grund­la­gen­for­schung als auch die kli­ni­sche For­schung haben ers­te Erkennt­nis­se zu den viel­fäl­ti­gen Funk­tio­nen gesun­der intes­ti­na­ler Mikro­bio­ta erbracht. Pro­bio­ti­ka sind ent­we­der Arten, die zu den essen­zi­el­len Darm­mi­kro­bio­ta gehö­ren, oder es sind tran­si­en­te Arten, die bei ihrer Pas­sa­ge des Magen-Darm-Trakts einen Nut­zen ent­fal­ten. Die­ser Arti­kel fasst das aktu­el­le Wis­sen zu Pro­bio­ti­ka zusam­men, erör­tert deren Gebrauch und gesund­heits­för­dern­de Anwen­dun­gen und beant­wor­tet häu­fi­ge Fra­gen zu Pro­bio­ti­ka.

Pro­bio­ti­ka: Defi­ni­tio­nen und Arten

In den ers­ten Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts berich­te­te der Nobel­preis­trä­ger Ilja Iljitsch Met­sch­ni­kow über die gesund­heits­för­dern­de und lebens­ver­län­gern­de Wir­kung des Ver­zehrs fer­men­tier­ter Milch­pro­duk­te.

Er pos­tu­lier­te, dass die Auf­nah­me leben­der Milch­säu­re­bak­te­ri­en das Gleich­ge­wicht der gastro­in­tes­ti­na­len Mikro­bio­ta ver­bes­sert. 1965 führ­ten dann Lil­ly und Still­well die Bezeich­nung „Pro­bio­ti­ka“ für die von Mikro­or­ga­nis­men pro­du­zier­ten wachs­tums­för­dern­den Fak­to­ren ein.

Ful­ler mach­te das Wort „Pro­bio­ti­ka“ 1989 grö­ße­ren Krei­sen bekannt und beschrieb Pro­bio­ti­ka als leben­de mikro­bi­el­le Fut­ter­mit­tel­er­gän­zun­gen, die durch Ver­bes­se­rung des mikro­bi­el­len Gleich­ge­wichts im Darm einen Nut­zen für den Wirt haben.

Ein Kon­sens-Doku­ment des Inter­na­tio­nal Life Sci­en­ces Insti­tu­te Euro­pe schlug 2001 eine ein­fa­che und inzwi­schen weit­ver­brei­te­te Defi­ni­ti­on von Pro­bio­ti­ka vor: „lebens­fä­hi­ge mikro­bi­el­le Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel, die einen güns­ti­gen Ein­fluss auf die mensch­li­che Gesund­heit haben“.

Die Pro­bio­ti­ka unter­glie­dern sich in Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en, kei­ne Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en­ar­ten und nicht patho­ge­ne Hefen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den Tech­ni­ken zur mole­ku­la­ren Typi­sie­rung ent­wi­ckelt, die eine kor­rek­te Iden­ti­fi­zie­rung pro­bio­ti­scher Orga­nis­men bis auf Stamm­ebe­ne erlau­ben. Die leis­tungs­stärks­ten die­ser Metho­den kön­nen selbst win­zi­ge Abwei­chun­gen der DNA- und RNA-Mus­ter erken­nen und so einen gen­tech­ni­schen „Fin­ger­ab­druck“ eines Orga­nis­mus erstel­len. Instru­men­te zur Stammi­den­ti­fi­zie­rung wer­den immer häu­fi­ger ein­ge­setzt, um Vor­lie­gen, Ver­bleib und Leis­tung von Pro­bio­ti­ka im Magen-Darm-Trakt zu ana­ly­sie­ren.

Lac­to­ba­c­il­lus

Die Gat­tung Lac­to­ba­c­il­lus stellt nur einen klei­nen Anteil der mensch­li­chen Mikro­bio­ta des Darms dar; im Dünn­darm ist sie in der Regel zahl­rei­cher ver­tre­ten als im Dick­darm. Lac­to­ba­c­il­lus-Arten sind fakul­ta­tiv anae­rob, wobei man­che Arten wie L. plan­t­ar­um auch Sauer­stoff ver­at­men und in Was­ser­stoff­per­oxid umwan­deln kön­nen. Von den über 100 Lac­to­ba­c­il­lus-Arten wer­den die fol­gen­den am häu­figs­ten als Pro­bio­ti­ka ein­ge­setzt:

L. aci­do­phi­lusL. plan­t­ar­umL. jen­se­nii
L. fer­men­tumL. bul­ga­ri­cusL. rham­no­sus
L. para­caseiL. hel­ve­ti­cusL. cris­pa­tus
L. bre­visL. reu­te­riL. john­so­nii
L. gas­se­riL. caseiL. sali­va­ri­as

Bifi­do­bac­te­ri­um

Eine wei­te­re gut beschrie­be­ne Gat­tung der Milch­säu­re pro­du­zie­ren­den Bak­te­ri­en ist Bifi­do­bac­te­ri­um. Bifi­do­bak­te­ri­en sind streng anae­rob und nor­ma­ler­wei­se im Dick­darm zahl­reich ver­tre­ten. Von den über 30 Bifi­do­bac­te­ri­um-Arten wer­den die fol­gen­den 8 häu­fig als Pro­bio­ti­ka ein­ge­setzt:

B. ado­lescen­tisB. ani­ma­lisB. bifi­dum
B. bre­veB. infan­tisB. lac­tis
B. longumB. ther­mo­philum

Strep­to­coc­cus

Strep­to­coc­cus-Arten wer­den in der Regel nicht mit einer gesund­heits­för­dern­den Wir­kung in Ver­bin­dung gebracht und vie­le von ihnen sind hoch patho­gen. Eine fakul­ta­tiv anae­ro­be Art, Strep­to­coc­cus ther­mo­phi­lus, ist jedoch als gesund­heits­för­dernd bekannt und ist eine der bei­den wich­tigs­ten Arten in Joghurt­kul­tu­ren. Die ande­re ist L. bul­ga­ri­cus.

Entero­coc­cus

Das in einer Rei­he pro­bio­ti­scher Pro­duk­te ent­hal­te­ne fakul­ta­tiv anae­ro­be Bak­te­ri­um Entero­coc­cus fae­ci­um ver­fügt über eine Rei­he nütz­li­cher Eigen­schaf­ten. Aller­dings hat sich E. fae­ci­um von einem rela­tiv nicht patho­ge­nen Begleit­bak­te­ri­um zur dritt­häu­figs­ten Ursa­che nos­o­ko­mia­ler Infek­tio­nen ent­wi­ckelt und macht jetzt mehr als 10 % der kli­ni­schen Iso­la­te von Ente­ro­kok­ken aus. Es hat auch eine aus­ge­dehn­te Resis­tenz gegen Anti­bio­ti­ka ent­wi­ckelt.

Pedio­coc­cus

Pedio­coc­cus ist eine phy­lo­ge­ne­tisch mit Lac­to­ba­c­il­lus ver­wand­te Gat­tung Milch­säu­re pro­du­zie­ren­der Bak­te­ri­en. Pedio­kok­ken wer­den häu­fig in der Fer­men­tie­rung von Nah­rungs­mit­teln ver­wen­det, weil sie geschmacks­ver­lei­hen­de Eigen­schaf­ten haben und anti­mi­kro­bi­el­le Bak­te­rio­zi­ne (oder Pedio­zi­ne) frei­set­zen. Bak­te­rio­zi­ne pro­du­zie­ren­de Pedio­kok­ken sind aus dem mensch­li­chen Darm iso­liert wor­den und man­che Arten wie P. aci­dil­ac­tici wei­sen beson­ders nütz­li­che pro­bio­ti­sche Eigen­schaf­ten auf. P. aci­dil­ac­tici pro­du­ziert meh­re­re Arten von Pedio­zin und bil­det gro­ße Men­gen anti­mi­kro­bi­el­len Was­ser­stoff­per­oxids. Der Orga­nis­mus ver­trägt Säu­re und Gal­le bes­ser als vie­le häu­fig ver­wen­de­te Lac­to­ba­c­il­lus-Arten und ist gegen­über vie­len Anti­bio­ti­ka resis­tent.

Bei Tie­ren konn­te gezeigt wer­den, dass P. aci­dil­ac­tici das Wachs­tum för­dert, tro­phisch auf die Darm­schleim­haut wirkt und die Trans­lo­ka­ti­on entero­to­xi­scher Esche­ri­chia coli aus dem Darm­lu­men in die Mesen­te­ri­al­lymph­kno­ten signi­fi­kant hemmt. Stu­di­en deu­ten dar­auf hin, dass P. aci­dil­ac­tici durch das Her­auf­re­gu­lie­ren der Pro­duk­ti­on regu­la­to­ri­scher T-Zel­len auch an der Unter­drü­ckung auto­im­mu­ner Patho­lo­gi­en betei­ligt sein kann.

P. aci­dil­ac­tici wur­de bis­her nur in weni­gen Stu­di­en mit Men­schen unter­sucht, aber eine die­ser Stu­di­en ergab, dass eine kurz­fris­ti­ge intra­va­gi­na­le Ver­ab­rei­chung des Orga­nis­mus zusam­men mit meh­re­ren Lac­to­ba­c­il­lus-Arten die Hei­lungs­ra­ten und kli­ni­schen Ergeb­nis­se bei Frau­en ver­bes­ser­ten, die auf­grund einer bak­te­ri­el­len Vagi­no­se oder vul­vo­va­gi­na­len Can­di­dia­sis behan­delt wur­den.

Bac­il­lus

Bac­il­lus-Arten sind ubi­qui­tä­re fakul­ta­ti­ve oder obli­gat anae­ro­be spo­ren­bil­den­de Orga­nis­men, die im Boden und Was­ser zu fin­den sind. Frü­her wur­den sie zwar als tran­si­en­te, nicht kolo­ni­sie­ren­de Mit­glie­der der Darm­mi­kro­bio­ta ange­se­hen, jedoch deu­ten neue­re For­schungs­ar­bei­ten dar­auf hin, dass sich man­che Bac­il­lus-Arten wie B. sub­ti­lis an das Leben im mensch­li­chen Magen-Darm-Trakt ange­passt haben, häu­fig dar­aus iso­liert wer­den und als kom­men­sa­le Mikro­or­ga­nis­men betrach­tet wer­den soll­ten.

Die Spo­ren einer Rei­he von Bac­il­lus-Arten wer­den als Pro­bio­ti­ka ein­ge­setzt und oft als boden­ba­sier­te Pro­bio­ti­ka bezeich­net. Bac­il­lus-Arten wie Bac­il­lus sub­ti­lis, B. coagulans, B. liche­ni­for­mis und B. cere­us haben einen Nut­zen gezeigt. In Tier­stu­di­en wur­de nach­ge­wie­sen, dass Bac­il­lus-Pro­bio­ti­ka diver­se anti­mi­kro­bi­el­le Stof­fe pro­du­zie­ren, die gegen Patho­ge­ne wir­ken und das Immun­sys­tem in güns­ti­ger Wei­se sti­mu­lie­ren. Aller­dings sind auch Toxi­zi­tä­ten für Bac­il­lus-Arten gut belegt, dar­un­ter die mög­li­che Pro­duk­ti­on von Entero­to­xi­nen. Bei Pro­bio­ti­ka­pro­duk­ten mit Bac­il­lus gab es Pro­ble­me mit fal­schen Kenn­zeich­nun­gen und sie lei­den unter der Asso­zia­ti­on mit Gas­tro­en­ter­i­tis und Diar­rhö. Daher ist es wich­tig, nur gut beschrie­be­ne Bac­il­lus-Pro­bio­ti­ka von renom­mier­ten Her­stel­lern zu ver­wen­den.

Pro­pio­ni­bac­te­ri­um

Pro­pio­ni­bac­te­ri­um-Arten sind gram­po­si­ti­ve, kei­ne Spo­ren bil­den­de pleo­mor­phe Stäb­chen, die im Jahr 1906 erst­mals beschrie­ben wur­den. Sie leben in der Regel anae­rob, jedoch ver­tra­gen eini­ge Stäm­me sehr gerin­ge Men­gen an Luft (Mikro­ae­ro­phi­lie). Haupt­pro­duk­te ihrer Gär­pro­zes­se sind Pro­pi­ons­äu­re, Essig­säu­re und Koh­len­di­oxid. Pro­pio­ni­bac­te­ri­um-Arten sind oft auf der Haut zu fin­den. Pro­pio­ni­bak­te­ri­en sti­mu­lie­ren das Wachs­tum von Bifi­do­bak­te­ri­en, däm­men patho­ge­ne Popu­la­tio­nen fäka­ler Sta­phy­lo­coc­cus- und Ente­ro­bac­te­riaceae-Arten ein, sen­ken die Kon­zen­tra­ti­on kar­zi­no­ge­ner Enzy­me und modu­lie­ren das Immun­sys­tem in güns­ti­ger Wei­se. Aus­ge­wähl­te Pro­pio­ni­bac­te­ri­um-Arten wei­sen ein pro­bio­ti­sches Poten­zi­al auf.

Esche­ri­chia

Esche­ri­chia coli Nissle 1917 ist ein nütz­li­cher Esche­ri­chia-Stamm, dem die Viru­lenz­fak­to­ren feh­len, für die ande­re E.-coli-Serotypen bekannt sind. Es konn­te gezeigt wer­den, dass E. coli Nissle 1917 gegen enter­o­pa­tho­ge­ne Mikro­or­ga­nis­men wirkt, ent­zün­dungs­hem­mend ist, die zel­lu­lä­re und humo­ra­le Immun­re­ak­ti­on ver­bes­sert und die Inte­gri­tät der Darm­bar­rie­re stärkt. Es hat sich bei einer Rei­he gastro­in­tes­ti­na­ler Erkran­kun­gen kli­nisch bewährt, bei­spiels­wei­se bei unspe­zi­fi­scher Diar­rhö und ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen.

Pro­bio­ti­sche Hefen

Sac­charo­my­ces

Die Hefe­gat­tung Sac­charo­my­ces umfasst zahl­rei­che Arten und Unter­ar­ten (oder Stäm­me), von denen nur S. bou­lar­dii als Pro­bio­ti­kum ver­wen­det wird. Die­ser von Magen­säu­re und Gal­len­flüs­sig­keit unbe­ein­träch­tig­te Orga­nis­mus ver­mehrt sich ent­lang des gesam­ten Magen-Darm-Trakts. Er ist allein und in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Pro­bio­ti­ka ein­ge­setzt wor­den, um eine Rei­he gastro­in­tes­ti­na­ler Erkran­kun­gen erfolg­reich zu behan­deln, ins­be­son­de­re Diar­rhö und durch Clos­tri­di­um dif­fi­ci­le her­vor­ge­ru­fe­ne Krank­hei­ten.

Lac­to­ba­c­il­lus

Die Lac­to­ba­c­il­lus-Arten sind fakul­ta­tiv anae­ro­be, gram­po­si­ti­ve, kei­ne Spo­ren bil­den­den Stäb­chen oder Kok­ko­ba­zil­len (läng­lich-ova­le Bazil­len). Sie wer­den ent­we­der als homo­fer­men­ta­tiv ein­ge­stuft, was bedeu­tet, dass Milch­säu­re das wich­tigs­te End­pro­dukt ihrer Gär­pro­zes­se ist, oder als hetero­fer­men­ta­tiv mit Milch­säu­re, Koh­len­di­oxid, Etha­nol und Essig- säu­re als wich­tigs­ten End­pro­duk­ten der Fer­men­ta­ti­on. Seit der Ein­füh­rung der gene­ti­schen Typi­sie­rungs- und Hybri­di­sie­rungs­tech­no­lo­gi­en hat sich die Lac­to­ba­c­il­lus-Klas­si­fi­zie­rung rasant ent­wi­ckelt. Aktu­ell sind mehr als 100 Arten aner­kannt. Lak­toba­zil­len ver­fü­gen über vie­le wich­ti­ge Merk­ma­le, die sie als Pro­bio­ti­ka wert­voll machen. Dazu zäh­len die Pro­duk­ti­on von Enzy­men, die Pro­te­ine und Koh­le­hy­dra­te ver­dau­en und meta­bo­li­sie­ren, die Syn­the­se von B-Vit­ami­nen und Vit­amin K, der Abbau von Gal­len­sal­zen, die Stär­kung der ange­bo­re­nen und der erwor­be­nen Immu­ni­tät sowie die Hem­mung ent­zün­dungs­för­dern­der Media­to­ren. Lac­to­ba­c­il­lus-Arten zei­gen anti­mi­kro­bi­el­le Wir­kung gegen eine Rei­he von Patho­ge­nen wie Pseu­do­mo­nas, E. coli, Sta­phy­lo­coc­cus aure­us, Sal­mo­nel­la, Shi­gel­la, Can­di­da und Heli­co­bac­ter pylo­ri.

Am bes­ten unter­sucht ist zwei­fel­los L. aci­do­phi­lus. Über meh­re­re Jahr­zehn­te wur­de eine Rei­he von Lak­toba­zil­len fälsch­lich als L. aci­do­phi­lus klas­si­fi­ziert und erst in jüngs­ter Zeit hat sich gezeigt, dass es sich dabei um eige­ne Arten mit unter­scheid­ba­ren und ein­zig­ar­ti­gen mög­li­chen gesund­heits­för­dern­den Eigen­schaf­ten sind. Als Neben­wir­kung hat die­se Neu­klas­si­fi­zie­rung zu eini­ger Ver­wir­rung geführt, da vie­le der gesund­heits­för­dern­den Wir­kun­gen, die ehe­mals „L. aci­do­phi­lus“ zuge­schrie­ben wur­den, heu­te ande­ren Lac­to­ba­c­il­lus-Arten zuge­ord­net wer­den. Eine die­ser Arten, L. rham­no­sus, wird der­zeit als beson­ders nütz­lich erach­tet, obwohl die­ser Orga­nis­mus erst 1989 als eigen­stän­di­ge Art erkannt wur­de und lan­ge nicht als beson­ders nütz­lich galt. Die Fort­schrit­te bei der Neu­klas­si­fi­zie­rung von ehe­mals als „L. aci­do­phi­lus“ ein­ge­stuf­ten Arten waren wesent­lich ver­ant­wort­lich für die Ergeb­nis­se der 1990 von Hug­hes ver­öf­fent­lich­ten Stu­die zu Pro­bio­ti­ka: Prak­tisch kei­ne der unter­such­ten „L.-acidophilus“-Probiotika ent­hiel­ten tat­säch­lich L. aci­do­phi­lus. Als häu­figs­te Art in die­ser Stu­die wur­de L. rham­no­sus iden­ti­fi­ziert.

Die Stäm­me von L. rham­no­sus sind wahr­schein­lich die am ein­ge­hends­ten unter­such­ten Pro­bio­ti­ka. Vie­le Stu­di­en haben wie­der­holt gezeigt, dass L. rham­no­sus GG eine rota­vi­rus­be­ding­te Diar­rhö behan­deln und ver­hin­dern kann, eine anti­bio­ti­kum­be­ding­te Diar­rhö ver­mei­den und durch Clos­tri­di­um dif­fi­ci­le ver­ur­sach­te Diar­rhö behan­deln kann. L. rham­no­sus ver­fügt über wesent­li­che immun­mo­du­la­to­ri­sche Eigen­schaf­ten. Die Wir­kung von L. rham­no­sus GG wur­de bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern mit Kuh­milch­all­er­gie und Neu­ro­der­mi­tis unter­sucht und war im Ver­gleich zu einem Pla­ce­bo mit wesent­li­chen Ver­bes­se­run­gen ver­bun­den. Das Pro­bio­ti­kum senk­te meh­re­re intes­ti­na­le Ent­zün­dungs­mar­ker bei den Kin­dern, was mög­li­cher­wei­se auf eine ver­bes­ser­te Darm­bar­rie­re­funk­ti­on und so auf eine redu­zier­te Anti­gen­trans­lo­ka­ti­on zurück­zu­füh­ren ist. Zwei jün­ge­re Stu­di­en haben dar­über hin­aus den Nut­zen von L. rham­no­sus GG bei der Vor­beu­gung und Behand­lung von Neu­ro­der­mi­tis und Ekze­men bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern nach­ge­wie­sen.

Frü­her ging man davon aus, dass L. aci­do­phi­lus im mensch­li­chen Magen-Darm-Trakt hei­misch ist und dass der Ver­zehr von L. aci­do­phi­lus die nor­ma­le Mikro­bio­ta wie­der auf­baut. Heu­te weiß man jedoch, dass nicht L. aci­do­phi­lus im Darm behei­ma­tet ist, son­dern ande­re Arten, die frü­her fälsch­lich unter die­ser Bezeich­nung geführt wur­den und heu­te bei­spiels­wei­se als L. gas­se­ri, E. cris­pa­tus und L. john­so­nii bekannt sind.Die meis­ten Lac­to­ba­c­il­lus-Pro­bio­ti­ka kom­men nicht ursprüng­lich im mensch­li­chen Magen-Darm-Trakt vor, besie­deln den Darm jedoch, wenn sie regel­mä­ßig ver­zehrt wer­den. Vege­ta­risch leben­de Men­schen und Men­schen mit einer tra­di­tio­nel­len pflanz­li­chen Ernäh­rungs­wei­se zei­gen hohe Besied­lungs­ra­ten bestimm­ter Lak­toba­zil­len wie L. plan­t­ar­um, L. rham­no­sus und L. aci­do­phi­lus. Men­schen, die sich mit den stark ver­ar­bei­te­ten Lebens­mit­teln der Indus­trie­län­der ernäh­ren, zei­gen dage­gen nur gerin­ge Besied­lungs­ra­ten mit die­sen wich­ti­gen Mikro­or­ga­nis­men. Inzwi­schen ist klar, dass Pro­bio­ti­ka regel­mä­ßig ver­zehrt wer­den müs­sen, um das nor­ma­le Gleich­ge­wicht essen­zi­el­ler Mikro­or­ga­nis­men im Darm auf­recht­zu­er­hal­ten oder wie­der­her­zu­stel­len.

Bifi­do­bac­te­ri­um

Am Ende des 19. Jahr­hun­derts wur­den Bifi­do­bak­te­ri­en als unre­gel­mä­ßi­ge Y-för­mi­ge Bak­te­ri­en beschrie­ben und als Bac­il­lus bifi­dus bezeich­net. Im 20. Jahr­hun­dert wur­den sie lan­ge als zur Gat­tung Lac­to­ba­c­il­lus gehö­rig klas­si­fi­ziert, weil sie Milch­säu­re pro­du­zie­ren. Zahl­rei­che Stu­di­en, aus denen sich eine ein­zig­ar­ti­ge Phy­sio­lo­gie und spe­zi­fi­sche Nähr­stoff­an­sprü­che erga­ben, führ­ten 1960 dann zur Schaf­fung der eige­nen Gat­tung Bifi­do­bac­te­ri­um, die heu­te mehr als 30 Arten umfasst. Bifi­do­bak­te­ri­en sind fast immer streng anae­ro­be Stäb­chen, die kei­ne Spo­ren bil­den. Sie gehö­ren zu den häu­fi­ge­ren Milch­säu­re pro­du­zie­ren­den Bak­te­ri­en im mensch­li­chen Darm und kon­kur­rie­ren im Dick­darm mit Bac­te­roi­des-Arten um die Vor­herr­schaft. Bei gesun­den, gestill­ten Säug­lin­gen machen sie 95 % der Bak­te­ri­en­po­pu­la­ti­on im Darm aus. Im Darm von Erwach­se­nen blei­ben Bifi­do­bac­te­ri­um-Popu­la­tio­nen in der Regel sta­bil, kön­nen jedoch mit zuneh­men­dem Alter abneh­men, was mög­li­cher­wei­se sogar zur Alte­rung bei­trägt. Durch Anti­bio­ti­ka und ande­re Umwelt­gif­te kön­nen sie zah­len­mä­ßig stark redu­ziert wer­den. Das Vor­han­den­sein von Bifi­do­bac­te­ri­um im Darm ist mit zahl­rei­chen gesund­heits­för­der­li­chen Fak­to­ren ver­bun­den.

Für das Pro­bio­ti­kum Bifi­do­bac­te­ri­um liegt eine lan­ge Lis­te gesund­heits­för­dern­der Wir­kun­gen vor. Aus ernäh­rungs­tech­ni­scher Sicht ist es güns­tig, dass sie Lak­to­se ver­stoff­wech­seln, die L(+)-Form der Milch­säu­re erzeu­gen, bestimm­te Vit­ami­ne syn­the­ti­sie­ren, unver­dau­li­che Koh­le­hy­dra­te fer­men­tie­ren und die güns­ti­gen kurz­ket­ti­gen Fett­säu­ren pro­du­zie­ren. Sowohl B. bifi­dum als auch B. bre­ve und B. lac­tis schüt­zen gegen aku­te Diar­rhö. Für B. longum und B. bifi­dum konn­te nach­ge­wie­sen wer­den, dass sie Häu­fig­keit und Dau­er von anti­bio­ti­ka­be­ding­ter Diar­rhö und von Rei­se­durch­fäl­len ver­rin­gern. Sie hem­men Patho­ge­ne in ers­ter Linie durch die Pro­duk­ti­on von orga­ni­schen Säu­ren und Was­ser­stoff­per­oxid sowie durch die Sti­mu­la­ti­on des Immun­sys­tems des Wirts. Für Bifi­do­bac­te­ri­um-Arten wur­de gezeigt, dass sie gegen Ver­stop­fung hel­fen, ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen lin­dern, die Darm­per­mea­bi­li­tät redu­zie­ren und den Serum­cho­le­ste­rin­spie­gel sen­ken. In Tier­mo­del­len haben B. longum und B. bre­ve DNA-Schä­den ver­hin­dert, was dar­auf hin­deu­tet, dass Pro­bio­ti­ka das Auf­tre­ten bestimm­ter Krebs­ar­ten ver­hin­dern oder ver­zö­gern kön­nen.

Sac­charo­my­ces bou­lar­dii

S. bou­lar­dii, frü­her als S. cer­ve­s­iae Vari­an­te bou­lar­dii Han­sen CBS 5926 bezeich­net, ist eine nicht kolo­ni­sie­ren­de, Milch­säu­re bil­den­de Hefe. Sie wird welt­weit als nütz­li­ches Pro­bio­ti­kum ein­ge­setzt. Kli­ni­sche Stu­di­en haben gezeigt, dass S. bou­lar­dii, vie­le Darm­er­kran­kun­gen behan­delt, dar­un­ter anti­bio­ti­ka­be­ding­te Diar­rhö, durch C. dif­fi­ci­le beding­te Erkran­kun­gen, aku­te Diar­rhö, Rei­se­durch­fäl­le und Diar­rhö bei Pati­en­ten mit Son­den­er­näh­rung. Bei Erwach­se­nen wur­de S. bou­lar­dii erfolg­reich zur Behand­lung AIDS-beding­ter Diar­rhö und zur Ver­mei­dung von Rezi­di­ven von Mor­bus Crohn und Coli­tis ulce­ro­sa ein­ge­setzt. S. bou­lar­dii hat eine direk­te Schutz­wir­kung gegen die Darm­pa­tho­ge­ne Vibrio cho­le­rae und E. coli. Die güns­ti­ge Wir­kung die­ser Hefe auf den Magen-Darm-Trakt des Wirts beruht auf ver­schie­de­nen Wirk­me­cha­nis­men. In vivo setzt S. bou­lar­dii Pro­teasen und ande­re Sub­stan­zen frei, die bak­te­ri­el­le Entero­to­xi­ne abbau­en und deren Bin­dung an Rezep­to­ren im Darm ver­hin­dern. S. bou­lar­dii sti­mu­liert die Immun­ab­wehr des Wirts, ver­rin­gert Darm­se­kre­te, hemmt durch Entero­to­xi­ne aus­ge­lös­te Ent­zün­dungs­ant­wor­ten, redu­ziert die Darm­per­mea­bi­li­tät und för­dert die Pro­duk­ti­on tro­phi­scher Fak­to­ren im Darm wie Enzy­me der Bürs­ten­saum­mem­bran und Nähr­stoff­trans­por­ter.

Strep­to­coc­cus ther­mo­phi­lus und Lac­to­ba­c­il­lus bul­ga­ri­cus

Die­se bei­den Arten Milch­säu­re pro­du­zie­ren­der Bak­te­ri­en sind die wich­tigs­ten in der Joghurt­pro­duk­ti­on ein­ge­setz­ten Kul­tu­ren. Zwar sind bei­de Arten tran­si­ent und besie­deln den Darm­trakt nicht, haben aber den­noch einen erheb­li­chen Nut­zen für die Gesund­heit. Sie ver­stoff­wech­seln Lak­to­se und redu­zie­ren so die Lak­to­se­into­le­ranz. Aus In-vitro-Stu­di­en ist bekannt, dass die­se Arten eine star­ke anti­mi­kro­bi­el­le Wir­kung gegen Pseu­do­mo­nas, E. coli, S. aure­us, Sal­mo­nel­la und Shi­gel­la haben. In man­chen Unter­su­chun­gen wur­de die­se Wir­kung mit der von L. aci­do­phi­lus ver­gli­chen und als stär­ker befun­den. In vitro zeigt L. bul­ga­ri­cus auch Wir­kung gegen H. pylo­ri. Bei­de Joghurt­kul­tur­bak­te­ri­en wer­den seit Jahr­tau­sen­den zur För­de­rung von Gesund­heit und lan­ger Lebens­dau­er ein­ge­setzt und wer­den zwei­fel­los auch wei­ter­hin eine wich­ti­ge Rol­le als pro­bio­ti­sche Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel spie­len.

Entero­coc­cus fae­ci­um

Das frü­her als Strep­to­coc­cus fae­ci­um bezeich­ne­te Bak­te­ri­um E. fae­ci­um ist ein ubi­qui­tä­rer Orga­nis­mus, der in vie­len Nah­rungs­mit­teln, im Boden und in Pflan­zen vor­kommt. Es besie­delt Haut, Darm und Geni­ta­li­en des Men­schen. E. fae­ci­um ist robust und kann höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren und nied­ri­ge­ren pH-Wer­ten wider­ste­hen als ande­re Pro­bio­ti­ka. Meh­re­re Stu­di­en deu­ten dar­auf hin, dass E. fae­ci­um einer anti­bio­ti­ka­be­ding­ten Diar­rhö wirk­sam vor­beugt und sie bekämpft. Es wur­de auch zur Behand­lung einer aku­ten Gas­tro­en­ter­i­tis ein­ge­setzt. Stu­di­en haben sowohl in vivo als auch in vitro eine Hemm­wir­kung gegen­über meh­re­ren Patho­ge­nen gezeigt, dar­un­ter S. aure­us, E. coli, Sal­mo­nel­la, Clos­tri­di­um und Lis­te­ria. Aller­dings ist E. fae­ci­um kein nicht patho­ge­nes kom­men­sa­les Bak­te­ri­um mehr, son­dern kann immer häu­fi­ger schwe­re, oft lebens­be­droh­li­che Infek­tio­nen aus­lö­sen. Der Erwerb von Anti­bio­tika­re­sis­ten­zen durch Ente­ro­kok­ken­ar­ten ist ein wach­sen­des kli­ni­sches Pro­blem. Der­zeit ist etwa die Hälf­te aller kli­ni­schen Iso­la­te von E. fae­ci­um resis­tent gegen das äußerst wich­ti­ge Anti­bio­ti­kum Van­co­my­cin. So über­wie­gen die Risi­ken des Gebrauchs von E. fae­ci­um als Pro­bio­ti­kum zuneh­mend des­sen mög­li­chen Nut­zen.

Pro­bio­ti­ka: Gesund­heit­li­che Wir­kung

Für pro­bio­ti­sche Orga­nis­men ist nach­ge­wie­sen, dass sie bei einer Viel­zahl gastro­in­tes­ti­na­ler und extrain­tes­ti­na­ler Erkran­kun­gen auf eine Wei­se wir­ken, die über die Modu­la­ti­on der Darm­mi­kro­flo­ra und den Erhalt eines nor­ma­len bak­te­ri­el­len Gleich­ge­wichts kom­men­sa­ler Bak­te­ri­en im Darm hin­aus­geht.

Diar­rhö

Für vier For­men der Diar­rhö ist der Nut­zen von Pro­bio­ti­ka klar belegt, näm­lich für Diar­rhö, die durch Anti­bio­ti­ka, C. dif­fi­ci­le, Rota­vi­ren oder Infek­tio­nen bedingt ist. Für durch Anti­bio­ti­ka und C. dif­fi­ci­le beding­te Diar­rhö ist die­se schüt­zen­de oder hei­len­de Wir­kung am bes­ten belegt. Eine Meta­ana­ly­se von 25 ran­do­mi­sier­ten, kon­trol­lier­ten Stu­di­en mit ins­ge­samt 2.810 Pati­en­ten kam zu dem Schluss, dass Pro­bio­ti­ka das rela­ti­ve Risi­ko einer Anti­bio­ti­ka beding­ten Diar­rhö signi­fi­kant um 57 % sen­ken. Drei Arten von Pro­bio­ti­ka erwie­sen sich dabei als am güns­tigs­ten: S. bou­lar­dii, L. rham­no­sus GG sowie Pro­bio­ti­ka, die meh­re­re Arten kom­bi­nie­ren.

Eine Meta­ana­ly­se von 23 ran­do­mi­sier­ten, kon­trol­lier­ten Stu­di­en durch die United King­dom West Mid­lands Health Tech­no­lo­gy Assess­ment Group ergab, dass Pro­bio­ti­ka das rela­ti­ve Risi­ko einer durch C. dif­fi­ci­le beding­ten Diar­rhö signi­fi­kant um 46 % sen­ken. Immer wie­der zeig­te sich, dass S. bou­lar­dii das Risi­ko neu­er und rezi­di­vie­ren­der Fäl­le von durch C. dif­fi­ci­le beding­ter Diar­rhö senkt. Beson­ders hilf­reich ist S. bou­lar­dii bei Erwach­se­nen, die mehr als eine Epi­so­de die­ser Durch­fall­erkran­kung durch­ge­macht haben. Der durch Rota­vi­ren beding­ten Diar­rhö, die ein häu­fi­ges Pro­blem bei sta­tio­när behan­del­ten Kin­dern ist, lässt sich nach­weis­lich durch L. rham­no­sus, L. casei, S. ther­mo­phi­lus und B. bifi­dum vor­beu­gen. L. rham­no­sus, L. reu­te­ri, L. casei und S. bou­lar­dii haben sich als wirk­sam ent­we­der zur Prä­ven­ti­on oder Behand­lung nos­o­ko­mia­ler infek­tiö­ser Diar­rhö bei Säug­lin­gen, Klein­kin­dern und Kin­dern erwie­sen.

Vagi­na­le Dys­bio­se

Von einer Dys­bio­se spricht man, wenn die nor­ma­len mikro­bi­el­len Öko­sys­te­me von Kör­per­ge­we­ben so gestört sind, dass es zu kli­ni­schen Sym­pto­men und Erkran­kun­gen kommt. Wie die Mikro­flo­ra des Darm­trakts kann auch die gesun­de vagi­na­le Mikro­flo­ra so gestört wer­den, dass sich uner­wünsch­te Mikro­or­ga­nis­men ver­meh­ren, und zwar ins­be­son­de­re wäh­rend und nach einer anti­bio­ti­schen Behand­lung. Da die häu­figs­ten Infek­tio­nen des Uro­ge­ni­tal­trakts mit einer gestör­ten vagi­na­len Mikro­flo­ra ein­her­ge­hen, ist die Wie­der­her­stel­lung eines gesun­den, resi­li­en­ten Mikro­bi­oms im Vagi­nal­trakt ein geeig­ne­tes Mit­tel zur Ver­rin­ge­rung des Risi­kos oppor­tu­nis­ti­scher Infek­tio­nen. Tra­di­tio­nell wur­den Prä­pa­ra­te mit Milch­säu­re bil­den­den Bak­te­ri­en ent­we­der als in Joghurt getränk­te Tam­pons oder Spü­lun­gen oder als ein­ge­kap­sel­te pro­bio­ti­sche Sup­po­si­to­ri­en ein­ge­setzt und erwie­sen sich als kli­nisch güns­tig für die Ein­däm­mung des Patho­gen­wachs­tums. Spä­ter wur­de offen­sicht­lich, dass auch oral ver­ab­reich­te pro­bio­ti­sche Orga­nis­men in der Lage sein soll­ten, den Vagi­nal­trakt zu besie­deln und uro­ge­ni­ta­le Infek­tio­nen zu ver­hin­dern, da aus dem Darm stam­men­de Patho­ge­ne eben­falls in der Lage sind, den Vul­vo­va­gi­nal­be­reich zu infi­zie­ren. Die­se Hypo­the­se konn­te in eini­gen kli­ni­schen Stu­di­en bestä­tigt wer­den. Es wur­de gezeigt, dass die ora­le Ver­ab­rei­chung von Pro­bio­ti­ka wie L. aci­do­phi­lus, L. fer­men­tum und L. rham­no­sus in der Lage sind, eine von Lac­to­ba­c­il­lus domi­nier­te vagi­na­le Mikro­flo­ra wie­der­her­zu­stel­len und die Häu­fig­keit einer bak­te­ri­el­len Vagi­no­se und vul­vo­va­gi­na­len Can­di­dia­sis zu sen­ken. Pro­bio­ti­ka kön­nen außer­dem die Wirk­sam­keit kon­ven­tio­nel­ler anti­mi­kro­bi­el­ler The­ra­pi­en ergän­zen. In zwei ran­do­mi­sier­ten, pla­ce­bo­kon­trol­lier­ten Stu­di­en mit Frau­en mit dia­gnos­ti­zier­ter bak­te­ri­el­ler Vagi­no­se führ­te die ergän­zen­de ora­le Gabe von L. rham­no­sus und L. reu­te­ri zusätz­lich zu den Anti­bio­ti­ka Metro­ni­da­zo oder Tini­da­zol zu einer signi­fi­kant höhe­ren Hei­lungs­ra­te als die Behand­lung mit den Anti­bio­ti­ka und einem Pla­ce­bo.

Wir­kung gegen Patho­ge­ne

Der Ein­satz von Pro­bio­ti­ka zur Behand­lung intes­ti­na­ler und vagi­na­ler Erkran­kun­gen stützt sich auf die Fähig­keit bestimm­ter Stäm­me, das Wachs­tum von Krank­heits­er­re­gern ein­zu­däm­men. Im Darm­trakt muss jeder­zeit ein emp­find­li­ches Gleich­ge­wicht zwi­schen nütz­li­chen und schäd­li­chen Orga­nis­men auf­recht­erhal­ten wer­den und vie­le Fak­to­ren kön­nen die­ses Gleich­ge­wicht zuguns­ten der Patho­ge­ne ver­schie­ben. Zu die­sen Fak­to­ren gehö­ren der Gebrauch von Anti­bio­ti­ka, Stress, Alter, schlech­te Ernäh­rung, über­mä­ßi­ger Alko­hol­kon­sum und die Belas­tung durch Umwelt­kon­ta­mi­nan­ten.

Früh­ge­burt, Kai­ser­schnitt­ent­bin­dung und Fla­schen­er­näh­rung kön­nen bei Säug­lin­gen, Klein­kin­dern und Kin­dern eben­falls die Dys­bio­se der Darm­flo­ra begüns­ti­gen.

Vie­le Stu­di­en haben bestä­tigt, dass Pro­bio­ti­ka ein güns­ti­ge­res Gleich­ge­wicht der Darm­mi­kro­flo­ra för­dern, indem sie Popu­la­tio­nen schäd­li­cher Mikro­or­ga­nis­men redu­zie­ren. Das errei­chen sie in ers­ter Linie durch die Pro­duk­ti­on von für Patho­ge­ne toxi­sche Sub­stan­zen wie Milch­säu­re, Essig­säu­re, Amei­sen­säu­re, Was­ser­stoff­per­oxid und Bak­te­rio­zi­nen. Die Daten­la­ge spricht dafür, dass Bifi­do­bak­te­ri­en auch in der Lage sind, über­schüs­si­ges Eisen aus dem Darm auf­zu­neh­men und so die Patho­ge­ne eines wesent­li­chen Nähr­stoffs zu berau­ben, den die­se für Wachs­tum und Viru­lenz benö­ti­gen.

Außer­dem kon­kur­rie­ren pro­bio­ti­sche Bak­te­ri­en mit Patho­ge­nen um Nähr­stof­fe und Lebens­raum im Darm und stö­ren die Bil­dung patho­ge­ner Bio­fil­me. Für die meis­ten Pro­bio­ti­ka konn­te gezeigt wer­den, dass sie gegen eine Viel­zahl von Patho­ge­nen wirk­sam sind, dar­un­ter Bak­te­ri­en, Viren und Pil­ze (sie­he Tabel­le 1). Kli­nisch kann sich die Wie­der­her­stel­lung eines güns­ti­gen Gleich­ge­wichts der Darm­mi­kro­flo­ra kurz­fris­tig als das Abklin­gen von Diar­rhö und ande­ren Magen-Darm-Beschwer­den bemerk­bar machen. Lang­fris­tig kann ein wie­der­her­ge­stell­tes gesun­des Gleich­ge­wicht das Risi­ko einer Viel­zahl chro­ni­scher dege­ne­ra­ti­ver oder immu­no­lo­gisch ver­mit­tel­ter Erkran­kun­gen sen­ken.

TABELLE 1

Pro­bio­ti­kumBekämpf­te Patho­ge­ne­se
Lac­to­ba­c­il­lus aci­do­phi­lusBac­il­lus cere­us, Cam­py­lo­bac­ter jeju­ni, Can­di­da albi­cans, Can­di­da spp., Clos­tri­di­um dif­fi­ci­le, Entero­coc­cus fae­ca­lis, Esche­ri­chia coli, Heli­co­bac­ter pylo­ri, Kleb­si­el­la pneu­mo­niae, Lis­te­ria inno­cua, Lis­te­ria mono­cy­to­ge­nes, Por­phy­ro­mo­nas gin­gi­va­lis, Pre­vo­tel­la inter­me­dia, Pseu­do­mo­nas aeru­gi­no­sa, rota­vi­rus, Sal­mo­nel­la ente­ri­ca, Sal­mo­nel­la typhi­mu­ri­um, Shi­gel­la flex­ne­ri, Sta­phy­lo­coc­cus aure­us, Vibrio cho­le­rae
L. bul­ga­ri­cusC. dif­fi­ci­le, E. coli, L. mono­cy­to­ge­nes, rota­vi­rus, Sal­mo­nel­la ent­er­iti­dis, S. typhi­mu­ri­um, S. aure­us, Strep­to­coc­cus mutans
L. caseiC. albi­cans, C. dif­fi­ci­le, E. fae­ca­lis, E. coli, H. pylo­ri, L. inno­cua, L. mono­cy­to­ge­nes, P. aeru­gi­no­sa, rota­vi­rus, S. typhi­mu­ri­um, S. flex­ne­ri, S. aure­us, Strep­to­coc­cus pneu­mo­niae, V. cho­le­rae
L. para­caseiActino­my­ces vis­co­sus, B. cere­us, C. albi­cans, Can­di­da gla­bra­ta, Can­di­da tro­pi­ca­lis, C. dif­fi­ci­le, E. fae­ca­lis, E. coli, H. pylo­ri, P. gin­gi­va­lis, P. inter­me­dia, P. aeru­gi- nosa, S. ente­ri­ca, Sal­mo­nel­la spp., S. aure­us, S. mutans, S. pneu­mo­niae, Strep­to­coc­cus sali­va­ri­us, Strep­to­coc­cus san­gui­nis
L. plan­t­ar­umAsperg­il­lus spp., B. cere­us, C. albi­cans, C. dif­fi­ci­le, Clos­tri­di­um spo­ro­ge­nes, E. fae­ca­lis, E. coli, H. pylo­ri, L. inno­cua, L. mono­cy­to­ge­nes, R. gin­gi­va­lis, P. inter­me- dia, P. aeru­gi­no­sa, Pseu­do­mo­nas spp., S. ente­ri­ca, S. mutans
L. rham­no­susA. vis­co­sus, B. cere­us, C. albi­cans, C. gla­bra­ta, C. tro­pi­ca­lis, C. dif­fi­ci­le, Clos­tri­di­um per­frin­gens, Ente­ro­bac­ter cloa­cae, E. fae­ca­lis, E. coli, H. pylo­ri, K. pneu- moniae, L. mono­cy­to­ge­nes, R. gin­gi­va­lis, P. inter­me­dia, P. aeru­gi­no­sa, rota­vi­rus, S. ente­ri­ca, S. typhi­mu­ri­um, S. flex­ne­ri, S. aure­us, S. mutans, S. sali­va­ri­us, S. san­gui­nis
L. sali­va­ri­usC. dif­fi­ci­le, E. fae­ca­lis, Entero­coc­cus fae­ci­um, E. coli, H. pylo­ri, L. mono­cy­to­ge­nes, N. gonor­rhoeae, P. gin­gi­va­lis, R. inter­me­dia, S. ente­ri­ca, S. ent­er­iti­dis, S. au- reus, Sta­phy­lo­coc­cus epi­der­mi­dis, S. mutans
Bifi­do­bac­te­ri­um bifi­dumBac­te­roi­des vul­ga­tus, Cam­py­lo­bac­ter spp., C. dif­fi­ci­le, C. per­frin­gens, E. fae­ca­lis, E. coli, G. vagi­na­lis, H. pylo­ri, Kleb­si­el­la oza­e­nae, L. mono­cy­to­ge­nes, P. aeru- gino­sa, rota­vi­rus. Sal­mo­nel­la spp., Shi­gel­la dys­en­te­riae, Shi­gel­la son­nei, S. aure­us, V. cho­le­rae
B. bre­veBac­te­roi­des fra­gi­lis, B. vul­ga­tus, C. jeju­ni, Cam­py­lo­bac­ter spp., C. per­frin­gens, E. fae­ca­lis, E. coli, G. vagi­na­lis, Influ­en­za-Virus, K. oza­e­nae, L. mono­cy­to­ge­nes, R. aeru­gi­no­sa, rota­vi­rus, Sal­mo­nel­la spp., S. son­nei, S. aure­us, V. cho­le­rae
B. infan­tisB. cere­us, B. vul­ga­tus, Cam­py­lo­bac­ter spp., C. albi­cans, C. dif­fi­ci­le, C. per­frin­gens, E. coli, L. mono­cy­to­ge­nes, Pro­teus vul­ga­ris, rota­vi­rus, Sal­mo­nel­la spp., Sal- monel­la typhi, S. son­nei, S. aure­us, V. cho­le­rae, Yer­si­nia entero­co­li­ti­ca
B. longumB. vul­ga­tus, Cam­py­lo­bac­ter spp., C. albi­cans. C. dif­fi­ci­le, C. per­frin­gens, Ente­ro­bac­ter saka­za­kii, E. fae­ca­lis, E. coli, G. vagi­na­lis, H. pylo­ri, K. oza­e­nae, L. mo- nocy­to­ge­nes, P. gin­gi­va­lis, P. aeru­gi­no­sa, S. ente­ri­ca, Sal­mo­nel­la spp., S. son­nei, S. aure­us, S. mutans, V. cho­le­rae
Pedio­coc­cus aci­dil­ac­ticiE. fae­ca­lis, E. coli, C. per­frin­gens, L. inno­cua, L. mono­cy­to­ge­nes, S. aure­us
Strep­to­coc­cus ther­mo­phi­lusB. fra­gi­lis, C. dif­fi­ci­le, C. per­frin­gens, E. coli, H. pylo­ri, L. mono­cy­to­ge­nes, Rota­vi­rus, S. ent­er­iti­dis, S. typhi­mu­ri­um, S. aure­us, S. mutans
Sac­charo­my­ces bou­lar­diiHämo­ly­ti­sche Aero­mo­nas-Arten, Blas­to­cys­tis homi­nis, C. albi­cans, C. dif­fi­ci­le, Ent­a­moe­ba his­to­ly­ti­ca, E. coli, Giar­dia lam­blia, H. pylo­ri, S. typhi­mu­ri­um, V. cho­le­rae, Y. entero­co­li­ti­ca

 

Ver­bes­se­rung der Immunfunk­ti­on

Der Darm­trakt ist das pri­mä­re Immun­or­gan des Kör­pers. Das mit dem Darm ver­bun­de­ne Immun­sys­tem umfasst die größ­te Lymph­ge­we­be­mas­se im mensch­li­chen Kör­per, die einen wesent­li­chen Teil des Gesamtim­mun­sys­tems dar­stellt. Die Darm­schleim­haut und das mit dem Darm eng ver­bun­de­ne lympha­ti­sche Gewe­be sind immu­no­lo­gisch eng mit der gastro­in­tes­ti­na­len Mikro­flo­ra ver­knüpft. Zahl­rei­che Daten brin­gen pro­bio­ti­sche Bak­te­ri­en mit der Modu­la­ti­on der wirts­ver­mit­tel­ten Immun­ant­wort in Ver­bin­dung. Für pro­bio­ti­sche Bak­te­ri­en konn­te gezeigt wer­den, dass sie sowohl die ange­bo­re­ne als auch die erwor­be­ne Immun­re­ak­ti­on stär­ken, indem sie die Kon­zen­tra­ti­on der zir­ku­lie­ren­den Lym­pho­zy­ten erhö­hen, die Pha­go­zy­to­se und Akti­vi­tät natür­li­cher Kil­ler­zel­len stei­gern, die Frei­set­zung von Immun­glo­bu­lin A (IgA) und anti­gen­spe­zi­fi­schen Anti­kör­pern sti­mu­lie­ren sowie die Pro­duk­ti­on von Inter­fe­ron-gam­ma und ande­ren Zyto­ki­nen erhö­hen. In kli­ni­schen Stu­di­en hat sich gezeigt, dass Pro­bio­ti­ka die Impf­ant­wort ver­stär­ken und die Häu­fig­keit von Atem­wegs- und ande­ren Infek­ten deut­lich ver­rin­gern. Am bes­ten doku­men­tiert sind die­se immun­stär­ken­den Eigen­schaf­ten für L. casei, L. rham­no­sus, L. plan­t­ar­um, L. bul­ga­ri­cus, L. aci­do­phi­lus, B. bifi­dum und B. bre­ve. Zwar sind die­se Arten mit ziem­li­cher Sicher­heit nicht die ein­zi­gen Pro­bio­ti­ka mit immun­mo­du­lie­ren­der Wir­kung, jedoch soll­ten sie unbe­dingt Teil jedes The­ra­pie­plans zur Unter­stüt­zung des Immun­sys­tems sein.

Ver­dau­ungs­för­de­rung

Die Mikro­bio­ta des Dick­darms baut vie­le Nah­rungs­be­stand­tei­le ab, die der Ver­dau­ung im obe­ren Darm­ab­schnitt ent­ge­hen. Die meis­ten pro­bio­ti­schen Bak­te­ri­en sind in der Lage, viel­fäl­ti­ge Koh­le­hy­dra­te zu meta­bo­li­sie­ren, dar­un­ter auch Lak­to­se. Der Ver­stoff­wechs­lung von Lak­to­se durch Milch­säu­re bil­den­de Bak­te­ri­en ver­dan­ken es vie­le Lak­to­se­into­le­ran­te, dass sie Joghurt pro­blem­los ver­tra­gen, jedoch kei­ne ande­ren Mol­ke­rei­pro­duk­te. Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en ver­gä­ren Koh­le­hy­dra­te zu ande­ren kurz- und mit­tel­ket­ti­gen orga­ni­schen Säu­ren sowie zu Milch­säu­re. Man­che Arten set­zen auch pro­te­oly­ti­sche und lipo­ly­ti­sche Enzy­me frei, die die Ver­dau­ung von Pro­te­inen und Fet­ten erleich­tern. Men­schen mit zu wenig Magen­säu­re, die das pro­te­oly­ti­sche Enzym Pep­sin nicht akti­vie­ren kön­nen, und Per­so­nen mit Pan­kre­as­insuf­fi­zi­enz pro­fi­tie­ren von einer Nah­rungs­er­gän­zung mit Pro­bio­ti­ka.

Von einer ver­bes­ser­ten Pro­te­in­ver­dau­ung kön­nen auch Per­so­nen mit All­er­gi­en pro­fi­tie­ren, da die­se die Wahr­schein­lich­keit dafür senkt, dass gro­ße Pro­te­ine die Darm­schran­ke pas­sie­ren, ins Blut gelan­gen und dann eine Immun­re­ak­ti­on aus­lö­sen. Pro­bio­ti­sche Arten wie L. bul­ga­ri­cus, L. plan­t­ar­um, L. casei und L. rham­no­sus set­zen nach­weis­lich Enzy­me frei, die Kasein und Glu­ten (all­er­ge­ne Pro­te­ine in Milch­pro­duk­ten bzw. Wei­zen) abbau­en. Man­che Pro­bio­ti­ka erzeu­gen auch Enzy­me, die toxi­sche Nah­rungs­be­stand­tei­le wie Oxal­säu­re abbau­en kön­nen. Oxa­lat ist eine orga­ni­sche Säu­re, die in ver­schie­de­nen Nah­rungs­mit­teln ent­hal­ten ist und bei über­mä­ßi­gem Ver­zehr eine Kal­zi­um-Oxa­lat-Uro­li­thia­sis ver­schlim­mern kann. Unter Labor­be­din­gun­gen pro­du­zie­ren sowohl Lac­to­ba­c­il­lus als auch Bifi­do­bac­te­ri­um die oxa­lat­ab­bau­en­den Enzy­me For­myl-CoA-Trans­fe­ra­se und Oxa­lyl-CoA-Decar­b­oxyla­se.

Pro­duk­ti­on kurz­ket­ti­ger Fett­säu­ren

Pro­bio­ti­ka, ins­be­son­de­re die Bifi­do­bak­te­ri­en, sind in der Lage, unver­dau­li­che Koh­le­hy­dra­te wie Bal­last­stof­fe abzu­bau­en und zu meta­bo­li­sie­ren. Die wich­tigs­ten Neben­pro­duk­te die­ses Stoff­wech­sels sind kurz­ket­ti­ge Fett­säu­ren wie Lak­tat, Ace­tat, Pro­pio­nat und Buty­rat. Die­se kurz­ket­ti­gen Fett­säu­ren sen­ken den pH-Wert im Darm und schaf­fen so ein feind­li­ches Milieu für patho­ge­ne Bak­te­ri­en wie E. coli und Sal­mo­nel­la-Arten. Kurz­ket­ti­ge Fett­säu­ren ernäh­ren auch die Zel­len der Dick­darm­schleim­haut und decken 60 bis 70 % des Ener­gie­be­darfs der Dick­darm­zel­len, wobei Buty­rat die bevor­zug­te Ener­gie­quel­le ist. Stu­di­en mit Tie­ren und Men­schen haben gezeigt, dass kurz­ket­ti­ge Fett­säu­ren die Kal­zi­um-, Magne­si­um- und Kali­um-Resorp­ti­on im Dick­darm direkt sti­mu­lie­ren, die Durch­blu­tung des Dick­darms ver­stär­ken, die Sauer­stoff­ver­sor­gung des Gewe­bes erhö­hen sowie den Nähr­stoff­trans­port ver­bes­sern und daher von the­ra­peu­ti­schem Nut­zen bei ver­schie­de­nen Darm­er­kran­kun­gen sein kön­nen.

Ver­bes­se­rung der Bio­ver­füg­bar­keit von Mine­ra­li­en

Die Mine­ral­stoff­re­sorp­ti­on erfor­dert ein sau­res Milieu, ins­be­son­de­re wenn die Mine­ral­stof­fe als anor­ga­ni­sche Sal­ze vor­lie­gen. In der Regel ist die Magen­säu­re aus­rei­chend für deren Auf­lö­sung; falls es jedoch an Magen­säu­re man­gelt, dis­so­zi­ie­ren Mine­ral­sal­ze mög­li­cher­wei­se nicht voll­stän­dig. Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en för­dern die Mine­ral­stoff­re­sorp­ti­on über die Schaf­fung eines sau­ren Mikro­mi­lieus im Bereich der Darm­schleim­haut und indem sie kurz­ket­ti­ge Fett­säu­ren bil­den, die die für die Resorp­ti­on erfor­der­li­chen Pro­to­nen abge­ben. In Tier­stu­di­en wur­de gezeigt, dass Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en ins­be­son­de­re in Gegen­wart eines pro­bio­ti­schen Wachs­tums­fak­tors wie Inu­lin die Resorp­ti­on von Kal­zi­um, Magne­si­um, Kali­um und Zink im Darm stei­gern.

Vit­amin­pro­duk­ti­on

Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en erzeu­gen klei­ne Men­gen bestimm­ter B-Vit­ami­ne wie Folat und Vit­amin B12. Bei den meis­ten Tier­ar­ten scheint die mikro­bi­el­le Vit­amin-K-Syn­the­se im Darm von Bedeu­tung für die Ernäh­rung zu sein. Bifi­do­bak­te­ri­en, Strep­to­kok­ken und Ente­ro­kok­ken pro­du­zie­ren nach­weis­lich Vit­amin K.

Cho­le­ste­rin­sen­kung

For­schungs­ar­bei­ten deu­ten dar­auf hin, dass man­che Pro­bio­ti­ka den Cho­le­ste­rin­spie­gel im Blut sen­ken kön­nen. In Kul­tur­stu­di­en ent­fer­nen L. casei und L. aci­do­phi­lus Cho­le­ste­rin effek­tiv aus dem Kulturmedium.In Tier­mo­del­len zei­gen L. aci­do­phi­lus, B. bifi­dum, B. bre­ve und S. ther­mo­phi­lus cho­le­ste­rin­sen­ken­de Wir­kung. Unter­su­chun­gen am Men­schen zur Wir­kung von Pro­bio­ti­ka auf den Cho­le­ste­rin­spie­gel haben weni­ger ein­deu­ti­ge Ergeb­nis­se erbracht, was wahr­schein­lich auf uner­kann­te Stör­va­ria­blen und metho­do­lo­gi­sche Unter­schie­de zurück­zu­füh­ren ist. Den­noch haben meh­re­re kli­ni­sche Prü­fun­gen gezeigt, dass eine Nah­rungs­er­gän­zung durch Pro­bio­ti­ka zu signi­fi­kan­ten Reduk­tio­nen des Gesamt­cho­le­ste­rin­spie­gels und/oder des LDL-Cho­le­ste­rin­spie­gels führt. In der Wis­sen­schaft wird pos­tu­liert, dass Pro­bio­ti­ka den Serum­cho­le­ste­rin­spie­gel über ver­schie­de­ne Wirk­me­cha­nis­men sen­ken kön­nen, dar­un­ter die Assi­mi­la­ti­on des Cho­le­ste­rins im Darm, eine ver­mehr­te Dekon­ju­ga­ti­on und fäka­le Eli­mi­nie­rung von aus dem Cho­le­ste­rin abge­lei­te­ten Gal­len­säu­ren und die Pro­duk­ti­on kurz­ket­ti­ger Fett­säu­ren, die die Cho­les­te-
rin­syn­the­se in der Leber stö­ren.

Manage­ment ent­zünd­li­cher Darm­er­kran­kun­gen

Als ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen gel­ten zwei chro­ni­sche oder rezi­di­vie­ren­de Krank­hei­ten unbe­kann­ter Ursa­che: Coli­tis ulce­ro­sa und Mor­bus Crohn. Bei­de wei­sen Gemein­sam­kei­ten, aber auch wich­ti­ge Unter­schie­de auf. Coli­tis ulce­ro­sa ist eine ent­zünd­li­che Erkran­kung des Dick­darms, von der häu­fig das Rek­tum am stärks­ten betrof­fen ist. Die Dick­darm­schleim­haut ent­zün­det sich und bil­det Geschwü­re. Betrof­fe­ne haben dann Diar­rhö, wobei sich häu­fig Schleim und Blut im Stuhl fin­den. Mor­bus Crohn betrifft meis­tens den dista­len Teil des Dünn­darms, das ter­mi­na­le Ile­um sowie Tei­le des Dick­darms, kann aber sämt­li­che Tei­le des Ver­dau­ungs­trakts befal­len. Beim Mor­bus Crohn ist meist die gesam­te Darm­wand ent­zün­det, bei der Coli­tis ulce­ro­sa nur die Aus­klei­dung des Darms.

Die Pou­chi­tis ist eine Kom­pli­ka­ti­on der chir­ur­gisch behan­del­ten Coli­tis ulce­ro­sa, bei der der gesam­te Dick­darm ent­fernt und aus dem Ile­um ein Reser­voir geformt und mit dem Anus ver­bun­den wird. Ent­zün­det sich die­ses Reser­voir, spricht man von einer Pou­chi­tis. Es gibt Daten, die dar­auf hin­deu­ten, dass ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen auf eine ano­ma­le Akti­vie­rung des Immun­sys­tems in der Schleim­haut gegen­über der Darm­flo­ra zurück­zu­füh­ren sind, durch die ent­zünd­li­che Media­to­ren frei­ge­setzt wer­den.

Für L. rham­no­sus (GG) konn­te gezeigt wer­den, dass der Orga­nis­mus die Inte­gri­tät der Darm­schleim­haut­bar­rie­re bei Pati­en­ten mit ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen ver­bes­sert, indem er die IgA-Immun­re­ak­ti­on im Darm ver­stärkt. Die Gabe von B. longum, Inu­lin und Oligof­ruk­to­se ver­rin­gert ent­zünd­li­che Zyto­ki­ne und bremst die Dick­darm­ent­zün­dung bei Pati­en­ten mit Coli­tis ulce­ro­sa oder Mor­bus Crohn. VSL#3 ist eine kom­mer­zi­ell erhält­li­che Kom­bi­na­ti­on aus L. casei, L. plan­t­ar­um, L. aci­do­phi­lus, L. bul­ga­ri­cus, B. longum, B. bre­ve, B. infan­tis und S. ther­mo­phi­lus, die sich bei der Ver­mei­dung einer Pou­chi­tis als wirk­sam erwie­sen hat und sowohl bei Kin­dern als auch bei Erwach­se­nen eine Remis­si­on ent­zünd­li­cher Darm­er­kran­kun­gen bewirk­te. Auch die Gabe von L. rham­no­sus allein kann das Auf­tre­ten einer Pou­chi­tis nach­weis­lich ver­zö­gern und S. bou­lar­dii senkt die Rück­fall­ra­te bei Pati­en­ten mit Mor­bus Crohn signi­fi­kant. In der Gas­tro­en­te­ro­lo­gie besteht ein erheb­li­ches Inter­es­se am Ein­satz von Pro­bio­ti­ka für die Behand­lung ent­zünd­li­cher Darm­er­kran­kun­gen.

Lin­de­rung von Nah­rungs­mit­tel­all­er­gi­en

Nah­rungs­mit­tel­all­er­gi­en sind häu­fi­ge Krank­hei­ten, deren Sym­pto­me von leich­ten Magen-Darm-Beschwer­den bis zu schwe­rer Atem­not und Ana­phy­la­xie rei­chen. Bereits vor mehr als 20 Jah­ren wur­de fest­ge­stellt, dass Pro­bio­ti­ka die Sym­pto­me einer Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie lin­dern kön­nen. Seit­her haben eini­ge gut auf­ge­bau­te Stu­di­en dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine Nah­rungs­er­gän­zung mit bestimm­ten pro­bio­ti­schen Stäm­men all­er­gi­sche Reak­tio­nen wirk­sam abschwä­chen kann. Bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern mit Neu­ro­der­mi­tis und Kuh­milch­all­er­gie ver­bes­ser­te eine mit L. rham­no­sus GG ange­rei­cher­te Mol­ke­pro­t­e­in­nah­rung signi­fi­kant die kli­ni­schen Sym­pto­me und Mar­ker der Darm­ent­zün­dung. Bei Kin­dern mit Neu­ro­der­mi­tis erwies sich eine Kom­bi­na­ti­on aus L. rham­no­sus und L. reu­te­ri als güns­tig. Eine lang­fris­ti­ge Stu­die bei Kin­dern mit all­er­gi­schem Asth­ma und/oder Schnup­fen ver­glich die Wir­kung nicht fer­men­tier­ter Milch mit der von fer­men­tier­ter Milch, die L. bul­ga­ri­cus, S. ther­mo­phi­lus und L. casei ent­hielt. Nach einem Jahr tra­ten bei den Kin­dern, die die pro­bio­tisch fer­men­tier­te Milch erhal­ten hat­ten, signi­fi­kant weni­ger Schnup­fen­epi­so­den auf und es war ein Trend hin zu län­ge­ren Pha­sen ohne Asth­ma und Schnup­fen zu beob­ach­ten. Pro­bio­ti­ka mil­dern all­er­gi­sche Sym­pto­me, indem sie eine Immun­to­le­ranz indu­zie­ren und den Kon­takt mit Anti­ge­nen ver­rin­gern. Es konn­te gezeigt wer­den, dass Pro­bio­ti­ka ein Gleich­ge­wicht zwi­schen den Zell­ant­wor­ten der T-Hel­fer­zel­len vom Typ 1 (Th1) und vom Typ 2 (Th2) her­stel­len und ein gesun­des Ver­hält­nis von T-Hel­fer­zel­len zu regu­la­to­ri­schen T‑Zellen för­dern. Wie bereits erwähnt kön­nen Pro­bio­ti­ka außer­dem All­er­ge­ne in der Nah­rung enzy­ma­tisch abbau­en und die Darm­bar­rie­re­funk­ti­on ver­bes­sern, was die Wahr­schein­lich­keit ver­rin­gert, dass All­er­ge­ne ins Blut gelan­gen.

Lin­de­rung des Reiz­darm­syn­droms

Das Reiz­darm­syn­drom ist eine häu­fi­ge mehr­fak­to­ri­el­le Magen-Darm-Erkran­kung, die durch Blä­hun­gen, Diar­rhö, Ver­stop­fung und Bauch­schmer­zen gekenn­zeich­net ist. Auf­grund der sehr hete­ro­ge­nen Pati­en­ten­grup­pen ist die­se Erkran­kung nicht leicht zu unter­su­chen, aber kli­ni­sche Prü­fun­gen mit den Arten B. infan­tis und L. plan­t­ar­um haben gezeigt, dass die­se Pro­bio­ti­ka Sym­pto­me des Reiz­darm­syn­droms wie Bauch­schmer­zen, Blä­hun­gen und Ver­dau­ungs­be­schwer­den lin­dern konn­ten. In einer klei­nen Pilot­stu­die zum Reiz­darm­syn­drom führ­te eine Aus­schluss­di­ät mit anschlie­ßen­der Behand­lung mit dem Prä­pa­rat Vital‑10® Pul­ver, das B. bifi­dum, B. infan­tis, L. aci­do­phi­lus, L. rham­no­sus, L. plan­t­ar­um, L. sali­va­ri­us, L. bul­ga­ri­cus, L. casei, L. bre­vis und S. ther­mo­phi­lus ent­hielt, zu Ver­bes­se­rung bei Schmer­zen, Stuhl­häu­fig­keit und Bewer­tung der Lebens­qua­li­tät. Die Wirk­sam­keit meh­re­re Arten ent­hal­ten­der Prä­pa­ra­te bei der Behand­lung des Reiz­darm­syn­droms wur­de durch die Ergeb­nis­se einer dop­pel­blin­den, pla­ce­bo­kon­trol­lier­ten Prü­fung bestä­tigt, bei der eine Kom­bi­na­ti­on aus zwei Stäm­men von L. rham­no­sus, B. bre­ve und Pro­pio­ni­bac­te­ri­um freu­den­rei­chii spp. sher­ma­nii die Sym­pto­me Schmer­zen, Blä­hun­gen und Bor­bo­ryg­mus um mehr als 40 % min­der­te.

Antikar­zi­no­ge­ne Wir­kung

Es meh­ren sich die Bele­ge dafür, dass Pro­bio­ti­ka im Dick­darm anti­mu­ta­gen und antikar­zi­no­gen wir­ken kön­nen. In Tier­mo­del­len konn­te gezeigt wer­den, dass Pro­bio­ti­ka die Bil­dung von aberran­ten Kryp­ten (Prä­kan­ze­ro­sen) und Tumo­ren hem­men. Antikar­zi­no­ge­ne Wir­kun­gen kön­nen pro­bio­ti­sche Bak­te­ri­en über eine Viel­zahl von Mecha­nis­men ent­fal­ten. Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en erzeu­gen orga­ni­sche Säu­ren und sen­ken so den pH-Wert im Darm, was stark mit einer gerin­ge­ren Inzi­denz von Dick­darm­krebs asso­zi­iert ist. Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en kön­nen an muta­ge­ne Sub­stan­zen aus der Nah­rung bin­den und die­se abbau­en, sodass sich die Belas­tung des Wirts ver­rin­gert.

Durch die Sti­mu­la­ti­on der Immun­ab­wehr­me­cha­nis­men des Wirts kön­nen Pro­bio­ti­ka eine Tumor­sup­pres­si­on ver­mit­teln. Pro­bio­ti­sche Bak­te­ri­en ver­bes­sern die Zyto­kin­pro­duk­ti­on, die T- und B-Zell­pro­li­fe­ra­ti­on, die Anti­kör­per­ant­wor­ten und die Akti­vie­rung von Makro­pha­gen und Lym­pho­zy­ten. In Tier­mo­del­len mit zuvor implan­tier­ten Tumor­zel­len wur­den Bele­ge für die gegen Tumo­ren gerich­te­te Wir­kung von Milch­säu­re pro­du­zie­ren­den Bak­te­ri­en gefun­den. Auch für die Ver­füt­te­rung von Kul­tu­ren Milch­säu­re pro­du­zie­ren­der Bak­te­ri­en an Mäu­se konn­te gezeigt wer­den, dass sie das Wachs­tum inji­zier­ter Tumor­zel­len hem­men.

Ent­gif­tung

Pro­bio­ti­ka spie­len eine wesent­li­che Rol­le bei den kör­per­ei­ge­nen Ent­gif­tungs­pro­zes­sen. Sie begren­zen den sys­te­mi­schen und intes­ti­na­len Kon­takt mit auf­ge­nom­me­nen Toxi­nen, indem sie die Darm­bar­rie­re­funk­ti­on ver­bes­sern, Toxi­ne im Darm bin­den und ein­schlie­ßen und die Toxin­pro­duk­ti­on patho­ge­ner Arten ver­rin­gern. Stu­di­en zei­gen immer wie­der, dass Pro­bio­ti­ka die Durch­läs­sig­keit des Darms, ins­be­son­de­re bei Per­so­nen mit beein­träch­tig­ter Magen-Darm-Funk­ti­on, ver­rin­gern und es der Aus­klei­dung des Darms so ermög­li­chen, den Über­tritt schäd­li­cher Sub­stan­zen ins Blut zu ver­hin­dern. Pro­bio­ti­ka bin­den auch Toxi­ne im Darm­lu­men, was deren Resorp­ti­on wei­ter ein­schränkt.

In-vitro-Stu­di­en zei­gen, dass Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en direkt an eine Grup­pe von Toxi­nen bin­den, die als hete­ro­zy­kli­sche Ami­ne bezeich­net wer­den und in gegar­tem Fleisch, Geflü­gel und Fisch vor­kom­men. Durch die Bin­dung wird die Muta­ge­ni­tät die­ser Sub­stan­zen ein­ge­schränkt und sie wer­den ver­mehrt mit dem Stuhl aus­ge­schie­den. Dar­über hin­aus bin­den Pro­bio­ti­ka schäd­li­che Nah­rungs­be­stand­tei­le wie Schwer­me­tal­le und Afla­to­xi­ne. Schwer­me­tal­le sind eine bedeu­ten­de Klas­se von Umwelt­schad­stof­fen, die zahl­rei­che Gesund­heits­pro­ble­me ver­ur­sa­chen. Das Pro­bio­ti­kum L. rham­no­sus bin­det unter phy­sio­lo­gisch rele­van­ten Bedin­gun­gen nach­weis­lich effi­zi­ent Kad­mi­um und Blei.

Bei­de Schwer­me­tal­le sind in der Umwelt weit ver­brei­tet und tra­gen zu einer Rei­he von patho­lo­gi­schen Zustän­den bei, wie Kno­chen- und Nie­ren­to­xi­zi­tät, kogni­ti­ve Defi­zi­te und Neu­ro­ver­hal­tens­stö­run­gen. Daten deu­ten auch dar­auf hin, dass eine von Pro­bio­ti­ka domi­nier­te Mikro­bio­ta die Pro­duk­ti­on des toxi­schen Methyl­queck­sil­bers durch Darm­pa­tho­ge­ne redu­zie­ren kann. Afla­to­xi­ne sind gif­ti­ge Stoff­wech­sel­pro­duk­te von Pil­zen, die natür­li­cher­wei­se in Lebens­mit­teln wie Zerea­li­en, Nüs­sen und Samen vor­kom­men. Sie sind ein bekann­ter Risi­ko­fak­tor für das Auf­tre­ten des Leber­zell­kar­zi­noms. In Tier­mo­del­len konn­te gezeigt wer­den, dass in eine Zwölf­fin­ger­darm­schlau­fe inji­zier­te Stäm­me von L. rham­no­sus in der Lage waren, bis zu 54 % einer inji­zier­ten Dosis Afla­to­xin B1 nach nur einer Minu­te zu besei­ti­gen. Nach 60-minü­ti­ger Inku­ba­ti­on war die Afla­to­xin-B1-Men­ge um mehr als 90 % redu­ziert. Beson­ders hilf­reich beim Umgang mit von Darm­pa­tho­ge­nen pro­du­zier­ten Toxi­nen ist die pro­bio­ti­sche Art S. bou­lar­dii. Die­se pro­bio­ti­sche Hefe pro­du­ziert ein pro­te­oly­ti­sches Enzym, das durch Lyse der A- und B-Toxi­ne von C. dif­fi­ci­le des­sen entero­to­xi­sche und zyto­to­xi­sche Wir­kung min­dert. Außer­dem hemmt S. bou­lar­dii signi­fi­kant die Fähig­keit die­ser Toxi­ne, an das Darm­epi­thel zu bin­den. In einer Stu­die, in der mit C. dif­fi­ci­le infi­zier­te Mäu­se unter­sucht wur­den, führ­te eine Vor­be­hand­lung mit S. bou­lar­dii zu einer 1000-fachen Reduk­ti­on des Toxins im Stuhl.

Es konn­te auch gezeigt wer­den, dass S. bou­lar­dii die Entero­to­xi­zi­tät der Toxi­ne von E. coli und V. cho­le­rae neu­tra­li­siert. Die­se Wir­kun­gen sind wahr­schein­lich wesent­lich dafür ver­ant­wort­lich, dass S. bou­lar­dii die anti­bio­ti­ka­be­ding­te und C.-difficile-bedingte Diar­rhö lin­dern kann.

Nut­zen bei Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen

Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen sind neu­ro­lo­gi­sche Ent­wick­lungs­stö­run­gen, die durch sozia­le Zurück­ge­zo­gen­heit, wie­der­hol­te oder ein­ge­schränk­te Ver­hal­tens­mus­ter und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stö­run­gen gekenn­zeich­net sind. Per­so­nen im Autis­mus-Spek­trum wei­sen häu­fig eine gan­ze Palet­te gastro­in­tes­ti­na­ler Ano­ma­li­tä­ten wie eine dys­bio­ti­sche Mikro­bio­ta, gastro­in­tes­ti­na­le Ent­zün­dung, ano­ma­le Dick­darm­moti­li­tät, man­gel­haf­te Enzym­pro­duk­ti­on und erhöh­te Darm­durch­läs­sig­keit auf. Die­se Stö­run­gen, die oft durch star­ken Anti­bio­ti­ka-Ein­satz ver­schlim­mert wer­den, füh­ren zu sehr häu­fi­gen Sym­pto­men wie Ver­stop­fung, Diar­rhö, Bauch­schmer­zen, Blä­hun­gen, gastro­öso­pha­gealem Reflux und übel rie­chen­den Stüh­len bei Men­schen, die von Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen betrof­fen sind. Vie­le glau­ben, dass die bei die­sen Stö­run­gen beob­ach­te­te gastro­in­tes­ti­na­le Patho­lo­gie zur Krank­heits­pro­gres­si­on bei­trägt. So kann eine Dys­bio­se bei­spiels­wei­se zur patho­ge­nen Pro­duk­ti­on von Neu­ro­to­xi­nen bei­tra­gen, die ins Blut gelan­gen und die Sym­pto­me der Autis­mus-Spek­trum-Stö­rung ver­stär­ken. Auch kön­nen eine ein­ge­schränk­te Ver­dau­ungs­fä­hig­keit und gestör­te Darm­bar­rie­re­funk­ti­on die Resorp­ti­on von Anti­ge­nen aus der Nah­rung ermög­li­chen, die zu neu­ro­lo­gi­schen Ver­hal­tens­ano­ma­li­en füh­ren.

Die Häu­fig­keit gastro­in­tes­ti­na­ler Dys­funk­ti­on in die­ser Pati­en­ten­grup­pe hat dazu geführt, dass vie­le medi­zi­ni­sche Fach­kräf­te auf Pro­bio­ti­ka zurück­grei­fen, um die gastro­in­tes­ti­na­len und neu­ro­lo­gi­schen Ver­hal­tens­sym­pto­me autis­ti­scher Pati­en­ten zu behan­deln. Pro­bio­ti­ka tra­gen zur Besei­ti­gung patho­ge­ner Mikro­ben bei, bau­en Anti­ge­ne aus der Nah­rung ab, för­dern die Ent­gif­tung, redu­zie­ren Ent­zün­dun­gen, ver­bes­sern die Darm­bar­rie­re­funk­ti­on und stel­len eine gesun­de Darm­mi­kro­flo­ra wie­der her. Zwar lie­gen noch kei­ne kli­ni­schen Stu­di­en dazu vor, doch ers­te Daten zei­gen neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Ver­bes­se­run­gen bei Ver­suchs­per­so­nen nach dem Ver­zehr von Lac­to­ba­c­il­lus-Prä­pa­ra­ten, was dar­auf schlie­ßen lässt, dass Pro­bio­ti­ka eine wirk­sa­me nah­rungs­ba­sier­te Inter­ven­ti­on bei Pati­en­ten mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen sein kön­nen.

Mund­ge­sund­heit

In jün­ge­rer Zeit sind Pro­bio­ti­ka als för­der­lich für die Mund­ge­sund­heit erkannt wor­den. Die Mund­höh­le bil­det ein Reser­voir für Pro­bio­ti­ka, ins­be­son­de­re Lak­toba­zil­len und Daten spre­chen dafür, dass die­se nütz­li­chen Orga­nis­men Patho­ge­nen ent­ge­gen wir­ken, die an Kari­es und Peri­odon­ti­tis betei­ligt sind. In Kul­tur­stu­di­en hem­men die Pro­bio­ti­ka L. rham­no­sus, L. para­casei und B. longum das Wachs­tum vie­ler ora­ler Patho­ge­ne wie Strep­to­coc­cus mutans, S. san­gui­nis, S. sali­va­ri­us, S. aure­us, Por­phy­ro­mo­nas gin­gi­va­lis und Pre­vo­tel­la inter­me­dia.

Dar­über hin­aus zei­gen kli­ni­sche Stu­di­en mit Kin­dern und Erwach­se­nen, dass die Gabe von Pro­bio­ti­ka die Häu­fig­keit von Zahn­ka­ri­es und Zahn­fleisch­erkran­kun­gen wirk­sam redu­ziert. In einer Stu­die erhiel­ten Per­so­nen mit einer peri­odon­ti­tis­be­ding­ten Hali­to­se täg­lich 2 Mil­li­ar­den kolo­nie­bil­den­de Ein­hei­ten (kbE) des Pro­bio­ti­kums Lac­to­ba­c­il­lus sali­va­ri­us in einer sich lang­sam auf­lö­sen­den Tablet­te. Nach vier Wochen war eine deut­li­che Reduk­ti­on sowohl des Mund­ge­ruchs als auch der beim Son­die­ren des Zahn­fleischs her­vor­ge­ru­fe­nen Blu­tung zu beob­ach­ten. In einer wei­te­ren Stu­die ver­rin­ger­te die Anwen­dung einer topi­schen Auf­la­ge aus Kol­la­gen und L. casei auf dem Zahn­fleisch von Per­so­nen mit chro­ni­scher Peri­odon­ti­tis die Popu­la­tio­nen peri­odon­ta­ler Patho­ge­ne signi­fi­kant und führ­te zu einer lang­fris­ti­gen Remis­si­on der Erkran­kung.

Eine ran­do­mi­sier­te, dop­pel­blin­de, pla­ce­bo­kon­trol­lier­te Stu­die mit fast 600 Kin­dern ergab außer­dem, dass der Ver­zehr von mit L. rham­no­sus fer­men­tier­ter Milch nach 7 Mona­ten im Ver­gleich zum Ver­zehr nor­ma­ler Milch zu einem signi­fi­kan­ten Rück­gang der Häu­fig­keit von Zahn­ka­ri­es führ­te. Pro­bio­ti­sche Prä­pa­ra­te zur För­de­rung der Mund­ge­sund­heit wer­den am bes­ten in sich lang­sam auf­lö­sen­den Tablet­ten oder in Kau­ta­blet­ten ver­ab­reicht, die den Kon­takt der Orga­nis­men mit den Gewe­ben der Mund­höh­le ver­län­gern.

Modu­la­ti­on von Bio­fil­men

Bio­fil­me sind kom­ple­xe Zusam­men­set­zun­gen von Mikro­or­ga­nis­men, die in einer Matrix aus extra­zel­lu­lä­ren poly­me­ren Sub­stan­zen ein­ge­schlos­sen sind. Die Mikro­or­ga­nis­men erzeu­gen den Bio­film selbst, um sich an Ober­flä­chen anzu­hef­ten, sich zu schüt­zen und ihren Fort­be­stand zu sichern. Im Darm tre­ten Bak­te­ri­en all­ge­mein frei lebend (plank­to­nisch) oder ein­ge­bet­tet in Bio­film­ge­mein­schaf­ten (ses­sil) auf. Auch in der Mund­höh­le leben die meis­ten Bak­te­ri­en in Bio­film­ge­mein­schaf­ten, die als Plaque bezeich­net wer­den. Bio­fil­me sind hete­ro­gen auf­ge­baut und bestehen sowohl aus nütz­li­chen als auch aus schäd­li­chen Mikro­or­ga­nis­men. Unter Ide­al­be­din­gun­gen bil­den Bio­fil­me eine sym­bio­ti­sche Bezie­hung zum Wirt und erlau­ben gleich­zei­tig die gesund­heits­för­dern­den Wir­kun­gen der nütz­li­chen Orga­nis­men, wäh­rend sie die Akti­vi­tät von Patho­ge­nen ein­schrän­ken. Stö­run­gen im Wirts­mi­lieu kön­nen jedoch zu Ände­run­gen der Bio­film­ge­mein­schaf­ten füh­ren, die Wachs­tum und Viru­lenz schäd­li­cher Orga­nis­men begüns­ti­gen und das Erkran­kungs­ri­si­ko erhö­hen. Die Nah­rungs­er­gän­zung durch Pro­bio­ti­ka ist viel­leicht das direk­tes­te und wirk­sams­te Mit­tel zum Erhalt gesun­der Bio­film­ge­mein­schaf­ten. Zahl­rei­che Stu­di­en zei­gen, dass Pro­bio­ti­ka in der Lage sind, ent­we­der die Bil­dung patho­ge­ner Bio­fil­me zu stö­ren oder das Wachs­tum von Patho­ge­nen in Bio­fil­men zu behin­dern. Die­se Wir­kun­gen sind für B. bifi­dum, B. infan­tis, B. longum, L. casei, L. fer­men­tum, L. para­casei, L. plan­t­ar­um, L. reu­te­ri, L. rham­no­sus, L. sali­va­ri­us, S. bou­lar­dii und S. ther­mo­phi­lus gegen­über einer Rei­he von Bio­fil­me bil­den­den Patho­ge­nen wie Can­di­da albi­cans, Can­di­da tro­pi­ca­lis, E. coli, G. vagi­na­lis, K. pneu­mo­niae, P. aeru­gi­no­sa, S. aure­us und S. mutans beschrie­ben wor­den. Die Modu­la­ti­on von Bio­fil­men wird immer stär­ker als ein Haupt­weg erkannt, über den Pro­bio­ti­ka ihre güns­ti­ge Wir­kung sowohl im Magen-Darm-Trakt als auch in der Mund­höh­le ent­fal­ten.

Häu­fi­ge Fra­gen zu Pro­bio­ti­ka

Woher weiß ich, dass ich ein Pro­bio­ti­kum brau­che?

Pro­bio­ti­ka kön­nen dazu die­nen, eine gesun­de, aus­ge­gli­che­ne Darm­mi­kro­flo­ra zu erhal­ten. Die heu­ti­ge Ernäh­rung besteht oft aus sehr stark ver­ar­bei­te­ten, ste­ri­li­sier­ten Lebens­mit­teln, denen es an wich­ti­gen Mikro­or­ga­nis­men wie L. plan­t­ar­um, L. rham­no­sus, L. casei und L. aci­do­phi­lus fehlt. Die­se Orga­nis­men müs­sen ver­zehrt wer­den, um dau­er­haft im Magen-Darm-Trakt vor­han­den zu sein. Durch Kai­ser­schnitt­ent­bin­dung gebo­re­ne Säug­lin­ge und sol­che, die nicht gestillt wer­den, wei­sen eine gestör­te Darm­mi­kro­flo­ra auf, die sich kurz- und lang­fris­tig ungüns­tig auf die Gesund­heit aus­wir­ken kann, wes­halb sie mög­li­cher­wei­se von Pro­bio­ti­ka pro­fi­tie­ren.

Durch die Alte­rung ver­än­dert sich auch die Mikro­flo­ra und ins­be­son­de­re die Zahl der Bifi­do­bak­te­ri­en nimmt ab. Pro­bio­ti­ka kön­nen die alters­be­ding­ten Ver­schie­bun­gen im Gleich­ge­wicht der Darm­mi­kro­flo­ra mög­li­cher­wei­se umkeh­ren. Pro­bio­ti­ka kön­nen auch par­al­lel zu Anti­bio­ti­ka, Immun­sup­pres­si­va und ande­ren Arz­nei­mit­teln ein­ge­nom­men wer­den, die das Gleich­ge­wicht der Mikro­flo­ra stö­ren. Zu den gut unter­such­ten Sym­pto­men, die sich durch Pro­bio­ti­ka lin­dern las­sen, zäh­len die anti­bio­ti­ka­be­ding­te Diar­rhö sowie ande­re For­men der Diar­rhö, Vagini­tis, Lak­to­se­into­le­ranz, intes­ti­na­le und vagi­na­le Dys­bio­se, Blä­hun­gen, Fla­tu­lenz und Ver­stop­fung. Es konn­te auch gezeigt wer­den, dass man­che Pro­bio­ti­ka Nah­rungs­mit­tel­all­er­gi­en abmil­dern und das Immun­sys­tem modu­lie­ren. Wenn bei Ihnen sol­che Sym­pto­me bestehen, ist es am bes­ten, sich mit medi­zi­ni­schen Fach­leu­ten zu bera­ten, die in der Anwen­dung von Pro­bio­ti­ka erfah­ren sind.

Wel­che Pro­bio­ti­ka soll­te ich ein­neh­men?

Um die­se Fra­ge best­mög­lich zu beant­wor­ten, soll­ten Sie sich mit medi­zi­ni­schen Fach­leu­ten bera­ten, die sich mit der Anwen­dung von Pro­bio­ti­ka aus­ken­nen und abschät­zen kön­nen, wel­che Pro­bio­ti­ka Ihnen am ehes­ten hel­fen kön­nen. Dabei soll­ten die­se sich von kli­ni­schen Berich­ten und in der medi­zi­ni­schen Fach­li­te­ra­tur ver­öf­fent­lich­ten Stu­di­en­ergeb­nis­sen lei­ten las­sen. So wur­de bei­spiels­wei­se gezeigt, dass L. aci­do­phi­lus, L. bul­ga­ri­cus, B. longum und S. ther­mo­phi­lus das Risi­ko einer anti­bio­ti­ka­be­ding­ten Diar­rhö sen­ken. In min­des­tens sechs gründ­li­chen kli­ni­schen Stu­di­en wur­de nach­ge­wie­sen, dass S. bou­lar­dii das Risi­ko einer anti­bio­ti­ka­in­du­zier­ten Diar­rhö senkt und vor C. dif­fi­ci­le schützt. Einer durch Rota­vi­ren her­vor­ge­ru­fe­nen Gas­tro­en­ter­i­tis bei Kin­dern lässt sich durch L. rham­no­sus, L. casei, S. ther­mo­phi­lus und B. bifi­dum vor­beu­gen. L. rham­no­sus kann nach­weis­lich die Sym­pto­me von Lebens­mit­tel­all­er­gi­en mil­dern. Eine Rei­he von Lak­toba­zil­len wie L. casei, L. del­bru­eckii, L. hel­ve­ti­cus und L. aci­do­phi­lus sowie Bifi­do­bac­te­ri­um sind wirk­sam gegen H. pylo­ri, einen Orga­nis­mus, der mit pep­ti­schen Ulze­ra in Ver­bin­dung gebracht wird. Per­so­nen mit Reiz­darm­syn­drom (RDS) scheint eine Kom­bi­na­ti­on aus Lak­toba­zil­len und Bifi­do­bak­te­ri­en am bes­ten zu hel­fen. Wer sei­ne Darm­mi­kro­flo­ra güns­tig beein­flus­sen möch­te, nutzt dazu am bes­ten eine umfas­sen­de Kom­bi­na­ti­on aus Lac­to­ba­c­il­lus- und Bifi­do­bac­te­ri­um-Arten.

Woher weiß ich, ob das Pro­bio­ti­kum mir gehol­fen hat?

Wenn Sym­pto­me vor­lie­gen, ist deren Abklin­gen oder Ver­schwin­den das bes­te Zei­chen für die Wir­kung der Pro­bio­ti­ka. Je nach indi­vi­du­el­lem Anspre­chen auf die Pro­bio­ti­ka und die Schwe­re der zugrun­de lie­gen­den Erkran­kung kann es Tage oder sogar Wochen dau­ern, bis sich eine sol­che Ver­bes­se­rung bemerk­bar macht. Wer­den Pro­bio­ti­ka als all­ge­mei­ne gesund­heits­för­dern­de Maß­nah­me ange­wen­det, ohne dass Beschwer­den vor­lie­gen, ist deren Nut­zen wahr­schein­lich nicht offen­sicht­lich.

Haben Pro­bio­ti­ka Neben­wir­kun­gen?

In sel­te­nen Fäl­len bemer­ken man­che Per­so­nen eine Ver­schlech­te­rung ihrer kli­ni­schen Beschwer­den nach Beginn der Ein­nah­me von Pro­bio­ti­ka. Man­che schrei­ben die­ses Phä­no­men einem Abster­ben der patho­ge­nen Bak­te­ri­en zu, die dadurch toxi­sche Zell­pro­duk­te frei­set­zen. Der genaue Mecha­nis­mus einer sol­chen vor­über­ge­hen­den Ver­schlech­te­rung von Sym­pto­men ist nicht bekannt, aber er kann auf­tre­ten. Die anhal­ten­de Ein­nah­me von Pro­bio­ti­ka wird aber meis­tens durch eine Sym­ptom­lin­de­rung belohnt. Bei man­chen Per­so­nen kommt es zu Blä­hun­gen, Bauch­schmer­zen und sogar Diar­rhö, die aber in der Regel mit der Zeit ver­schwin­den. In sehr sel­te­nen Fäl­len waren Pro­bio­ti­ka auch die Ursa­che oppor­tu­nis­ti­scher Infek­tio­nen.

Lässt sich mein Anspre­chen auf Pro­bio­ti­ka mit Tests
über­prü­fen?

Abge­se­hen von bestimm­ten Aus­nah­men wie dem Vor­han­den­sein von C.-difficile-Toxin oder patho­ge­nen Mikro­or­ga­nis­men im Stuhl gibt es kei­ne leicht zugäng­li­chen, zuver­läs­si­gen kli­ni­schen Labor­un­ter­su­chun­gen, mit denen sich ein Anspre­chen auf Pro­bio­ti­ka über­prü­fen lässt. Oft wer­den auf­grund der Über­le­gung, dass sich Pro­bio­ti­ka im Darm auch im Stuhl zei­gen müss­ten, Stuhl­kul­tu­ren ange­for­dert. Die meis­ten Pro­bio­ti­ka sind jedoch hin­sicht­lich ihrer Nähr­stoffan­for­de­run­gen wäh­le­risch und las­sen sich nicht leicht aus rou­ti­ne­mä­ßi­gen Stuhl­pro­ben kul­ti­vie­ren. Zum Nach­weis einer pro­bio­ti­schen Besied­lung des Darms wer­den aktu­ell Darm­bi­op­si­en und DNA-Ampli­fi­ka­ti­ons­ver­fah­ren ver­wen­det. Eine nega­ti­ve Stuhl­kul­tur für Pro­bio­ti­ka-Arten zeigt nicht an, dass kei­ne Besied­lung erfolgt oder dass die Orga­nis­men nicht vor­han­den sind oder kei­nen Nut­zen ent­fal­ten.

Soll­te ich ein Pro­bio­ti­kum kau­fen, das Prä­bio­ti­ka ent­hält?

Prä­bio­ti­ka sind Koh­le­hy­dra­te, die vom mensch­li­chen Darm nicht ver­daut wer­den kön­nen und die selek­tiv die Akti­vi­tät und das Wachs­tum bestimm­ter Bak­te­ri­en im Dick­darm för­dern. Die meis­ten Prä­bio­ti­ka sind ver­dau­ungs­re­sis­ten­te Ket­ten von zwei bis neun Zucker­mo­le­kü­len (Oli­gosac­chari­de). Sie fin­den sich all­ge­mein in Chi­co­rée, Spar­gel, Arti­scho­cken, Zwie­beln, Knob­lauch, Por­ree und Soja­boh­nen sowie in Kuh­milch und Mut­ter­milch. Prä­bio­ti­ka haben viel Auf­merk­sam­keit als Mit­tel zur Ver­meh­rung der Zahl gesun­der, nütz­li­cher kom­men­sa­ler Bak­te­ri­en im Darm erhal­ten. Zu den am wei­tes­ten ver­brei­te­ten Prä­bio­ti­ka gehö­ren Lak­tu­lo­se, Oligof­ruk­to­se, Galak­to-Oli­gosac­chari­de, Soja-Oli­gosac­chari­de und das aus Chi­co­rée abge­lei­te­te Inu­lin. Man­che Prä­bio­ti­ka wie Lak­tu­lo­se wer­den syn­the­tisch her­ge­stellt, wohin­ge­gen die meis­ten ande­ren Oli­gosac­chari­de natür­li­che Bestand­tei­le von Nah­rungs­mit­teln sind.

Nach dem Ver­zehr pas­sie­ren Prä­bio­ti­ka den Dünn­darm und gelan­gen in den Dick­darm, wo sie selek­tiv von nütz­li­chen Milch­säu­re pro­du­zie­ren­den Bak­te­ri­en ver­wer­tet wer­den. Zahl­rei­che Stu­di­en deu­ten dar­auf hin, dass Bifi­do­bak­te­ri­en kurz­ket­ti­ge Oli­gosac­chari­de bevor­zu­gen und jün­ge­re Stu­di­en las­sen ver­mu­ten, dass Oligof­ruk­to­se, Soja-Oli­gosac­chari­de und Galak­to-Oli­gosac­chari­de am güns­tigs­ten für deren Ent­wick­lung sind. Prä­bio­ti­ka kön­nen die Zahl der Bifi­do­bak­te­ri­en im Dick­darm wesent­lich stei­gern und die Popu­la­ti­on von patho­ge­nen Bak­te­ri­en wie Klos­tri­di­en, Fuso­bak­te­ri­en und gram­po­si­ti­ven Kok­ken ver­rin­gern. Inu­lin ist ein weit­ver­brei­te­tes Prä­bio­ti­kum, das nicht mit den Blä­hun­gen und Fla­tu­len­zen asso­zi­iert ist, die für ande­re Prä­bio­ti­ka manch­mal beschrie­ben wer­den. Inu­lin ist für Patho­ge­ne schwe­rer zu meta­bo­li­sie­ren und dient – anders als man­che stark ver­ar­bei­te­ten kurz­ket­ti­gen Fruk­to-Oli­gosac­chari­de – eher weni­ger als Nah­rungs­quel­le für patho­ge­ne Bak­te­ri­en. All­ge­mein sind Pro­bio­ti­ka, die mit Prä­bio­ti­ka kom­bi­niert sind und dann als Syn­bio­ti­ka bezeich­net wer­den, eine gute Wahl.

Wann und wie soll­te ich ein Pro­bio­ti­kum anwen­den?

Auf die­se Fra­ge wer­den oft wider­sprüch­li­che Ant­wor­ten gege­ben. Selbst die Pro­dukt­kenn­zeich­nun­gen ver­schie­de­ner Pro­bio­ti­ka-Her­stel­ler kön­nen sich direkt wider­spre­chen. Man­che emp­feh­len, Pro­bio­ti­ka mit den Mahl­zei­ten ein­zu­neh­men, ande­re dazwi­schen. Auch die medi­zi­ni­sche Fach­welt ist sich in die­sem Punkt nicht einig. Die­je­ni­gen, die für die Ein­nah­me von Pro­bio­ti­ka mit den Mahl­zei­ten plä­die­ren, begrün­den dies damit, dass die Nah­rung die Magen­säu­re puf­fert und so die Mikro­or­ga­nis­men schützt. Die­je­ni­gen, die emp­feh­len, Pro­bio­ti­ka ohne Nah­rung ein­zu­neh­men, raten in der Regel dazu, viel Was­ser dazu zu trin­ken. Das Was­ser ver­dünnt die Magen­säu­re und kann den Mikro­or­ga­nis­men hel­fen, schnell in den Darm zu gelan­gen und so den Kon­takt mit Magen­säu­re und Gal­len­flüs­sig­keit zu mini­mie­ren. Nur weni­ge Unter­su­chun­gen stüt­zen einen der bei­den Ansät­ze direkt. Aller­dings sind in zahl­rei­chen Stu­di­en Pro­bio­ti­ka mit den Mahl­zei­ten ver­ab­reicht und wesent­li­che Wir­kun­gen beschrie­ben wor­den. Am ver­nünf­tigs­ten ist es wahr­schein­lich, Pro­bio­ti­ka mit einer mäßi­gen Men­ge von Spei­sen ein­zu­neh­men, die nicht wär­mer als Raum­tem­pe­ra­tur sein soll­ten.

Wann soll­te ich ein Pro­bio­ti­kum anwen­den, wenn ich
Anti­bio­ti­ka neh­me?

Frü­her wur­de oft davon abge­ra­ten, Pro­bio­ti­ka gleich­zei­tig mit Anti­bio­ti­ka ein­zu­neh­men, da man davon aus­ging, dass die Anti­bio­ti­ka die auf­ge­nom­me­nen Pro­bio­ti­ka abtö­ten wür­den. Aber die­ser Ansatz erlaubt patho­ge­nen Bak­te­ri­en eine nicht durch nütz­li­che Bak­te­ri­en begrenz­te Ver­meh­rung, die häu­fig zu anti­bio­ti­ka­be­ding­ter Diar­rhö und ande­ren Pro­ble­men führt. Pro­bio­ti­ka soll­ten wäh­rend der anti­bio­ti­schen Behand­lung ein­ge­nom­men wer­den, und zwar min­des­tens eine Stun­de vor oder zwei Stun­den nach der Ein­nah­me des Anti­bio­ti­kums.

Wie viel soll­te ich vom Pro­bio­ti­kum ein­neh­men?

Die Ant­wort hängt davon ab, ob das Pro­bio­ti­kum the­ra­peu­tisch oder ein­fach zur Bewah­rung eines gesun­den Gleich­ge­wichts der Darm­mi­kro­flo­ra ein­ge­setzt wird. All­ge­mein ist eine Dosis von 1 Mil­li­ar­de kolo­nie­bil­den­der Ein­hei­ten (kbE) erfor­der­lich, um signi­fi­kan­te Men­gen lebens­fä­hi­ger Pro­bio­ti­ka bis in den Darm zu brin­gen. Der Trend geht zu höhe­ren Dosie­run­gen. Das kom­mer­zi­el­le Kom­bi-Pro­bio­ti­ka-Prä­pa­rat VSL#3 wird in Packun­gen zu je 450 Mil­li­ar­den Orga­nis­men gelie­fert und ist pro­blem­los in Dosen von bis zu 3,6 Bil­lio­nen kbE/Tag bei Pati­en­ten mit Coli­tis ulce­ro­sa ein­ge­setzt wor­den. In einer kli­ni­schen Stu­die, in der täg­lich 200 Mil­li­ar­den Orga­nis­men von Klai­re Labs® Ther-Bio­tic® Fac­tor 6 (kom­mer­zi­el­les Gemisch aus sechs pro­bio­ti­schen Arten) an Nie­ren­trans­plan­tier­te ver­ab­reicht wur­den, ver­rin­ger­ten die Pro­bio­ti­ka die Häu­fig­keit der durch die Immun­sup­pres­si­on beding­ten Diar­rhö um 73 %. Man beach­te, dass die Dosis von 200 Mil­li­ar­den kbE/Tag auch in die­ser immun­sup­pri­mier­ten Popu­la­ti­on unbe­denk­lich war.

Über­ste­hen pro­bio­ti­sche Orga­nis­men den Kon­takt mit
Magen­säu­re und Gal­len­flüs­sig­keit?

Ver­schie­de­ne pro­bio­ti­sche Orga­nis­men sind unter­schied­lich emp­find­lich gegen­über Magen­säu­re und Gal­len­flüs­sig­keit. Kei­nen Ein­fluss hat Magen­säu­re auf S. bou­lar­dii. Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en sind emp­find­li­cher und gedei­hen in über­mä­ßig sau­ren oder alka­li­schen Milieus nicht gut. Man­che Milch­säu­re pro­du­zie­ren­de Bak­te­ri­en wie L. rham­no­sus sind emp­find­li­cher als ande­re. Die Her­stel­ler von Pro­bio­ti­ka haben eine Rei­he von Metho­den ent­wi­ckelt, um das Über­le­ben der Pro­bio­ti­ka bei ora­ler Ver­ab­rei­chung zu begüns­ti­gen. Man­che bie­ten einen magen­saft­re­sis­ten­ten Über­zug aus Zel­lu­lo­se oder häu­fig auch aus syn­the­ti­schen plasti­fi­zier­ten Poly­me­ren an. Letz­te­re wer­den von emp­find­li­chen Per­so­nen häu­fig nicht ver­tra­gen.

Ein Her­stel­ler über­zieht die pro­bio­ti­schen Mikro­or­ga­nis­men in einem inno­va­ti­ven Pro­zess mit gemü­se­ba­sier­ten Fett­säu­ren. Die­se Mikro­ein­kap­se­lung schützt die Pro­bio­ti­ka nicht nur gegen Magen­säu­re, son­dern auch gegen Luft und Feuch­tig­keit und erhält sie auch bei Raum­tem­pe­ra­tur am Leben. Klai­re Labs® nutzt einen hoch gerei­nig­ten Extrakt aus Mee­res­pflan­zen in einer säu­re­sta­bi­len Tech­no­lo­gie. Der Extrakt wird mit den Pro­bio­ti­ka ver­mischt, und wenn die­ses Gemisch in Kon­takt mit Magen­säu­re kommt, bil­det es eine gel­ar­ti­ge Matrix um die Mikro­or­ga­nis­men, die die­se vor der Magen­säu­re schützt. Bei der Anwen­dung von Pro­bio­ti­ka im Mund­ra­chen, in der Spei­se­röh­re und im Magen ist es ange­ra­ten, Pro­bio­ti­ka zu wäh­len, die nicht magen­saft­re­sis­tent gemacht wur­den.

Müs­sen Pro­bio­ti­ka dem Darm anhaf­ten, um wir­ken zu kön­nen?

Die Anhaf­tung an der Darm­schleim­haut ist nur eines von vie­len Merk­ma­len, die dar­über ent­schei­den, ob ein Orga­nis­mus als Pro­bio­ti­kum nütz­lich sein kann. Die­se Anhaf­tung lässt sich unter Labor­be­din­gun­gen beob­ach­ten. Es gibt Hin­wei­se dar­auf, dass die nor­ma­le Darm­mi­kro­flo­ra häu­fig nicht an den Darm­epi­thel­zel­len anhaf­tet, son­dern in der Regel im Darm­in­halt sus­pen­diert lebt oder sich in einem Bio­film befin­det, der auf der Schleim­schicht liegt. Die Anhaf­tung ist sicher­lich nicht nötig, damit ein Pro­bio­ti­kum wir­ken kann. Es gibt zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che und anek­do­ti­sche Berich­te zum the­ra­peu­ti­schen Nut­zen von Joghurt, obwohl die wich­tigs­ten Bak­te­ri­en in Joghurt­kul­tu­ren, S. ther­mo­phi­lus und L. bul­ga­ri­cus, tran­si­en­te Mikro­or­ga­nis­men sind, die nicht an der Schleim­haut anhaf­ten. Die Modu­la­ti­on der Immunfunk­ti­on ist ein Nut­zen von Pro­bio­ti­ka, der offen­sicht­lich nicht auf eine Anhaf­tung an der Schleim­haut oder die Besied­lung des Darms ange­wie­sen ist. Pro­bio­ti­ka wer­den leicht von spe­zia­li­sier­ten Lymph­kno­ten in der Dünn­darm­wand, den Peyer‘schen Plaques, auf­ge­nom­men, wo sie die Pro­duk­ti­on von IgA, Zyto­ki­nen und ande­ren Media­to­ren der Immunfunk­ti­on sti­mu­lie­ren. Selbst die Ver­ab­rei­chung abge­tö­te­ter Pro­bio­ti­ka ver­bes­sert nach­weis­lich die Immunfunk­ti­on.

Eine Schleim­haut­be­sied­lung wur­de in vivo nur für weni­ge pro­bio­ti­sche Stäm­me belegt. Nach ora­ler Ver­ab­rei­chung ließ sich L. rham­no­sus GG in Kul­tu­ren aus rek­ta­len Biop­si­en bis zu 12 Tage lang nach­wei­sen. Trotz sofor­ti­ger Ver­ar­bei­tung war die Emp­find­lich­keit von Stuhl­kul­tu­ren eher schlecht. In einer Teil­grup­pe wur­de L. rham­no­sus nur in 20 % der letz­ten Stuhl­kul­tu­ren, aber noch in 88 % der rek­ta­len Biop­sie­kul­tu­ren nach­ge­wie­sen. In einer zwei­ten Stu­die lie­ßen sich Pro­bio­ti­ka, die oral an schwerst­kran­ke Pati­en­ten unter star­ker Anti­bio­se ver­ab­reicht wor­den waren, in rek­ta­len Biop­si­en nach­wei­sen. Eine Gabe von L. plan­t­ar­um redu­zier­te die Popu­la­tio­nen patho­ge­ner Ente­ro­bac­te­riaceae und sul­fit­re­du­zie­ren­der Klos­tri­di­en. In-vivo-Stu­di­en zur Darm­be­sied­lung durch Pro­bio­ti­ka haben zwei wich­ti­ge Erkennt­nis­se her­vor­ge­bracht. Die ers­te Erkennt­nis ist, dass rou­ti­ne­mä­ßi­ge Stuhl­kul­tu­ren zur Beur­tei­lung einer pro­bio­ti­schen The­ra­pie wenig bis gar nicht geeig­net sind. Die zwei­te Erkennt­nis ist, dass zur Auf­recht­erhal­tung der Besied­lung und des Nut­zens eine anhal­ten­de Auf­nah­me der Pro­bio­ti­ka erfor­der­lich ist.

Scha­det die Gefrier­trock­nung Pro­bio­ti­ka?

Die Gefrier­trock­nung oder Lyo­phi­li­sie­rung scha­det Pro­bio­ti­ka nicht, sofern stren­ge Vor­ga­ben ein­ge­hal­ten wer­den. Mit die­sem aner­kann­ten Ver­fah­ren lässt sich die Lebens­fä­hig­keit der mikro­bi­el­len Pro­bio­ti­ka lang­fris­tig gewähr­leis­ten. Rou­ti­ne­mä­ßi­ge Über­le­bens­stu­di­en prü­fen, ob die Pro­bio­ti­ka auch nach der Gefrier­trock­nung noch lebens­fä­hig sind. Nicht gefrier­ge­trock­ne­te Pro­bio­ti­ka, bei­spiels­wei­se in flüs­si­ger Form, sind selbst gekühlt viel kür­zer halt­bar. Die­se kur­ze Halt­bar­keit ist durch die End­pro­duk­te von Gär­pro­zes­sen bedingt, die für die Mikro­or­ga­nis­men toxisch sind. Ein bekann­tes Bei­spiel ist das Abster­ben von Hefen bei der Pro­duk­ti­on von Bier und Wein. Die Gefrier­trock­nung unter­bin­det die Fer­men­ta­ti­on und ver­bes­sert so die Lebens­fä­hig­keit der Mikro­or­ga­nis­men.

Müs­sen alle Pro­bio­ti­ka kühl gela­gert wer­den?

All­ge­mein soll­ten Pro­bio­ti­ka gekühlt wer­den, um ihre Lebens­fä­hig­keit mög­lichst lan­ge zu erhal­ten. Die ein­zi­ge Aus­nah­me sind mit Fett­säu­ren mikro­ver­kap­sel­te Pro­bio­ti­ka, die kei­ne Küh­lung benö­ti­gen. Im Ein­zel­han­del erhält­li­che Pro­bio­ti­ka sind oft nicht gekühlt, wes­halb es nicht über­rascht, dass Bran­chen- und Ver­brau­cher­stu­di­en sol­cher Pro­duk­te gezeigt haben, dass 30 bis 50 % davon deut­lich weni­ger lebens­fä­hi­ge Mikro­or­ga­nis­men ent­hal­ten, als auf dem Eti­kett ange­ge­ben.

Auch wenn die meis­ten Pro­bio­ti­ka gekühlt gela­gert wer­den soll­ten, ver­der­ben oder ster­ben sie bei Raum­tem­pe­ra­tur nicht gleich ab. Sie kön­nen ohne wesent­li­che Min­de­run­gen der Lebens­fä­hig­keit tage- oder sogar wochen­lang bei Raum­tem­pe­ra­tur auf­be­wahrt wer­den. Aller­dings soll­ten sie nicht län­ger höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren aus­ge­setzt wer­den. Dia­gramm 1 zeigt die Lebens­fä­hig­keit aus­ge­wähl­ter Stäm­me von Pro­bio­ti­ka bei 4 °C, 23 °C und 30 °C, wor­aus ersicht­lich ist, dass die­se bei nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren bes­ser über­le­ben als bei hohen. Bei Raum­tem­pe­ra­tur (23 °C) neh­men die Kolo­nie­zah­len nach ein bis zwei Mona­ten ab, was erklärt, war­um so vie­le ver­schrei­bungs­freie Pro­bio­ti­ka-Pro­duk­te aus dem Ein­zel­han­del weni­ger als die ange­ge­be­ne Men­ge lebens­fä­hi­ger Orga­nis­men ent­hal­ten. Das Dia­gramm zeigt auch, dass man­che Stäm­me wie L. rham­no­sus stär­ker tem­pe­ra­tur­emp­find­lich sind als ande­re. Die Auf­be­wah­rung von Pro­bio­ti­ka bei Raum­tem­pe­ra­tur oder sogar bei höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren für ein paar Stun­den oder sogar Tage führt jedoch nur zu einem gering­fü­gi­gen Ver­lust an Orga­nis­men. Zwar soll­ten Pro­bio­ti­ka mit Kühl­packs ver­sandt wer­den, aber es besteht kein Grund zur Sor­ge, wenn die­se zum Lie­fer­zeit­punkt geschmol­zen oder nicht mehr kalt sind.

Dia­gramm 1

Über­le­bens­fä­hig­keit aus­ge­wähl­ter Pro­bio­ti­ka bei ver­schie­de­nen Tem­pe­ra­tur­ver­hält­nis­sen.

Tabelle 1 Probiotika Überlebensfähigkeit Zeit und Temperatur

Ist es wich­tig, ob ein Pro­bio­ti­kum in einer Glas- oder einer Kunst­stoff­fla­sche gelie­fert wird?

Die meis­ten Pro­bio­ti­ka sind anae­ro­be Orga­nis­men, was bedeu­tet, dass sie ohne Sauer­stoff leben. Ein Kon­takt mit Luft ist daher nicht erwünscht oder sogar toxisch für sie. Für gefrier­ge­trock­ne­te Pro­bio­ti­ka ist Feuch­tig­keit poten­zi­ell noch schäd­li­cher als Luft­kon­takt. Es gibt das Argu­ment, dass Pro­bio­ti­ka in Glas­fla­schen ver­packt wer­den soll­ten, um den Kon­takt mit Luft und Feuch­tig­keit zu mini­mie­ren. Aller­dings ist der Unter­schied in der Durch­läs­sig­keit zwi­schen Glas und hoch dich­tem Poly­ethy­len (HDPE), einem häu­fig für Fla­schen ver­wen­de­ten Kunst­stoff, ver­nach­läs­sig­bar. Außer­dem gelan­gen nach dem Öff­nen in jedem Fall Luft und Feuch­tig­keit in die Fla­sche, wodurch die rela­ti­ven Unter­schie­de in der Durch­läs­sig­keit zwi­schen Glas und HDPE irrele­vant wer­den. Unab­hän­gig vom Mate­ri­al kann die Zuga­be von Trock­nungs­mit­teln zu Behäl­tern mit Pro­bio­ti­ka den Feuch­tig­keits­ge­halt dar­in mini­mie­ren. Die Ver­pa­ckung von Pro­bio­ti­ka in Glas- und HDPE-Behäl­tern ist glei­cher­ma­ßen akzep­ta­bel.

Ist es güns­tig, wenn der Kul­tur­über­stand mit dem Pro­bio­ti­kum kom­bi­niert wird?

Der Kul­tur­über­stand ist das trans­for­mier­te Kul­tur­me­di­um, das bei der Ver­meh­rung von Bak­te­ri­en ent­steht und in das die Bak­te­ri­en eine Viel­zahl von Sub­stan­zen abge­ge­ben haben. Milch ist bei­spiels­wei­se ein Kul­tur­me­di­um, Joghurt ist ein Kul­tur­über­stand. Min­des­tens ein Unter­neh­men gibt an, dass die Ver­men­gung des Kul­tur­über­stands mit den Bak­te­ri­en zu wei­te­ren gesund­heits­för­dern­den Eigen­schaf­ten bei­trägt. Die­ser Zusatz­nut­zen ist zwar denk­bar, aber nicht gut durch Daten belegt. Die Bei­be­hal­tung des Kul­tur­über­stands wäh­rend der Pro­duk­ti­on könn­te dage­gen das Über­le­ben der Pro­bio­ti­ka beein­träch­ti­gen, wenn die Neben­pro­duk­te der Fer­men­ta­ti­on für die­se toxisch sind. Der hypo­the­ti­sche Nut­zen des Ein­schlus­ses des Kul­tur­über­stands scheint der nega­ti­ven Aus­wir­kung auf die Lebens­fä­hig­keit der Pro­bio­ti­ka unter­le­gen zu sein.

Darf man Pro­bio­ti­ka bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern anwen­den?

Pro­bio­ti­ka sind pro­blem­los und mit nütz­li­cher Wir­kung bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern ein­ge­setzt wor­den. Die tra­di­tio­nel­le Lehr­mei­nung ist, dass der Darm Neu­ge­bo­re­ner ste­ril ist und kei­ne Mikro­or­ga­nis­men beher­bergt. Sei­ne Besie­de­lung beginnt also mit der Geburt. Wäh­rend der ers­ten Lebens­wo­che rin­gen dabei Strep­to­coc­cus, Clos­tri­di­um, Bifi­do­bac­te­ri­um und Lac­to­ba­c­il­lus um die Vor­herr­schaft. Am Ende der ers­ten Woche haben sich übli­cher­wei­se Bifi­do­bak­te­ri­en als domi­nan­te Gat­tung durch­ge­setzt. Gestill­te Säug­lin­ge wei­sen in der Regel viel höhe­re Zah­len von Bifi­do­bak­te­ri­en im Darm auf als nicht gestill­te, die höhe­re Kon­zen­tra­tio­nen von E. coli und ande­ren patho­ge­nen koli­for­men Bak­te­ri­en haben. Zum Teil ist dies auf das Vor­han­den­sein bifido­ge­ner Sub­stan­zen in der Mut­ter­milch zurück­zu­füh­ren.

Auch wenn der Darm der Neu­ge­bo­re­nen rasch besie­delt wird, ist er noch nicht voll ent­wi­ckelt. So kön­nen Säug­lin­ge die als D(-) bezeich­ne­te iso­me­re Form der Milch­säu­re nicht ver­stoff­wech­seln. Theo­re­tisch könn­te daher ein Kon­takt mit D(-)-Milchsäure zu einer D(-)-Milchsäure-Azidose füh­ren, die einen bedroh­li­chen Zustand dar­stellt. Zwar lie­gen kei­ne Berich­te über eine D(-)-Milchsäure-Azidose bei Säug­lin­gen auf­grund von Pro­bio­ti­ka vor und D(-)-Milchsäure pro­du­zie­ren­de Pro­bio­ti­ka wie L. aci­do­phi­lus und L. plan­t­ar­um sind ohne Pro­ble­me bei Säug­lin­gen ange­wen­det wor­den, den­noch soll­ten für Säug­lin­ge vor­ge­se­he­ne Pro­bio­ti­ka nur Arten ent­hal­ten, die pri­mär oder aus­schließ­lich das L(+)-Isomer der Milch­säu­re pro­du­zie­ren.

Der Nut­zen und die Unbe­denk­lich­keit von Pro­bio­ti­ka bei Säug­lin­gen wur­den in kli­ni­schen Stu­di­en belegt. In einer kon­trol­lier­ten Stu­die erhiel­ten Säug­lin­ge und Klein­kin­der im Alter von 3 bis 24 Mona­ten über 7 Mona­te hin­weg täg­lich durch­schnitt­lich je 41 Mil­lio­nen kbE oder 3,7 Mil­lio­nen kbE B. lac­tis und S. ther­mo­phi­lus pro Kilo­gramm in einer nor­ma­len milch­ba­sier­ten Nah­rung. Die Pro­bio­ti­ka wur­den gut ver­tra­gen. Die damit behan­del­ten Säug­lin­ge und Klein­kin­der zeig­ten ein ange­mes­se­nes Wachs­tum, hat­ten weni­ger Koli­ken oder Darm­rei­zun­gen und brauch­ten weni­ger häu­fig Anti­bio­ti­ka. In einer wei­te­ren Stu­die senk­ten 190 Mil­lio­nen kbE B. bifi­dum und 14 Mil­lio­nen kbE S. ther­mo­phi­lus pro Gramm Nah­rung die Häu­fig­keit aku­ter Diar­rhö und der Aus­schei­dung von Rota­vi­ren wäh­rend Kran­ken­haus­auf­ent­hal­ten. Min­des­tens drei Stu­di­en haben gezeigt, dass eine früh­zei­ti­ge Gabe von Milch­säu­re pro­du­zie­ren­den Bak­te­ri­en wie L. aci­do­phi­lus, L. casei, B. bre­ve, B. infan­ti und S. ther­mo­phi­lus die Häu­fig­keit und Schwe­re einer nekro­ti­sie­ren­den Ente­ro­ko­li­tis bei Säug­lin­gen mit nor­ma­lem und nied­ri­gem Geburts­ge­wicht signi­fi­kant redu­ziert. Dar­über hin­aus haben meh­re­re kli­ni­sche Stu­di­en gezeigt, dass eine Nah­rungs­er­gän­zung durch Pro­bio­ti­ka bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern hoch wirk­sam zur Vor­beu­gung oder Behand­lung all­er­gi­scher Ekze­me ist.

Schluss­fol­ge­rung

Pro­bio­ti­ka wer­den seit Jahr­tau­sen­den, näm­lich seit dem ers­ten Ver­zehr fer­men­tier­ter Milch­pro­duk­te, vom Men­schen genutzt. Pro­bio­ti­ka kön­nen für die nor­ma­le Ver­dau­ungs­funk­ti­on sowie die endo­kri­ne und immu­no­lo­gi­sche Funk­ti­on des Darms uner­läss­lich sein. Sie hem­men patho­ge­ne Mikro­or­ga­nis­men und sind the­ra­peu­tisch zur Behand­lung einer Viel­zahl gastro­in­tes­ti­na­ler und sogar sys­te­mi­scher Stö­run­gen ein­ge­setzt wor­den. Pro­bio­ti­ka besie­deln den Darm nur vor­über­ge­hend und müs­sen, sofern sie nicht der Behand­lung einer aku­ten Erkran­kung die­nen, regel­mä­ßig ver­zehrt wer­den, um ihren Nut­zen auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Aus­wahl geeig­ne­ter Pro­bio­ti­ka, die ein­zeln oder in Kom­bi­na­ti­on ange­wen­det wer­den kön­nen, erfolgt am bes­ten in der Bera­tung durch erfah­re­ne medi­zi­ni­sche Fach­leu­te.

Pro­bio­ti­ka: Außer­ge­wöhn­lich sicher in der Anwen­dung

Hin­ter­grund

Men­schen ver­zehr­ten mikro­bi­ell fer­men­tier­te Nah­rung bereits vor Beginn der Geschichts­schrei­bung und tun dies auch heu­te noch ohne Pro­ble­me. Leben­de Bak­te­ri­en- oder Hefe­kul­tu­ren wer­den seit lan­gem zur Her­stel­lung von Lebens­mit­teln wie Joghurt, Kefir, Sauer­kraut, Kim­chi und Miso ein­ge­setzt. Zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts beob­ach­te­ten Wis­sen­schaft­ler, dass der Ver­zehr fer­men­tier­ter Nah­rungs­mit­tel sich güns­tig auf die Gesund­heit aus­wirk­te, und ent­wi­ckel­ten das Kon­zept der Pro­bio­ti­ka: leben­de Mikro­or­ga­nis­men, die bei regel­mä­ßi­gem Ver­zehr einen gesund­heit­li­chen Nut­zen haben. Seit der Ein­füh­rung die­ses Kon­zepts sind zahl­rei­che Arbei­ten zum Nach­weis der gesund­heits­för­dern­den Wir­kung von Pro­bio­ti­ka erschie­nen, die von der Ver­bes­se­rung des gastro­in­tes­ti­na­len Wohl­be­fin­dens bis zu einer Stär­kung der sys­te­mi­schen Immunfunk­ti­on rei­chen. Heu­te sind gut unter­such­te Pro­bio­ti­ka wie Orga­nis­men der Gat­tun­gen Lac­to­ba­c­il­lus, Bifi­do­bac­te­ri­um und Sac­charo­my­ces als funk­tio­nel­le Inhalts­stof­fe von Lebens­mit­teln und Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln weit ver­brei­tet und haben ein aus­ge­zeich­ne­tes Wirk­sam­keits- und Sicher­heits­pro­fil.

For­schung und Sicher­heit

Epi­de­mio­lo­gi­sche und kli­ni­sche Daten

Stu­di­en haben gezeigt, dass Pro­bio­ti­ka nicht nur gesund­heits­för­der­lich, son­dern auch außer­ge­wöhn­lich sicher in der Anwen­dung sind. In Toxi­zi­täts­stu­di­en an Tie­ren konn­ten kei­ne uner­wünsch­ten Ereig­nis­se als Fol­ge der Anwen­dung von Pro­bio­ti­ka nach­ge­wie­sen wer­den, und die Ergeb­nis­se der For­schung am Men­schen fal­len ähn­lich aus. Die größ­te Befürch­tung beim Ver­zehr leben­der Mikro­or­ga­nis­men ist die Ent­ste­hung einer Sep­sis, aber Bak­te­ri­ämi­en auf­grund von Lac­to­ba­c­il­lus- oder Bifi­do­bac­te­ri­um-Orga­nis­men sind extrem sel­ten. Epi­de­mio­lo­gi­sche und kli­ni­sche For­schungs­ar­bei­ten spre­chen dafür, dass der Gebrauch von Pro­bio­ti­ka nicht zu einem häu­fi­ge­ren Auf­tre­ten oppor­tu­nis­ti­scher Infek­tio­nen führt. Eine zwi­schen 1989 und 1992 in Finn­land durch­ge­führ­te bevöl­ke­rungs­ba­sier­te Stu­die stell­te fest, dass in Fäl­len von Bak­te­ri­ämie nur 8 von 3.317 (0,2 %) Blut­kul­tu­ren Lak­toba­zil­len als ver­ur­sa­chen­de Orga­nis­men ent­hiel­ten. Sequenz­ana­ly­sen des 16S-rRNA-Gens erga­ben, dass die nach­ge­wie­se­nen Lak­toba­zil­len nicht der kurz zuvor ein­ge­führ­ten pro­bio­ti­schen Art Lac­to­ba­c­il­lus rham­no­sus ähnel­ten, was dar­auf schlie­ßen lässt, dass endo­ge­ne Darm­bak­te­ri­en die Quel­le für die Bak­te­ri­ämie waren. Eine wesent­lich grö­ße­re Nach­fol­ge­stu­die konn­te für die Jah­re von 1995 bis 2000 in Finn­land trotz des dort rasch anstei­gen­den Gebrauchs von L. rham­no­sus kei­nen Anstieg der lac­to­ba­c­il­lus-asso­zi­ier­ten Infek­tio­nen beob­ach­ten. Das Hin­ter­grund­ni­veau der Lac­to­ba­c­il­lus-Bak­te­ri­ämi­en blieb sta­bil und lag wei­ter­hin bei etwa 0,2 % der posi­ti­ven Blut­kul­tu­ren.

In drei ver­öf­fent­lich­ten Sicher­heits­stu­di­en erga­ben sich kei­ne Bele­ge für Infek­tio­nen infol­ge der Ein­nah­me von Pro­bio­ti­ka. In einer die­ser Stu­di­en wur­de ent­we­der Lac­to­ba­c­il­lus reu­te­ri oder ein Pla­ce­bo an 39 Per­so­nen mit einer HIV-Infek­ti­on ver­ab­reicht. Nach drei Wochen wur­den als ein­zi­ge Neben­wir­kun­gen gastro­in­tes­ti­na­le Beschwer­den wie Blä­hun­gen und Übel­keit ange­ge­ben, die in etwa gleich häu­fig in der Pro­bio­ti­kum- und der Kon­troll­grup­pe auf­tra­ten. In zwei wei­te­ren Sicher­heits­stu­di­en wur­den Bifi­do­bac­te­ri­um- und Lac­to­ba­c­il­lus-Pro­bio­ti­ka an Säug­lin­ge mit extrem gerin­gem Geburts­ge­wicht und an sta­tio­när behan­del­te Kin­der ver­ab­reicht. Nur bei 2 der 94 im Rah­men die­ser Stu­di­en Behan­del­ten kam es zu leich­ten gastro­in­tes­ti­na­len Stö­run­gen, die sich auf die Mais­stär­ke in den Pro­bio­ti­ka­prä­pa­ra­ten zurück­füh­ren lie­ßen, nicht auf die pro­bio­ti­schen Orga­nis­men selbst.

Eine gro­ße Über­sichts­ar­beit unter­such­te 1999 die Daten aus 143 kli­ni­schen Stu­di­en, in denen Pro­bio­ti­ka an ins­ge­samt 7.526 Per­so­nen ver­ab­reicht wur­den. Unter den Behan­del­ten waren alle Alters­grup­pen von früh­ge­bo­re­nen Säug­lin­gen bis hin zu älte­ren Erwach­se­nen ver­tre­ten, sowie gesun­de und chro­nisch erkrank­te Per­so­nen. In kei­ner der Stu­di­en, die sich ins­ge­samt über vier Jahr­zehn­te erstreck­ten, wur­de auch nur ein ein­zi­ges uner­wünsch­tes Ereig­nis gemel­det. In einer 2010 ver­öf­fent­lich­ten Über­sichts­ar­beit wur­den die Ergeb­nis­se einer ande­ren Rei­he kli­ni­scher Prü­fun­gen unter­sucht, in denen Pro­bio­ti­ka an Per­so­nen mit Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen ver­ab­reicht wur­den, die eine ente­ra­le oder par­en­te­ra­le Ernäh­rung erhiel­ten. Von den 53 betrach­te­ten Stu­di­en berich­te­te kei­ne über eine Zunah­me der infek­tiö­sen Kom­pli­ka­tio­nen. Nur 2 Stu­di­en mel­de­ten ein höhe­res Niveau nicht infek­tiö­ser Ereig­nis­se nach dem Ein­satz von Pro­bio­ti­ka. Die Ergeb­nis­se die­ser bei­den Stu­di­en muss man näher betrach­ten: In der ers­ten Stu­die, in der Per­so­nen mit aku­ter Pan­krea­ti­tis behan­delt wur­den, führ­te ein Ran­do­mi­sie­rungs­feh­ler dazu, dass mehr Per­so­nen mit schwe­re­rer Erkran­kung Pro­bio­ti­ka erhiel­ten. Die Stu­di­en­da­ten zei­gen, dass in der Pro­bio­ti­ka­grup­pe 9 Per­so­nen vor der Ran­do­mi­sie­rung bereits ein Organ­ver­sa­gen erlebt hat­ten, wohin gegen das nur bei 5 Per­so­nen in der Kon­troll­grup­pe der Fall war. Auch war es bei 5 Per­so­nen in der Pro­bio­ti­ka­grup­pe bereits vor der Ran­do­mi­sie­rung zu einem Mul­tior­gan­ver­sa­gen gekom­men, in der Kon­troll­grup­pe dage­gen nur bei 1 Per­son. In einer Zwi­schen­ana­ly­se stell­te eine unab­hän­gi­ge Sicher­heits­kom­mis­si­on fest, dass die­ser Ran­do­mi­sie­rungs­feh­ler die Mor­ta­li­täts­da­ten ver­zerrt hat­te, sodass schein­bar mehr Per­so­nen in der Pro­bio­ti­ka­grup­pe ver­stor­ben waren, aber die Stu­die wur­de den­noch fort­ge­setzt. Die Autoren schrei­ben, dass eine logis­ti­sche Regres­si­on durch­ge­führt wur­de, um den Ran­do­mi­sie­rungs­feh­ler rech­ne­risch zu kor­ri­gie­ren, aber sie geben die ent­spre­chen­den Daten in der Ver­öf­fent­li­chung nicht an.

Stu­di­en haben gezeigt, dass Pro­bio­ti­ka nicht nur gesund­heits­för­der­lich, son­dern auch außer­ge­wöhn­lich sicher in der Anwen­dung sind.

In der zwei­ten Stu­die wur­den Leber­trans­plan­tier­te unter­sucht, die 14 Tage lang ent­we­der Pro­bio­ti­ka und Bal­last­stof­fe (Inter­ven­ti­ons­arm) oder nur Bal­last­stof­fe (Kon­troll­arm) erhiel­ten. Am Ende des Stu­di­en­zeit­raums war es in der Pro­bio­ti­ka­grup­pe zu einer deut­li­chen und signi­fi­kan­ten Abnah­me der Häu­fig­keit post­ope­ra­ti­ver Infek­tio­nen gekom­men. Obwohl mehr Per­so­nen in der Pro­bio­ti­ka­grup­pe nicht infek­tiö­se Kom­pli­ka­tio­nen wie Gal­len­gangs­teno­sen mel­de­ten, stel­len die Autoren nicht klar, ob die Häu­fig­keit der uner­wünsch­ten Ereig­nis­se in die­ser Grup­pe signi­fi­kant höher war als in der Kon­troll­grup­pe. Ange­sichts der metho­do­lo­gi­schen Feh­ler der ers­ten Stu­die und der unein­deu­ti­gen Anga­ben der zwei­ten Stu­die ist es wahr­schein­lich, dass die beob­ach­te­ten Zunah­men uner­wünsch­ter Ereig­nis­se zufäl­li­ge Ano­ma­li­en waren. Schließt man die­se Stu­di­en als Aus­rei­ßer aus, zei­gen die zusam­men­ge­fass­ten Ergeb­nis­se der Meta-Ana­ly­sen von 1999 und 2010, dass die Ver­ab­rei­chung von Pro­bio­ti­ka in ins­ge­samt 194 kli­ni­schen Prü­fun­gen nicht zu uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen führ­te.

Die­se außer­or­dent­li­che Pro­dukt­si­cher­heit wird auch durch einen Bericht gestützt, den die Agen­cy for Health­ca­re Rese­arch und Qua­li­ty (AHRQ, Abtei­lung für For­schung und Qua­li­tät im Gesund­heits­we­sen der US-Gesund­heits­be­hör­de Depart­ment of Health and Human Ser­vices) 2011 ver­öf­fent­lich­te. In dem umfas­sen­den Bericht wer­den Daten aus mehr als 600 ver­öf­fent­lich­ten Arti­keln zu Pro­bio­ti­ka aus einem Dut­zend medi­zi­ni­scher und gesund­heits­be­zo­ge­ner Daten­ban­ken aus­ge­wer­tet. Von den ursprüng­lich in die­se Über­sichts­ar­beit auf­ge­nom­me­nen Arti­keln schlos­sen die For­scher 235 aus, da sie nur all­ge­mei­ne Aus­sa­gen zur Sicher­heit ent­hiel­ten wie „die Inter­ven­ti­on wur­de gut ver­tra­gen“. Bei den ver­blei­ben­den Arbei­ten han­del­te es sich um kon­trol­lier­te, ran­do­mi­sier­te, kli­ni­sche Prü­fun­gen, die bestim­me Sicher­heits­pa­ra­me­ter unter­such­ten und Anga­ben zu spe­zi­fi­schen uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen mach­ten. In allen die­sen Prü­fun­gen zusam­men gab es laut Bericht kei­ne Bele­ge für eine Zunah­me uner­wünsch­ter Ereig­nis­se in den Pro­bio­ti­ka­grup­pen im Ver­gleich zu den Kon­troll­grup­pen, und zwar weder hin­sicht­lich der Zahl der Teil­neh­men­den mit uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen (121 kli­ni­sche Prü­fun­gen) noch hin­sicht­lich der in den Behand­lungs­grup­pen gemel­de­ten Zah­len von uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen (208 kli­ni­sche Prü­fun­gen). Wei­ter­hin gibt der Bericht für die unter­such­ten kli­ni­schen Prü­fun­gen an, dass

… es kei­ne Hin­wei­se dar­auf gab, dass es bei den Teil­neh­men­den, die pro­bio­ti­sche Orga­nis­men ver­wen­de­ten, zu sta­tis­tisch signi­fi­kant mehr gastro­in­tes­ti­na­len … Infek­tio­nen … oder ande­ren uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen kam … als bei den Teil­neh­men­den in den Kon­troll­grup­pen.“

Eine wei­te­re wich­ti­ge Beob­ach­tung:

Über alle Stu­di­en hin­weg gab es kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass es bei ernst­haft Erkrank­ten und Teil­neh­men­den mit hohem Risi­ko mit grö­ße­rer Wahr­schein­lich­keit zu uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen kam, als bei Teil­neh­men­den in den Kon­troll­grup­pen mit ver­gleich­ba­rem Gesund­heits­zu­stand …“

Die Ergeb­nis­se des AHRQ-Berichts bestä­ti­gen die Ergeb­nis­se der epi­de­mio­lo­gi­schen Unter­su­chun­gen aus Finn­land, der drei ver­öf­fent­lich­ten Sicher­heits­stu­di­en und der Meta­ana­ly­sen von 1999 und 2010. Zusam­men­ge­nom­men stel­len die­se wis­sen­schaft­li­chen Doku­men­te eine äußerst umfang­rei­che, fast unwi­der­leg­ba­re Beweis­la­ge zuguns­ten der Unbe­denk­lich­keit der Anwen­dung von Pro­bio­ti­ka in der kli­ni­schen Umge­bung zur Gesund­heits­för­de­rung oder Krank­heits­be­hand­lung dar.

Fall­be­rich­te Ver­wen­dung Pro­gio­ti­ka

Trotz des aus­ge­zeich­ne­ten Sicher­heits­pro­fils in epi­de­mio­lo­gi­schen und kli­ni­schen Stu­di­en fin­den sich in der medi­zi­ni­schen Lite­ra­tur meh­re­re Fall­be­rich­te zu uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen nach der Ver­ab­rei­chung von Pro­bio­ti­ka. Die meis­ten die­ser Ereig­nis­se stan­den im Zusam­men­hang mit der Anwen­dung des pilz­li­chen Pro­bio­ti­kums Sac­charo­my­ces bou­lar­dii bei schwer erkrank­ten Per­so­nen mit zen­tra­len oder peri­phe­ren Venen­ka­the­tern. Das wich­tigs­te gemel­de­te uner­wünsch­te Ereig­nis war eine Fun­gä­mie. Ver­weil­ka­the­ter sind bekann­te Risi­ko­fak­to­ren für Infek­tio­nen, da deren Besied­lung durch indi­ge­ne Mikro­bio­ta oder Umwelt­kon­ta­mi­nan­ten dazu füh­ren kann, dass Mikro­or­ga­nis­men (und zwar sowohl patho­ge­ne als auch pro­bio­ti­sche) in den Blut­kreis­lauf gelan­gen. Obwohl S. bou­lar­dii seit mehr als 60 Jah­ren über ein aus­ge­zeich­ne­tes Sicher­heits­pro­fil und eine bemer­kens­wer­te beleg­te Wirk­sam­keit für die Behand­lung ver­schie­de­ner For­men der Diar­rhö ver­fügt, las­sen Beob­ach­tun­gen aus den Fall­be­rich­ten ver­mu­ten, dass die­ses spe­zi­el­le Pro­bio­ti­kum nicht an Per­so­nen ver­ab­reicht wer­den soll­te, bei denen zen­tra­le oder peri­phe­re Venen­ka­the­ter oder ande­re Gefäß­zu­gän­ge lie­gen. Eini­ge weni­ge Fall­be­rich­te brin­gen auch das Pro­bio­ti­kum L. rham­no­sus GG mit bak­te­ri­ämi­schen Kom­pli­ka­tio­nen bei Per­so­nen mit gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen in Ver­bin­dung. Auch hier waren in den meis­ten Fäl­len zen­tra­le Venen­ka­the­ter vor­han­den, die wahr­schein­lich zur Aus­brei­tung der Infek­ti­on bei­tru­gen. Zwar ist eine Bak­te­ri­ämie eine extrem sel­te­ne Kom­pli­ka­ti­on des Pro­bio­tik­age­brauchs, aber medi­zi­ni­sche Fach­kräf­te soll­ten Vor­sicht wal­ten las­sen, wenn sie L. rham­no­sus an Per­so­nen ver­ab­rei­chen, die einen zen­tra­len oder peri­phe­ren Venen­ka­the­ter benö­ti­gen.

Sicher­heit wäh­rend der Schwan­ger­schaft, Still­zeit und in der frü­hen Kind­heit

Schwan­ger­schaft

Medi­ka­men­tö­se Behand­lun­gen jeg­li­cher Art kön­nen in der Schwan­ger­schaft auf­grund der mög­li­chen Schä­di­gung des sich ent­wi­ckeln­den Fötus pro­ble­ma­tisch sein. Auch wenn Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel wie Pro­bio­ti­ka all­ge­mein viel unbe­denk­li­cher sind als Medi­ka­men­te, soll­ten deren schwan­ger­schafts­be­zo­ge­ne Sicher­heits­da­ten unter­sucht wer­den. Pro­bio­ti­ka kön­nen Schwan­ge­ren vagi­nal oder oral ver­ab­reicht wer­den. Eine Coch­ra­ne-Über­sichts­ar­beit aus dem Jahr 2007 kam zu dem Schluss, dass die vagi­na­le Anwen­dung pro­bio­tisch fer­men­tier­ten Joghurts wäh­rend der Schwan­ger­schaft die Inzi­denz geni­ta­ler Infek­tio­nen um 80 Pro­zent ver­rin­gert. Infek­tio­nen im Geni­tal­be­reich sind eine Haupt­ur­sa­che für Früh­ge­bur­ten, die für über 70 % der neo­na­ta­len und post­na­ta­len Mor­bi­di­tät und Mor­ta­li­tät ver­ant­wort­lich sind. Eine neue­re Stu­die fand her­aus, dass Schwan­ge­re, die täg­lich etwa 85 Gramm eines pro­bio­ti­ka­hal­ti­gen Joghurts ver­zeh­ren, ein signi­fi­kant gerin­ge­res Risi­ko spon­ta­ner Früh­ge­bur­ten haben. Die­se Daten sind zwar nur vor­läu­fig, deu­ten aber dar­auf hin, dass die vagi­na­le und ora­le Ver­ab­rei­chung von Pro­bio­ti­ka in der Schwan­ger­schaft nicht nur unbe­denk­lich ist, son­dern eine the­ra­peu­ti­sche Stra­te­gie zur Ver­mei­dung von vor­zei­ti­gen Wehen und Früh­ge­bur­ten dar­stel­len kann.

Auch ande­re Gesund­heits­nut­zen für Schwan­ge­re durch Pro­bio­ti­ka sind bereits beschrie­ben wor­den. Eine im Jahr 2008 im Bri­tish Jour­nal of Nut­ri­ti­on ver­öf­fent­lich­te Stu­die kam zu dem Schluss, dass der Beginn einer pro­bio­ti­schen Nah­rungs­er­gän­zung und Ernäh­rungs­be­ra­tung im ers­ten Schwan­ger­schafts­drit­tel zu einer wesent­lich bes­se­ren Ein­stel­lung des müt­ter­li­chen Blut­zu­cker­spie­gels führt als die Ernäh­rungs­be­ra­tung allein. Eine Stu­die aus der Zeit­schrift Pediatrics gab an, dass der Gebrauch von Pro­bio­ti­ka wäh­rend der Schwan­ger­schaft in Kom­bi­na­ti­on mit der Ver­ab­rei­chung von sowohl Pro­bio­ti­ka als auch Prä­bio­ti­ka an Säug­lin­ge und Klein­kin­der die Inzi­denz von Atem­wegs­in­fek­ten in den ers­ten bei­den Lebens­jah­ren signi­fi­kant redu­ziert. Eine weg­wei­sen­de kli­ni­sche Stu­die unter­such­te 2001 die Aus­wir­kun­gen der Gabe des Pro­bio­ti­kums L. rham­no­sus sowohl an Schwan­ge­re mit einer fami­liä­ren Vor­be­las­tung für Neu­ro­der­mi­tis als auch an deren Säug­lin­ge nach der Geburt.

… der Beginn einer pro­bio­ti­schen Nah­rungs­er­gän­zung und Ernäh­rungs­be­ra­tung im ers­ten Schwan­ger­schafts­drit­tel führt zu einer wesent­lich bes­se­ren Ein­stel­lung des müt­ter­li­chen Blut­zu­cker­spie­gels als die Ernäh­rungs­be­ra­tung allein.

Nach zwei Jah­ren war eine Neu­ro­der­mi­tis bei Kin­dern, die das Pro­bio­ti­kum erhal­ten hat­ten, nur halb so oft auf­ge­tre­ten wie bei Kin­dern, die ein Pla­ce­bo bekom­men hat­ten. Nach­be­ob­ach­tun­gen zu die­ser Stu­die zeig­ten eine bemer­kens­wer­te Dau­er­haf­tig­keit die­ses pro­bio­ti­schen Effekts. Nach vier Jah­ren war es bei 14 der 53 Kin­der in der L.-rhamnosus-Gruppe zu einer Neu­ro­der­ma­ti­tis gekom­men, in der Pla­ce­bo­grup­pe waren es 25 von 54 Kin­dern (rela­ti­ves Risi­ko 0,57). Nach sie­ben Jah­ren war das kumu­la­ti­ve Risi­ko für eine Neu­ro­der­mi­ti­ser­kran­kung in der L.-rhamnosus-Gruppe immer noch signi­fi­kant nied­ri­ger als in der Pla­ce­bo­grup­pe (rela­ti­ves Risi­ko 0,64). Wis­sen­schaft­ler gehen davon aus, dass sich die in die­ser und ande­ren Stu­di­en beob­ach­te­ten güns­ti­gen Wir­kun­gen auf die Fähig­keit von Pro­bio­ti­ka zurück­füh­ren las­sen, die Immunfunk­ti­on zu regu­lie­ren, patho­ge­nen Mikro­or­ga­nis­men ent­ge­gen­zu­wir­ken, die Darm­bar­rie­re­funk­ti­on zu stär­ken und Ent­zün­dungs­pro­zes­se zu modu­lie­ren.

Still­zeit

Auch bei Säug­lin­gen mit Neu­ro­der­mi­tis, deren Müt­ter in der Still­zeit mit der Ein­nah­me von Pro­bio­ti­ka begin­nen, ist ein kli­ni­scher Nut­zen fest­stell­bar. Die Ein­nah­me von Pro­bio­ti­ka wäh­rend der Still­zeit för­dert mög­li­cher­wei­se die Pro­duk­ti­on und Aus­schei­dung von immun­pro­tek­ti­ven Wirk­stof­fen wie Immun­glo­bu­lin A (IgA) in den Milch­drü­sen, wodurch eine stär­ke­re Immun­kom­pe­tenz an Säug­lin­ge über­tra­gen wer­den kann.Eine fin­ni­sche Stu­die unter­such­te 1997 die Aus­wir­kung der Ver­ab­rei­chung von täg­lich 40 Mil­li­ar­den kbE L. rham­no­sus an stil­len­de Müt­ter von Säug­lin­gen mit Neu­ro­der­mi­tis. Nach einem Monat zeig­te sich eine signi­fi­kan­te Abnah­me der Ent­zün­dungs­sym­pto­ma­tik bei den Säug­lin­gen, deren Müt­ter das Pro­bio­ti­kum Lac­to­ba­c­il­lus erhal­ten hat­ten. Eine neue­re Stu­die doku­men­tier­te signi­fi­kan­te Rück­gän­ge der gastro­in­tes­ti­na­len Stö­run­gen und des Medi­ka­men­ten­ein­sat­zes bei gesun­den gestill­ten Säug­lin­gen nach der Ver­ab­rei­chung von Lac­to­ba­c­il­lus casei an die stil­len­den Müt­ter. In kei­ner der ver­öf­fent­lich­ten Stu­di­en zur Ver­ab­rei­chung von Pro­bio­ti­ka an stil­len­de Müt­ter sind uner­wünsch­te Ereig­nis­se bei Mut­ter oder Kind gemel­det wor­den.

Säug­lings- und Klein­kind­zeit

Die direk­te Ver­ab­rei­chung von Pro­bio­ti­ka an Säug­lin­ge, ein­schließ­lich Säug­lin­gen mit nied­ri­gem Geburts­ge­wicht oder sehr nied­ri­gem Geburts­ge­wicht, scheint nicht nur unbe­denk­lich, son­dern sogar sehr för­der­lich zu sein. Pro­bio­ti­ka begüns­ti­gen die Besied­lung des kind­li­chen Darms mit nütz­li­chen Orga­nis­men, hem­men Wachs­tum und Akti­vi­tät von Patho­ge­nen, ver­bes­sern Funk­ti­on und Inte­gri­tät der Darm­schleim­haut­bar­rie­re und modu­lie­ren Immun­re­ak­tio­nen auf posi­ti­ve Wei­se. Eine neue­re Stu­die zeig­te, dass die ergän­zen­de Gabe von Pro­bio­ti­ka an Säug­lin­ge mit nied­ri­gem Geburts­ge­wicht signi­fi­kant Unver­träg­lich­kei­ten bei der Nah­rungs­auf­nah­me redu­ziert und die Gewichts­zu­nah­me ver­bes­sert. Es konn­te auch nach­ge­wie­sen wer­den, dass Pro­bio­ti­ka das Risi­ko einer nekro­ti­sie­ren­den Ente­ro­ko­li­tis wirk­sam sen­ken, die eine Haupt­ur­sa­che für Mor­bi­di­tät und Mor­ta­li­tät bei Säug­lin­gen mit nied­ri­gem und sehr nied­ri­gem Geburts­ge­wicht ist. Eine Meta­ana­ly­se von 7 ran­do­mi­sier­ten, kon­trol­lier­ten, kli­ni­schen Prü­fun­gen kam 2007 zu dem Schluss, dass eine früh­zei­ti­ge Inter­ven­ti­on mit Pro­bio­ti­ka bei Säug­lin­gen mit sehr nied­ri­gem Geburts­ge­wicht die Häu­fig­keit der nekro­ti­sie­ren­den Ente­ro­ko­li­tis und die Gesamt­sterb­lich­keit signi­fi­kant ver­rin­gert. Eine Aktua­li­sie­rung die­ser Meta­ana­ly­se bestä­tig­te und erwei­ter­te 2010 die­se Ergeb­nis­se. In die­ser Über­sichts­ar­beit wur­den Daten aus 11 kli­ni­schen Stu­di­en unter­sucht, die zwi­schen 1997 und 2009 mit mehr als 2.000 Säug­lin­gen mit sehr nied­ri­gem Geburts­ge­wicht durch­ge­führt wor­den waren.

Die direk­te Ver­ab­rei­chung von Pro­bio­ti­ka an Säug­lin­ge, ein­schließ­lich Säug­lin­gen mit nied­ri­gem Geburts­ge­wicht oder sehr nied­ri­gem Geburts­ge­wicht, scheint nicht nur unbe­denk­lich, son­dern sogar sehr för­der­lich zu sein.

Unter Ver­wen­dung eines Modells mit fixen Effek­ten zeig­te die Meta­ana­ly­se eine Ver­rin­ge­rung der Häu­fig­keit einer nekro­ti­sie­ren­den Ente­ro­ko­li­tis nach einer kli­ni­schen Inter­ven­ti­on mit Pro­bio­ti­ka um 65 %. Eine strik­te­re Sequenz­ana­ly­se der Prü­fun­gen ergab eine Reduk­ti­on um min­des­tens 30 %. Wich­tig hier­bei ist auch, dass die Pro­bio­ti­ka von allen Säug­lin­gen in den Stu­di­en gut ver­tra­gen und kei­ne uner­wünsch­ten Ereig­nis­se gemel­det wur­den.

Resis­tenz gegen­über anti­mi­kro­bi­el­len Sub­stan­zen

Das Auf­tre­ten von Resis­ten­zen gegen­über anti­mi­kro­bi­el­len Sub­stan­zen bei patho­ge­nen Orga­nis­men ist zu einer wesent­li­chen Hür­de für erfolg­rei­che anti­mi­kro­bi­el­le Behand­lun­gen gewor­den. Die­se Resis­ten­zen sind ein immer wei­ter um sich grei­fen­des glo­ba­les Phä­no­men, das inzwi­schen die wirk­sa­me Behand­lung vie­ler schwe­rer und weit ver­brei­te­ter Infek­ti­ons­krank­hei­ten wie Tuber­ku­lo­se, Mala­ria, HIV, nos­o­ko­mia­len Infek­tio­nen, Shi­gel­lo­se und Gonor­rhö gefähr­det. Der über­mä­ßi­ge oder nicht fach­ge­rech­te Gebrauch von Anti­bio­ti­ka und anti­mi­kro­bi­el­len Wirk­stof­fen ist eine Haupt­ur­sa­che für die Ent­ste­hung von Resis­ten­zen bei Patho­ge­nen. Außer­dem kön­nen Mikro­or­ga­nis­men gene­ti­sches Mate­ri­al unter­ein­an­der aus­tau­schen, was die Über­tra­gung der Resis­ten­zen von einer Art auf eine ande­re erleich­tert. Da gezeigt wer­den konn­te, dass auch im Magen-Darm-Trakt ange­sie­del­te Mikro­or­ga­nis­men gene­ti­sches Mate­ri­al über­tra­gen, sind Beden­ken hin­sicht­lich einer mög­li­chen Aus­bil­dung von Anti­bio­tika­re­sis­ten­zen bei pro­bio­ti­schen Orga­nis­men geäu­ßert wor­den, die anschlie­ßend auf patho­ge­ne Mikro­ben über­tra­gen wer­den könn­ten.

Zwar ist die Fähig­keit pro­bio­ti­scher Arten, sol­che Resis­ten­zen zu erwer­ben, bis­her kaum unter­sucht wor­den, jedoch ist bekannt, dass Mikro­or­ga­nis­men der pro­bio­ti­schen Gat­tun­gen Lac­to­ba­c­il­lus, Bifi­do­bac­te­ri­um, Lac­to­coc­cus, Leu­co­no­s­toc, Pedio­coc­cus und Entero­coc­cus natür­li­cher­wei­se eine star­ke Resis­tenz gegen­über anti­mi­kro­bi­el­len Wirk­stof­fen besit­zen. Die inhä­ren­te Resis­tenz bei pro­bio­ti­schen Orga­nis­men ist sehr varia­bel und art­ab­hän­gig, aber abge­se­hen von eini­gen weni­gen Aus­nah­men (ins­be­son­de­re bei den Ente­ro­kok­ken) zei­gen Pro­bio­ti­ka kei­ne mehr­fa­chen Arz­nei­mit­tel­re­sis­ten­zen. Eini­ge Tier­ver­su­che und In-vitro-Stu­di­en deu­ten auch dar­auf hin, dass pro­bio­ti­sche Orga­nis­men in ihrer natür­li­chen Umge­bung (wie dem Magen-Darm-Trakt) Resis­ten­zen ent­wi­ckeln kön­nen, wenn sie regel­mä­ßig mit Anti­bio­ti­ka in Kon­takt kom­men. Sol­che erwor­be­nen Resis­ten­zen bei Pro­bio­ti­ka schei­nen jedoch insta­bil zu sein und nicht erhal­ten zu blei­ben, wenn der Kon­takt mit den Anti­bio­ti­ka endet. Aller­dings bedeu­tet weder eine inhä­ren­te noch eine vor­über­ge­hen­de erwor­be­ne Resis­tenz bei Pro­bio­ti­ka, dass sie die­se Resis­ten­zen auch über Plas­mi­de oder ande­re mobi­le gene­ti­sche Ele­men­te auf patho­ge­ne Mikro­ben über­tra­gen könn­ten. Bis­her deu­ten nur sehr weni­ge Daten dar­auf hin, dass man­che Pro­bio­ti­ka-Stäm­me Resis­tenz­ge­ne auf patho­ge­ne Mikro­ben über­tra­gen kön­nen. Nur eine Stu­die beob­ach­te­te für einen bestimm­ten Stamm von L. reu­te­ri (DSM 20016), der in gno­to­bio­ti­sche (keim­frei auf­ge­zo­ge­ne) Mäu­se implan­tiert wor­den war, dass er ein mit Resis­ten­zen gegen anti­mi­kro­bi­el­le Sub­stan­zen asso­zi­ier­tes Plas­mid namens pAM beta 1 an das Patho­gen Entero­coc­cus fae­ca­lis über­tra­gen kann. Eine wei­te­re Stu­die zeig­te, dass Lac­to­coc­cus lac­tis eben­falls das Plas­mid pAM beta 1 im Magen-Darm-Trakt der Maus auf E. fae­ca­lis über­tra­gen kann. Im Gegen­satz dazu konn­te fest­ge­stellt wer­den, dass L. rham­no­sus nicht in der Lage ist, sei­ne inhä­ren­te Van­co­my­cin­re­sis­tenz auf Ente­ro­kok­ken­ar­ten zu über­tra­gen und auch kei­ne Resis­ten­zen von Ente­ro­kok­ken über­nimmt.

Sol­che prä­kli­ni­schen Daten sind zwar von wis­sen­schaft­li­chem Inter­es­se, müs­sen aber vor dem Hin­ter­grund betrach­tet wer­den, dass die seit mehr als einem Jahr­hun­dert gesam­mel­ten Beob­ach­tungs­da­ten, die epi­de­mio­lo­gi­schen Stu­di­en und die kli­ni­schen Bele­ge dafür spre­chen, dass Pro­bio­ti­ka die Viru­lenz und Infek­tio­si­tät von Patho­ge­nen eher min­dern als stei­gern. Pro­bio­ti­ka kon­kur­rie­ren mit Patho­ge­nen um Nähr­stof­fe und Lebens­raum, pro­du­zie­ren Bak­te­rio­zi­ne und ande­re für Patho­ge­ne toxi­sche Sub­stan­zen, bele­gen die für das Patho­gen­wachs­tum erfor­der­li­chen Nähr­stof­fe und stö­ren die Bil­dung schüt­zen­der patho­ge­ner Bio­fil­me. In zahl­rei­chen ran­do­mi­sier­ten, kon­trol­lier­ten, kli­ni­schen Stu­di­en in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten hat sich immer wie­der gezeigt, dass sie die Infek­ti­ons­ra­ten sowohl bei Gesun­den als auch bei Per­so­nen mit beein­träch­tig­ter Gesund­heit wirk­sam sen­ken. Ange­sichts die­ser über­wäl­ti­gen­den Beweis­la­ge gibt es kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass der Erwerb oder die mög­li­che Über­tra­gung von Resis­tenz­merk­ma­len von Pro­bio­ti­ka auf Patho­ge­ne etwai­ge Sicher­heits­be­den­ken recht­fer­tigt.

Sicher­heit nicht tra­di­tio­nel­ler Pro­bio­ti­ka

Bac­il­lus

Lac­to­ba­c­il­lus und Bifi­do­bac­te­ri­um sind die am häu­figs­ten ein­ge­setz­ten und gut unter­such­ten Gat­tun­gen von Pro­bio­ti­ka. Auch für etli­che ande­re Bak­te­ri­en konn­ten jedoch pro­bio­ti­sche Eigen­schaf­ten nach­ge­wie­sen wer­den, die in man­chen Fäl­len mög­li­cher­wei­se sogar güns­ti­ger sind als die tra­di­tio­nel­ler Pro­bio­ti­ka. Ange­hö­ri­ge der Gat­tung Bac­il­lus kom­men übli­cher­wei­se in Böden und Was­ser­säu­len der natür­li­chen Umwelt vor, kön­nen aber auch im Darm­trakt von Tie­ren und Men­schen über­le­ben und sich ver­meh­ren. Ein mög­li­cher Vor­teil der Bac­il­lus-Orga­nis­men besteht dar­in, dass sie Spo­ren bil­den kön­nen, die natür­li­cher­wei­se sehr robust und wider­stands­fä­hig gegen äuße­re Ein­wir­kun­gen sind. Unter ungüns­ti­gen Bedin­gun­gen wie lan­ger Lage­rung bei Raum­tem­pe­ra­tur und Pas­sa­ge der Magen­säu­rebar­rie­re über­le­ben sol­che Spo­ren in der Regel bes­ser als meta­bo­lisch akti­ve Zel­len. Prä­kli­ni­sche Stu­di­en zei­gen, dass Spo­ren der Bac­il­lus-Art B. sub­ti­lis sehr wider­stands­fä­hig gegen­über künst­li­chem und natür­li­chem Magen­saft sind. Ers­te Unter­su­chun­gen am Men­schen haben eben­falls gezeigt, dass die Ver­ab­rei­chung von Orga­nis­men der Art B. coagulans meh­re­re gesund­heits­för­dern­de Wir­kun­gen wie eine ver­stärk­te Immun­ant­wort auf Virus­in­fek­tio­nen sowie die Lin­de­rung der Beschwer­den bei rheu­ma­toi­der Arthri­tis und Reiz­darm­syn­drom (RDS) hat. Dem pro­bio­ti­schen Poten­zi­al von Bac­il­lus spp. ste­hen eini­ge Sicher­heits­be­den­ken ent­ge­gen, die hin­sicht­lich des­sen Ver­wen­dung in Lebens­mit­teln und Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln geäu­ßert wur­den. Die­se Beden­ken haben zwei­er­lei Ursprün­ge: einer­seits die frü­he­re fal­sche Kenn­zeich­nung von Pro­bio­ti­ka­pro­duk­ten mit Bac­il­lus-Orga­nis­men und ande­rer­seits die mög­li­che Toxi­zi­tät eini­ger Bac­il­lus-Arten.

… dass Pro­bio­ti­ka die Viru­lenz und Infek­tio­si­tät von Patho­ge­nen eher min­dern als stei­gern.

Pro­bio­ti­sche Pro­duk­te, die Bac­il­lus-Orga­nis­men ent­hal­ten, sind frü­her häu­fig falsch gekenn­zeich­net wor­den, was mög­li­cher­wei­se auf ein schlech­tes Ver­ständ­nis der taxo­no­mi­schen Nomen­kla­tur, auf das Feh­len geeig­ne­ter ana­ly­ti­scher Ver­fah­ren, auf unein­deu­ti­ge Kenn­zeich­nungs­vor­schrif­ten oder sogar auf absicht­li­che Täu­schun­gen zurück­zu­füh­ren war. So wird bei­spiels­wei­se in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten B. coagulans immer noch häu­fig als Lac­to­ba­c­il­lus spo­ro­ge­nes bezeich­net, was kei­ne gül­ti­ge Art­be­zeich­nung dar­stellt.

In Euro­pa und ande­ren Län­dern fan­den sich in Pro­duk­ten, die eine bestimm­te Bac­il­lus-Art ent­hal­ten soll­ten, ande­re Bac­il­lus-Arten. Man­che Pro­duk­te ent­hal­ten Orga­nis­men, die als nicht aner­kann­te Bac­il­lus-Arten gekenn­zeich­net sind, wie „B. poly­fer­men­ti­cus“.

Die Ver­wir­rung, die sich aus der lang­fris­ti­gen und immer noch ver­brei­te­ten Fehl­be­nen­nung von Bac­il­lus-Pro­bio­ti­ka ergibt, hat zu berech­tig­ten Zwei­feln hin­sicht­lich der Unbe­denk­lich­keit die­ser Pro­duk­te geführt, da es ja durch­aus mög­lich ist, dass ein Pro­dukt, das eine falsch bezeich­ne­te Bak­te­ri­en­art ent­hält, tat­säch­lich auch unbe­kann­te, mög­li­cher­wei­se schäd­li­che leben­de Orga­nis­men ent­hält. Glück­li­cher­wei­se erlau­ben die Fort­schrit­te in den Ver­fah­ren zur Gen­se­quen­zie­rung inzwi­schen die kor­rek­te Iden­ti­fi­zie­rung von Bac­il­lus-Orga­nis­men, sodass ver­trau­ens­wür­di­ge Her­stel­ler von Bac­il­lus-Pro­bio­ti­ka in der Lage sein soll­ten, ihren Kun­den ein Ana­ly­se­zer­ti­fi­kat vor­zu­le­gen, das die kor­rek­te Bezeich­nung der Art bestä­tigt.

Eine wei­te­re Quel­le für Beden­ken ist die nach­ge­wie­se­ne Patho­ge­ni­tät zwei­er Bac­il­lus-Arten, näm­lich B. anthr­acis und B. cere­us. B. anthr­acis ist der hoch patho­ge­ne Ver­ur­sa­cher des Milz­brands (auch als Anthrax bekannt), wäh­rend B. cere­us eine Rei­he oppor­tu­nis­ti­scher Infek­tio­nen ein­schließ­lich ver­schie­de­ner For­men der mit Diar­rhö und Erbre­chen ver­bun­de­nen Gas­tro­en­ter­i­tis ver­ur­sa­chen kann. Vor 2002 war B. cere­us in Euro­pa als Pro­bio­ti­kum für Tier­fut­ter weit ver­brei­tet, wur­de aber vom Markt genom­men, als sei­ne Toxi­ge­ni­tät sich ver­deut­lich­te. Beun­ru­hi­gen­der­wei­se ist B. cere­us auch heu­te noch in man­chen für den Men­schen gedach­ten Pro­bio­ti­ka zu fin­den und soll­te gemie­den wer­den. Abge­se­hen von die­sen bei­den Orga­nis­men wei­sen ande­re Bac­il­lus-Arten, dar­un­ter auch B. sub­ti­lis und B. coagulans, ein aus­ge­zeich­ne­tes Sicher­heits­pro­fil und posi­ti­ve Gesund­heits­ei­gen­schaf­ten auf. B. sub­ti­lis wird seit lan­gem in der Fer­men­ta­ti­on zur Pro­duk­ti­on von „Nat­to“ ein­ge­setzt, einem tra­di­tio­nel­len japa­ni­schen Soja­pro­dukt mit hohem Vit­amin-K2-Gehalt, sowie bei der Pro­duk­ti­on des fibrin­oly­ti­schen Enzyms Nat­to­ki­na­se. Stu­di­en an Kul­tu­ren mit meh­re­ren Arten zei­gen, dass B. sub­ti­lis das Wachs­tum von Lac­to­ba­c­il­lus-Arten wie L. aci­do­phi­lus und L. reu­te­ri för­dert. Außer­dem pro­du­ziert B. sub­ti­lis eine brei­te Palet­te anti­mi­kro­bi­el­ler Sub­stan­zen gegen Patho­ge­ne wie Heli­co­bac­ter pylo­ri. In meh­re­ren rus­si­schen Stu­di­en hat sich gezeigt, dass die Gabe von B. sub­ti­lis die Aus­hei­lung resis­ten­ter Harn­wegs­in­fek­tio­nen bei sta­tio­när behan­del­ten Pati­en­ten beschleu­nigt. B. sub­ti­lis pro­du­ziert kei­ne Entero­to­xi­ne und zeigt auch kei­ne der Viru­lenz­fak­to­ren, die bei den schäd­li­chen Bac­il­lus-Arten zu fin­den sind. Toxi­zi­täts­stu­di­en mit Tie­ren haben weder bei aku­ter noch bei chro­ni­scher Ver­ab­rei­chung Anzei­chen einer Patho­ge­ni­tät erge­ben. B. coagulans ist umfas­send auf sei­ne pro­bio­ti­schen und gesund­heits­för­dern­den Wir­kun­gen beim Men­schen unter­sucht wor­den. Die­ser Orga­nis­mus pro­du­ziert bak­te­rio­zin­ähn­li­che Sub­stan­zen wie Koagu­lin und Lak­to­spo­rin, die patho­ge­ne Wir­kun­gen hem­men kön­nen. Wie bereits ange­merkt, wur­de in kli­ni­schen Stu­di­en gezeigt, dass B. coagulans eine immun­för­dern­de Wir­kung hat und die mit Arthri­tis und RDS ein­her­ge­hen­den Beschwer­den lin­dern kann. In Sicher­heits­stu­di­en mit Tie­ren zeig­te B. coagulans kei­ne Toxi­zi­tät und ist aktu­ell die ein­zi­ge Bac­il­lus-Art, die in den USA mit dem Sta­tus GRAS (gene­ral­ly reco­gni­zed as safe, all­ge­mein als unbe­denk­lich aner­kannt) ein­ge­stuft ist. Es ist sorg­fäl­tig dar­auf zu ach­ten, dass die jewei­li­gen Arten kor­rekt iden­ti­fi­ziert und nur nach­ge­wie­se­ne Bac­il­lus-Pro­bio­ti­ka ver­wen­det wer­den.

E. coli Nissle 1917

Esche­ri­chia coli Nissle 1917 ist ein ein­zig­ar­ti­ger nütz­li­cher Esche­ri­chia-Stamm, dem die Viru­lenz und Patho­ge­ni­tät feh­len, für die ande­re E.-coli-Serotypen bekannt sind. Berich­ten zufol­ge wur­de E. coli Nissle 1917 aus Pro­ben von einem Sol­da­ten aus dem Ers­ten Welt­krieg iso­liert, der gegen einen Aus­bruch anste­cken­der Diar­rhö immun war. Spä­ter wur­de der Orga­nis­mus in Euro­pa als Pro­phy­lak­ti­kum gegen gastro­in­tes­ti­na­le Infek­tio­nen ver­mark­tet und in jün­ge­rer Zeit wird er immer häu­fi­ger als Pro­bio­ti­kum ein­ge­setzt. In vitro schwächt E. coli Nissle 1917 die inva­si­ven Fähig­kei­ten schäd­li­cher Mikro­or­ga­nis­men und unter­drückt die Bio­film­bil­dung durch entero­to­xi­ge­ne und enter­o­pa­tho­ge­ne For­men von E. coli.In Stu­di­en sowohl mit Tie­ren als auch mit Men­schen zeigt E. coli Nissle 1917 eine ent­zün­dungs­hem­men­de Wir­kung, stärkt die zel­lu­lä­re und humo­ra­le Immun­ant­wort und ver­bes­sert die Inte­gri­tät der Darm­bar­rie­re. Es hat sich bei einer Rei­he gastro­in­tes­ti­na­ler Erkran­kun­gen kli­nisch bewährt, bei­spiels­wei­se bei unspe­zi­fi­scher Diar­rhö, ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen und dem RDS. Zwar man­gelt es an Toxi­zi­täts­stu­di­en, doch die lan­ge Geschich­te sei­nes Gebrauchs und das Feh­len von Mel­dun­gen uner­wünsch­ter Ereig­nis­se in kli­ni­schen Stu­di­en bele­gen die Unbe­denk­lich­keit von E. coli Nissle 1917.

Entero­coc­cus

Entero­coc­ci besie­deln natür­li­cher­wei­se den mensch­li­chen Darm und stel­len in der Regel einen gerin­gen pro­zen­tua­len Anteil von des­sen Mikro­flo­ra. Vie­le Jah­re lang galt Entero­coc­cus fae­ci­um als nütz­li­cher Orga­nis­mus mit pro­bio­ti­schen Eigen­schaf­ten. Tier­stu­di­en zei­gen, dass E. fae­ci­um gegen bekann­te Patho­ge­ne wie Sal­mo­nel­la ent­er­iti­dis und beta-hämo­ly­ti­sche E. coli wirkt. Beim Men­schen wur­de gezeigt, dass die Gabe von E. fae­ci­um eine Rei­he kli­ni­scher Vor­tei­le her­vor­ruft, wie bei­spiels­wei­se die Stär­kung des Immun­sys­tems, eine Cho­le­ste­rin­sen­kung und die Vor­beu­gung gegen­über anti­bio­ti­ka­be­ding­ter Diar­rhö. Seit Mit­te der 1990er Jah­re ent­pupp­te sich E. fae­ci­um jedoch auch als wich­ti­ger Erre­ger nos­o­ko­mia­ler Infek­tio­nen. Die­ser Trend hielt an, und inzwi­schen gilt E. fae­ci­um sei­nem Geschwis­ter­pa­tho­gen E. fae­ca­lis als eben­bür­tig, was die Aus­lö­sung kran­ken­haus­er­wor­be­ner Infek­tio­nen angeht. Noch beun­ru­hi­gen­der ist jedoch, dass die meis­ten Stäm­me von E. fae­ci­um, die in sol­chen Fäl­len iso­liert wer­den, resis­tent gegen Ampi­cil­lin sowie Van­co­my­cin sind und vie­le von ihnen mehr­fa­che Arz­nei­mit­tel­re­sis­ten­zen auf­wei­sen. In der Wis­sen­schaft geht man davon aus, dass ein kom­ple­xes Geflecht von Fak­to­ren für die Umwand­lung des E. fae­ci­um von einem harm­lo­sen Begleit­mi­kro­or­ga­nis­mus in ein hart­nä­cki­ges Patho­gen ver­ant­wort­lich ist. Kurz gesagt ver­fü­gen Ente­ro­kok­ken über eine Viel­zahl viru­len­ter Merk­ma­le, die ihnen eine Über­be­völ­ke­rung des Magen-Darm-Trakts erlau­ben, wenn nor­ma­le Mikro­bio­ta durch Anti­bio­ti­ka gestört sind. Sie kön­nen dann die epi­the­lia­le Darm­bar­rie­re über­win­den, Immun­re­ak­tio­nen des Wirts aus­hal­ten und schließ­lich das Wirts­ge­we­be infi­zie­ren. Die­se Viru­lenz­merk­ma­le schei­nen nur bei Ente­ro­kok­ken vor­zu­kom­men. Außer­dem hat der über­mä­ßi­ge Ein­satz von Breit­band­an­ti­bio­ti­ka zur Selek­ti­on hoch resis­ten­ter Stäm­me von E. fae­ci­um geführt. Ange­sichts die­ser Ent­wick­lung und der glo­ba­len Ver­brei­tung patho­ge­ner For­men von E. fae­ci­um kann der Ein­satz die­ses Orga­nis­mus für pro­bio­ti­sche Zwe­cke nicht län­ger emp­foh­len wer­den.

Aktu­ell lie­gen kei­ne obe­ren Sicher­heits­grenz­wer­te für die Ein­nah­me von Pro­bio­ti­ka vor, was wahr­schein­lich auf ihren jahr­zehn­te­lan­gen Ein­satz und die weni­gen in Tier- und Men­schen­stu­di­en gemel­de­ten uner­wünsch­ten Ereig­nis­sen zurück­zu­füh­ren ist. Der gesun­de Men­schen­ver­stand spricht eben­falls dafür, dass ange­sichts der unglaub­li­chen mikro­bi­el­len Besied­lungs­dich­te im Darm selbst sehr hohe pro­bio­ti­sche Dosie­run­gen kaum ungüns­ti­ge Wir­kun­gen haben kön­nen. Außer­dem wird die Unbe­denk­lich­keit hoch dosier­ter Pro­bio­ti­ka auch durch wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en belegt. In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zeig­te die Dosie­rung von Pro­bio­ti­ka in kli­ni­schen Stu­di­en einen deut­li­chen Auf­wärts­trend. Aktu­ell ist es nicht unge­wöhn­lich, wenn in kli­ni­schen Inter­ven­ti­ons­prü­fun­gen Pro­bio­ti­ka in Hun­der­ten von Mil­li­ar­den kbE/Tag ver­ab­reicht wer­den. Eine von Klai­re Labs® durch­ge­führ­te Stu­die zeig­te, dass bei Nie­ren­trans­plan­tier­ten auch die Gabe von 200 Mil­li­ar­den kbE Lac­to­ba­c­il­lus und Bifido-
bac­te­ri­um täg­lich nicht zu uner­wünsch­ten Wir­kun­gen führ­te.

Die­se the­ra­peu­ti­sche Inter­ven­ti­on redu­zier­te sogar die Häu­fig­keit von immun­sup­pres­si­ons­be­ding­ter Diar­rhö um mehr als 70 Pro­zent.

… die Unbe­denk­lich­keit hoch dosier­ter Pro­bio­ti­ka wird auch durch wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en belegt.

Auch ande­re kli­ni­sche Prü­fun­gen, ins­be­son­de­re sol­che, in denen ein meh­re­re Arten ent­hal­ten­des Pro­bio­ti­kum namens VSL#3 ein­ge­setzt wur­de, berich­te­ten über hohe Dosie­run­gen. In einer neue­ren Stu­die war die täg­li­che Anwen­dung über 8 Wochen von 2,6 Bil­lio­nen Orga­nis­men pro Per­son bei ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen genau­so sicher wie die eines Pla­ce­bos und führ­te zu einem signi­fi­kan­ten Rück­gang der Krank­heits­ak­ti­vi­tät. Ange­sichts die­ser Daten scheint es ein­fach kei­ne geeig­ne­ten Kri­te­ri­en zu geben, anhand derer sich ein obe­rer Grenz­wert für den siche­ren Gebrauch von Pro­bio­ti­ka fest­le­gen lie­ße.

Pro­bio­ti­ka sind Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel mit zahl­rei­chen gesund­heits­för­dern­den Wir­kun­gen und sehr weni­gen gemel­de­ten Neben­wir­kun­gen. In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten wur­den sie in Wis­sen­schaft und Kli­nik pro­blem­los zur Behand­lung einer gan­zen Rei­he gastro­in­tes­ti­na­ler und sys­te­mi­scher Erkran­kun­gen ein­ge­setzt. Neben dem epi­de­mio­lo­gi­schen Nach­weis ihrer Sicher­heit haben auch ver­öf­fent­lich­te Stu­di­en kei­ne Neben­wir­kun­gen von Pro­bio­ti­ka gezeigt, selbst wenn die­se an emp­find­li­che Pati­en­ten­grup­pen wie Früh­ge­bo­re­ne ver­ab­reicht wur­den. Drei umfas­sen­de Über­sichts­ar­bei­ten, in denen Daten aus hun­der­ten kli­ni­scher Prü­fun­gen aus­ge­wer­tet wur­den, fan­den kei­ne oder nur weni­ge Hin­wei­se auf ver­mehr­te uner­wünsch­te Wir­kun­gen in den jewei­li­gen Pro­bio­ti­ka-Inter­ven­ti­ons­grup­pen gegen­über den Kon­troll­grup­pen. Fall­be­rich­te uner­wünsch­ter Ereig­nis­se lie­gen prak­tisch nur für Schwerst­kran­ke mit Ver­weil­ka­the­tern vor, wenn das pilz­li­che Pro­bio­ti­kum Sac­charo­my­ces bou­lar­dii ver­ab­reicht wur­de.

Der Ein­satz die­ses Pro­bio­ti­kums bei kathe­te­ri­sier­ten Per­so­nen soll­te ver­mie­den wer­den oder nur mit ent­spre­chen­der Vor­sicht erfol­gen. Kli­ni­sche Stu­di­en haben außer­dem gezeigt, dass Pro­bio­ti­ka in Schwan­ger­schaft und Still­zeit unbe­denk­lich sind und sogar das Risi­ko von Früh­ge­bur­ten sen­ken kön­nen. Die ergän­zen­de Gabe von Pro­bio­ti­ka an Müt­ter und Neu­ge­bo­re­ne scheint die Häu­fig­keit typi­scher Erkran­kun­gen des Kin­des­al­ters wie Atem­wegs­in­fek­te und Neu­ro­der­mi­tis zu ver­rin­gern. Die Beweis­la­ge für einen Zusam­men­hang zwi­schen Pro­bio­ti­ka­ga­be im Säug­lings- und Klein­kind­al­ter und einem gerin­ge­ren Risi­ko für eine nekro­ti­sie­ren­de Ente­ro­ko­li­tis ist gut. Zwar ver­fü­gen man­che Pro­bio­ti­ka natür­li­cher­wei­se über Resis­ten­zen gegen anti­mi­kro­bi­el­le Sub­stan­zen oder kön­nen die­se vor­über­ge­hend erwer­ben, aber es gibt kaum Hin­wei­se dar­auf, dass sie die­se Resis­tenz­merk­ma­le an Patho­ge­ne über­tra­gen kön­nen. Beob­ach­tungs- und For­schungs­da­ten deu­ten dar­auf hin, dass nicht tra­di­tio­nel­le Pro­bio­ti­ka wie Bac­il­lus spp. und E. coli Nissle 1917 unbe­denk­lich sind und bei einer Rei­he von Erkran­kun­gen hilf­reich sein kön­nen. Aktu­ell gibt es kei­ne Ober­gren­ze für den siche­ren Ein­satz von Pro­bio­ti­ka, aber Stu­di­en zei­gen, dass Dosie­run­gen von meh­re­ren Hun­dert Mil­li­ar­den bis zu meh­re­ren Bil­lio­nen Orga­nis­men pro Tag gut ver­tra­gen wer­den.

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NWzG Gesund­heits­brief  |  Nr. 49

  Bak­te­ri­en     Darm     Immun­sys­tem     Mikro­bi­om     Pro­bio­ti­ka  

Pro­bio­ti­ka: Defi­ni­ti­on und Arten // Pro­bio­ti­ka: Gesund­heit­li­che Wir­kung // Pro­bio­ti­ka For­schung // Fall­be­rich­te Pro­bio­ti­ka // Schwan­ger­schaft, Still­zeit und frü­he Kind­heit …

 

Kategorien: Allgemein, Darm, Immunsystem und Verdauung.