Der mensch­li­che Kör­per:
Ein Para­dies für Para­si­ten

Parasiten im menschlichen Körper

Der Mensch hat Parasiten, seit er existiert – und länger.

Autor: Dr. med. Adrian M. Stoenescu

Schon unsere Vorfahren und Vorvorfahren hatten Parasiten = Würmer = Schmarotzer = Profiteure. Parasiten sind immer bei uns, sorry ... in uns. Sie lassen sich ungebeten und ungeniert häuslich in uns nieder, ohne dass wir es bemerken. Ein guter Grund, Bekanntschaft mit ihnen zu machen. Oder ekeln Sie sich vor Parasiten? Dazu besteht kein Grund. Parasiten sind ein Teil der Natur. Und vor der ekeln Sie sich doch auch nicht, oder?

Natürliche Symbiose Mensch & Parasiten?

Das Verhältnis des Menschen zu seinen Parasiten ist immer noch eher frostig. Man kennt Viren und Bakterien. Längst ist bekannt, dass jeder von uns zum Beispiel Herpes-Viren in sich trägt und unser Darm „gute und schlechte“ Bakterien hat. Aber wer redet über unsere anderen Mitbewohner, die Parasiten? Warum spricht niemand darüber? Die Antwort auf diese Frage liefere ich Ihnen etwas später. Bis hierher so viel: Im „Hotel Mensch“ können unzählige und verschiedene Gäste gleichzeitig wohnen. Aus Sicht der Parasiten ist der menschliche Körper ein nahezu idealer Gastgeber. In diesem Artikel lernen Sie Ihre Gäste besser kennen.

Vielleicht fragen Sie sich, warum ein Anästhesist, Schmerzmediziner und Naturheilkundler einen Artikel zum Thema „Parasiten“ schreibt? Früher hatte auch ich ein eher distanziertes Verhältnis zu Parasiten, oder besser: Ich wusste – trotz Medizinstudium – nicht wirklich viel über Parasiten. Das hat sich grundlegend geändert. Inzwischen habe ich den Abscheu vor Parasiten verloren. Ich habe sogar eine richtige Leidenschaft für diese intelligenten Kreaturen entwickelt. Wie das kam? Parasiten haben meine Mutter getötet und meine Frau schwer krank gemacht. Ich will Ihnen meine Geschichte erzählen.

Ein Leidensweg und ein hilfloser Arzt

Meine Mutter kenne ich seit über 40 Jahren. Bereits in meiner Studienzeit in Bukarest störte mich ihr trockener Husten beim Lernen. Der Husten war nicht ständig, kehrte aber regelmäßig zurück, ob Sommer oder Winter. Meine Mutter, eine eher introvertierte Frau, war nie eine Arztgängerin. Sie akzeptierte den Husten, „weil es so ist.“ Und ich als junger Student auch. Manchmal dachte ich, der Husten ist sicher ein Zeichen von Nervosität. Irgendwann berichtete meine Mutter über Unverträglichkeiten, meist nach fetten Speisen. „Es ist bestimmt die Galle“, sagte sie, nahm Buscopan oder ein Gallenmittel, was dann auch wirklich half. Ihre zunehmende Müdigkeit (sie schlief bereits ab 20.00 Uhr vor dem Fersenseher ein) beunruhigte sie nicht sonderlich, da sie stets sehr früh aufwachte. Mit dem Medizinstudium, dem Studentenleben und mir beschäftigt, habe ich all das gar nicht so richtig wahrgenommen.

Unangenehmer Mundgeruch

Ich ging zur Facharztausbildung nach Deutschland, telefonierte aber einmal pro Woche mit meiner Mutter. Sie vermied es, mir von ihren Beschwerden zu erzählen. Alles war gut und dem Alter entsprechend. Das war von 1983 bis 2000. Bei einem ihrer Besuche beobachtete ich ein weiteres Symptom – zu dem weiterhin anhaltenden Husten und der Abendmüdigkeit: Mundgeruch. Extrem unangenehm für andere, aber nicht für sie selbst. Man kann sich ja bekanntermaßen selbst nicht riechen. Pfefferminzbonbons und Besuche beim Zahnarzt halfen vorübergehend. Ein Gesundheitscheck bei einem Internisten zeigte Zysten in der Leber und Lunge. „Wahrscheinlich alt und abgekapselt, bestimmt nicht krebsartig“, sagte meine Mutter. „Die Mutter hat den Krieg durchgemacht, vielleicht auch eine alte Tuberkulose“, sagte der Kollege selbstsicher, da auch alle Routine-Laborwerte im Normbereich waren. Ahnungslos schickte ich sie wieder nach Rumänien. Wir telefonierten weiter einmal pro Woche.

Massive Rückenschmerzen

Im Sommer 2007 rief die Nachbarin meiner Mutter heimlich an (meine Mutter hatte es ihr strikt verboten!) und teilte mit, es ginge meiner Mutter sehr schlecht, sie wäre blass und hätte massive Rückenschmerzen, wollte mich aber damit nicht belästigen. Der Hausarzt verschrieb ihr Diclofenac gegen Rheuma (!) und eine Voltarensalbe gegen Schmerzen. Das war selbst der lieben Nachbarin zu viel. Sie rief an, damit ich eine Lösung für meine Mutter fände, da ich schließlich Arzt sei, auch wenn uns 2.500 km trennten. Ein Flug nach Deutschland wurde gebucht, ein MRT der Lendenwirbelsäule (wegen der extremen Rückenschmerzen) wurde sofort veranlasst – und tatsächlich: ein Bandscheibenvorfall! Aber die Schmerzangaben meiner Mutter passten überhaupt nicht zu dem Befund. Das war mir durch meine inzwischen 15-jährige Arbeit in der Schmerztherapie klar. Auch die von mir sofort begonnene Hightech-Schmerzbehandlung (einschließlich Morphinkatheter am Rückenmark) schlug fehl bzw. zeigte keinerlei Wirkung.

Stellen Sie sich die Situation vor: Der Schmerzmediziner kann die Schmerzen der eigenen Mutter nicht in den Griff bekommen. Es war schrecklich! Ganz entsetzlich! Letztendlich – nach 2 Wochen Qual auf beiden Seiten – dämmerte mir, dass etwas weitaus Gravierenderes als ein Bandscheibenvorfall dahinter stecken musste. Es war der Darm! Ein sehr bösartiger Krebs des Caecums (Übergang Dünndarm-Dickdarm), der operiert und dann chemotherapiert werden musste. Die Bemühungen der Universität Düsseldorf waren erfolgreich. Meine Mutter erholte sich zusehends. Ich unterstützte sie naturheilkundlich mit vielen Nahrungsergänzungen und stand ihr zur Seite, so dass sie schließlich stabil und glücklich wieder in die Heimat reisen konnte.

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Krebsbehandlung erfolgreich und trotzdem schwer krank

Wie viele andere Menschen auch glaubte sich meine Mutter wieder vollständig gesund und tat, was sie immer getan hatte, sie pflegte ihre bedürftige Schwester, half ehrenamtlich in der Kirche, in der Nachbarschaft und im Altenheim. Und sie ernährte sich gesund, „nur frisch vom Markt.“ Ich selbst war glücklich und erleichtert und vergaß langsam die Wochen, während der wir um ihre Gesundheit hatten bangen müssen. Nach eineinhalb Jahren fing die gesamte Geschichte von vorne an. Da muss also, so meine Vermutung, noch eine andere Ursache vorgelegen haben, die die nachhaltige Heilung erschwerte.

Nur dass dieses Mal weder die Operationen noch die anschließende Bestrahlung irgendetwas bewerkstelligen konnten. Meine Mutter starb am 10. Januar 2010, ohne dass ich die wirkliche Ursache je gefunden habe.

Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln:

erstens durch Nachdenken, das ist der Edelste,

zweitens durch Nachahmen: das ist der Leichteste,

drittens durch Erfahrung, das ist das Bitterste.Konfuzius

Ich bin den dritten Weg gegangen. Er war anstrengend, er war hart, er war bitter. Und ich habe meine Lektion gelernt. Aber der Weg war noch nicht ganz zu Ende.

Urlaub im Paradies?

Nach den vielen Strapazen mit meiner Mutter, der Praxis, der Renovierung unseres Hauses hatte meine Frau die Idee, einen ganz besonderen Urlaub zu machen: in der Karibik. Sie buchte alles selbst und überraschte mich an einem schönen Frühlingstag mit den beiden Tickets in der Hand. Bahamas. Nassau. Wow! Ein Paradies! Wir konnten es vor Ungeduld kaum erwarten. Erst im Flugzeug erfuhr ich, dass wir First Class fliegen. Der Traum war perfekt! Am Flughafen in Nassau holte uns ein (alter!) Rolls Royce ab. Der Urlaub am Meer konnte beginnen.

Rückreise mit Begleitung

In den zwei Wochen haben wir es uns gut gehen lassen: Lange Spaziergänge (natürlich barfuß!) am Strand, lokale Spezialitäten … Eine paradiesische Welt, meinen Sie? Nicht wirklich. Meine Frau bekam aus dem Nichts plötzlich Fieber und einen Juckreiz an beiden Beinen. Sie kratzte, kratzte und kratzte sich blutig. Antibiotika und Allergiecreme halfen nicht. So stiegen wir wieder in den (alten) Rolls Royce Richtung Flughafen. Bereits im Flugzeug bekam sie einen trockenen Husten –die Luft in den langen Intercontinental-Flügen ist nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit, selbst wenn man in der First Class sitzt und verwöhnt wird. Der Husten verschlimmerte sich in den folgenden Tagen bzw. Nächten extrem. Hinzu kamen Schmerzzustände muskulärer Natur am ganzen Körper. Alles, was ihr die Apotheke, der liebe HNO-Arzt um die Ecke und ich selbst gegeben hatten, war „für die Katz“. Nichts half und auch ich konnte nachts nicht mehr schlafen.

Bekannte Symptome - Ursache im Dunkeln

Drei Symptome: tagsüber Juckreiz, nachts Husten und die ganze Zeit Muskelschmerzen. Eine tolle Kombination! Keiner fand die Ursache, weder der Hautarzt, der beste Professor unserer Stadt, der ihr gegen „Sandflöhe“ eine cortisonhaltige Salbe gegeben hatte, noch das Tropeninstitut oder die Hautklinik der Universität Düsseldorf. Keiner konnte eine Diagnose stellen und sie verabschiedeten meine Frau mit den Worten: „Wir wissen nicht was Sie haben, vielleicht ist es die Krätze …“ O. k.

Mein Verdacht: „Parasiten“

Krätze, Sandflöhe ... das sind doch Parasiten, dachte ich mir und erinnerte mich, dass ich vor Jahren einen Vortrag darüber gehört hatte. Den Referenten kannte ich sogar, wir waren gemeinsam im Arbeitskreis NRW „Elektroakupunktur nach Dr. Voll –EAV“.

Ich rief ihn an, erklärte ihm die Symptome. Mittlerweile standen „nur noch“ der Husten und die Muskelschmerzen im Vordergrund. Er sagte mir nach einer Minute: „Adrian, das passt alles zu einem Larvenhusten. Ja, ein Ascaridenhusten, verursacht durch Parasitenlarven, die drei Wochen durch den gesamten Körper einschließlich der Lunge wandern. Schicke deine Frau morgen Mittag zu mir. Ich teste sie (mit der EAV-Methode nach Dr. Voll. Anm. d. A.).“ Und tatsächlich, er diagnostizierte mit Hilfe der Elektroakupunktur den Fadenwurmbefall (Ascaridiose und Trichinose) und legte dann die erforderliche Therapie mit dem Wurmmittel Vermox – nach einem Spezialschema – fest. Bereits in der zweiten Nacht konnte meine Frau (und auch ich) nach Monaten zum ersten Mal wieder ruhig schlafen. Der Spuk war vorbei.

Das Ende der Odyssee

Dieses Ereignis hat mich sehr beeindruckt, vor allem die Leichtigkeit der Diagnostik (Symptome und Testverfahren). Da, wo über Wochen zahlreiche Spezialisten und teure Blutuntersuchungen versagt hatten, gab es offenbar eine einfache und sichere Methode, die Ursache zu erkennen. Der ganze Horror bis zur entscheidenden Diagnose hat sechs Monate gedauert.

Ursachenmedizin

Nach dieser langen Odyssee habe ich begonnen, zahlreiche Ausbildungen rund um Parasiten und deren Behandlung zu machen. Ich wollte die Krankheit namens „Parasitose“ oder – wie der Volksmund sagt – „Wurmbefall“, endlich verstehen.

„Herr Doktor, wie kommen Sie auf Würmer?“

„Wir leben doch nicht in Afrika, sondern in Deutschland! Wie kommen Sie auf Würmer?“, werde ich von meinen Patienten oft gefragt. Nun ja, ich kann nicht täglich die ganze Geschichte erzählen, höchstens kurze Ausschnitte. Aber so komme ich auf Würmer. Und, um auf den weisen Konfuzius zurückzukommen, ich möchte meinen Patienten gern den bitteren Weg der Erfahrung ersparen.

Wie aus einem Anästhesisten und Schmerzmediziner ein Parasitenspezialist wird

Wie ging ich vor? Wie ist die Situation in dem hoch entwickelten deutschen Land? Gibt es Bücher dazu? Dem Internet sei Dank habe ich schnell Literatur gefunden und mir einen Überblick verschafft. All diese Bücher erwähne ich am Ende des Artikels im Literaturverzeichnis. Ausschlaggebend aber war meine hochverehrte Kollegin und EAV-Pionierin Frau Dr. Ingrid Fonk aus Tutzing. Eine wahre Revoluzzerin auf diesem Gebiet. Persönliche Gespräche und ihr Buch „Darmparasitose in der Humanmedizin“ haben mich schnell auf die richtige Bahn geführt.

87 Diagnoseschlüssel zur Parasitologie

Das Arztprogramm im Computer meiner Praxis habe ich ebenfalls „befragt“ und ich erfuhr, dass es sage und schreibe kassenmäßig 87 Verschlüsselungsdiagnosen zum Thema Parasiten und Parasitenschmerz gibt. Ein Hammer!

Habe ich die ganze Zeit geschlafen?

  • Nervenschmerzen (Polyneuropathie),
  • Gelenkschmerzen (Arthritis),
  • Muskelschmerzen (Myopathien),
  • Muskelentzündungen(Myositis),
  • Wirbelsäulenschmerzen (Spondylopathie).
  • Spielen Parasiten bei der Fibromyalgie (Ganzkörperschmerzen) auch eine Rolle?

All diese Diagnosen sind tagtägliche „Arbeit“ in meiner Schmerzpraxis! Bis dahin hatte ich gedacht, dass Parasiten eher in Albträumen vorkommen – und nicht in der Arztpraxis.

Schautafel menschlicher Parasiten

Parasiten des menschlichen Körpers

Die Parasitologie. Ein Stiefkind der (Human)Medizin

Warum wusste ich und wissen bis heute viele meiner Kollegen nichts davon? Die Antwort ist verblüffend einfach. Das Fach „Parasitologie“ im 3. Semester des Medizinstudiums hatte keine wirkliche Bedeutung, war eher als eine Art „medizinische Zoologie“ angesehen, war eher lästig und befremdlich.

Seit dem Studium hat keiner mehr an Parasiten oder Parasitenbefall gedacht. Ausnahme sind Hunde- und Katzenbesitzer. Denn in der Tiermedizin spielt das Wissen über Parasiten eine sehr große Rolle. Ich selbst habe immer Spaß, wenn ich meine Patienten befrage, ob sie den eigenen Hund entwurmt haben? Die Antwort ist immer positiv: „Ja, natürlich!“ Meine nächste Frage ist, ob sie sich selbst schon einmal entwurmt haben? Man lebe doch mit dem Tier unter einem Dach. Die Antwort ist immer negativ. Letztlich stimmen die Patienten mir dann doch fast ausnahmslos zu: „Ja, Sie haben Recht. So habe ich das bisher noch nie gesehen.“

Ausgebildete Parasitologen sind selten

Selbst in Parasitologie ausgebildete Laborärzte sind selten. In Deutschland hat Labordiagnostik grundsätzlich einen sehr hohen Stellenwert: Findet man nichts im Labor, gibt es keinen Therapieansatz! Außerdem gibt es bei Parasiten (noch?) keine aussagefähigen Diagnostikverfahren, wie bei anderen Krankheiten, weil diese Kreaturen unglaublich raffiniert sind. Sie entziehen sich einfach dem üblichen Labornachweis. Gegen Bakterien und Viren kann unser Immunsystem Antikörper (Abwehrkräfte) bilden. Gegen Parasiten nicht. Das heißt, wir können uns jederzeit und neu infizieren, wenn wir nicht genug aufpassen.

Grundsätze des Parasitismus

Die menschliche Gesundheit wird von zahlreichen (Mikro-)Organismen wie Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten bedroht. Ein Parasit ist ein Organismus, der für die Erfüllung seines natürlichen Entwicklungszyklus‘ ein anderes Lebewesen braucht. Medizinisch heißt das Symbiose.

Der Wirt zahlt die Zeche!

Machen wir uns nichts vor, Parasiten sehen uns lediglich als zweibeinigen Wirt, ein Nahrungs- und Transportmittel, das sie zum Überleben brauchen. Apropos Überleben, diese Kreaturen können tatsächlich problemlos unser gesamtes Immunsystem ausschalten oder so narren, dass das Immunsystem den „Gast“ für harmlos hält. Somit schaffen Parasiten eine Patt-Situation mit dem Körper, getreu dem Motto: „Du lässt mich leben und ich lasse dich auch leben.“ Eine klassische Symbiose. Leider kann sich dieses „harmonische“ Verhältnis Parasit – Wirt jederzeit durch Infektionen, Unfälle, Stress usw. verändern – und plötzlich werden die Parasiten unruhig, sprich: aggressiv. Das kann sich durch plötzliche, anfallsartige Symptome jedweder Art zeigen. Mehr darüber später.

Das Geheimnis der Parasiten ist die Navigation. Das beste GPS ist nichts im Vergleich mit dem Ortungssystem eines Parasiten. Der menschliche Körper ist kein stiller Ozean, in dem man ruhig navigieren kann, sondern eine raue Welt, ein geschlossener Raum, in dem Flüssigkeiten wirbeln und schwappen und an jeder Ecke Gefahren drohen. Parasiten schaffen es trotzdem, jahre- und jahrzehntelang in uns zu überleben.

Die genetische Sprache der Säugetiere

Parasiten „sprechen“ die genetische Sprache der Säugetieren und Pflanzen, sie beherrschen das Vokabular der Hormone und Neurotransmitter. Sie „arbeiten“ mit Hilfe eines biochemischen Drogensortiments und schaffen es locker, sich in aller Öffentlichkeit zu verstecken, zum Beispiel direkt in den Immun-Fresszellen des Körpers. Und wer würde sie ausgerechnet da suchen? Parasiten machen den Wirt leichter angreifbar. Oder sie locken ihn auf die falsche Fährte, wie die parasitär befallenen Ratten, die direkt ins Maul der Katze „geschickt werden“, damit sie gefressen werden … und die Parasiten damit den Endwirt (die Katze nämlich) erreicht haben.

Parasiten finden immer die Schwachstellen in der Verteidigung ihres Wirts und nutzen sie zum eigenen Vorteil. Der Parasit ist der Puppenspieler. Der Wirt seine Marionette.

Parasiten treiben die Evolution durch geschlechtliche Fortpflanzung voran. Die Männchen sind immer selbst parasitär befallen. Ihnen bleibt bei allem Widerstand gegen den eigenen Befall aber genug Energie, um gesunde Gene an die Weibchen abzugeben. Ob Parasiten zum Schluss ihre Wirte verschonen oder töten, hängt davon ab, ob sie ihr evolutionäres Ziel erreichen konnten: die Fortpflanzung.

Aber ich will nicht nur schlecht über Parasiten reden. Parasiten sind nämlich auch ein Zeichen für ein intaktes Ökosystem. Sie sind ökologische Wächter und haben auch eine Schutzfunktion im Körper. Ich denke beispielsweise an das Einspeichern von Schwermetalle, Schutz vor Allergien u.v.m..

Globalisiert und multikulturell

Es mag Sie überraschen, aber im Vergleich zu unseren Vätern hat es noch keine Generation gegeben, die sich den Gefahren einer Parasitose derart ausgesetzt hat, wie die heutige. Ich spreche nicht von iPhone oder Facebook. Denken Sie einfach an den extremen Tourismus in warme Länder. Türkei, Nord-Afrika, die Kanarischen Inseln sind nur einige Flugstunden von Deutschland entfernt. Und wir sind eine multikulturelle Gesellschaft geworden mit einer Vielzahl hier lebender Ausländer aus – medizinisch gesprochen – „durchseuchten“ Gebieten: Der Balkan, das ehemalige Jugoslawien, die Türkei, Russland. Und einem Parasiten ist es ziemlich egal, ob er in einem asiatischen oder einem europäischen Körper Nahrung findet.

Die Haltung von Haustieren hat mittlerweile historische Ausmaße erreicht: Kaum ein Haushalt mit Kind ohne ein Haustier! Ein Patient von mir, der kleine 12-jährige Luca, wünschte sich zu Weihnachten mongolische Wüstenrennmäuse, die von seinem Vater direkt aus Asien importiert wurden. Luca bekam gleich drei davon.

Auch unsere Essgewohnheiten haben sich verändert. Uns schmecken Sushi, Carpaccio, Tartar, Steaks medium gebraten – oder sogar blutig. Viele dieser Nahrungsmittel werden per Frachtschiff nach Deutschland importiert. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr gesundheitsbewusste Menschen, die alles ungespritzt und unbehandelt frisch vom Markt kaufen und essen. Diese Menschen kaufen zwar keine Insektizide oder Herbizide mehr, aber Parasiten sind sozusagen im Preis inbegriffen.

Alles hat seinen Preis

Der Tribut des modernen Lebens, Umwelt, Ernährung, chemische Medikamente und Toxine ist ein schwaches Immunsystem. So haben Parasiten, aber ebenso Bakterien und Viren, leichtes Spiel. Die Globalisierung führt quasi zu einer Turboverbreitung aller möglichen Dinge, auch der Parasiten. Ein Wurm, den es bisher nur in Südostasien gab, kann morgen schon in einer Fischkiste mit dem Flugzeug in New York landen oder in ein paar Wochen mit dem Containerschiff in Hamburg vor Anker gehen. Die Grenzen für Parasiten sind längst aufgehoben.

Parasiten in Deutschland. Sind wir nicht sauber genug?

An dieser Stelle möchte ich Ihnen aber zunächst einmal sagen, dass Parasitenbefall keine Schande ist und weniger mit Ihrer persönlichen Hygiene zu tun hat als vielmehr mit den allgemeinen Hygienebedingungen im jeweiligen Land. Also bitte keine Schamgefühle, wenn Sie den Verdacht auf Parasiten haben. Suchen Sie einen Arzt auf (der davon gehört hat oder sich auskennt). Es gibt viele und gute Medikamente gegen Parasiten. Aber darüber reden wir später.

Parasitenarten

Es gibt etwa 35 verschiedene Parasiten, die auf das „Hotel Mensch“ angewiesen sind: 18 Würmer, 10 Einzeller (Protozoen) und 6 Blutsauger. Manche von ihnen sind Dauergäste, echte Menschenparasiten, andere parasitieren zufällig, wenn es sich gerade so ergibt, beim „Hotel Mensch“ vorbeizukommen, weil sie meist im Freien leben. Wiederum andere sind die Opportunisten, die geduldig und brav auf die richtige Gelegenheit zur Vermehrung warten.

Die Beschreibung einiger Parasiten erspare ich Ihnen bewusst, dafür gibt es 400 Seiten Bücher voller Einzelheiten. Nur weil die meisten meiner Patienten glauben, Parasiten wären meterlange Gebilde, die auf eklige Art und Weise selbstständig aus dem Darm hüpfen, möchte ich hier Klarheit schaffen. Diese großen „Tagliatelle“, die man mit bloßem Augen sieht, sind Bandwürmer (Taeniae), mehr nicht. Leider sieht man die anderen Parasitentypen ohne Mikroskop gar nicht. Ich spreche hier von den Gattungen der Fadenwürmer (Spulwürmer), der Egel (Saugwürmer) und der Urtierchen (Protozoen). Sehr, sehr kompliziert, nicht wahr? Leichter zu verstehen wäre, wenn ich Ihnen verrate, dass es, je nach Ansiedlungsorgan, Leber-, Lungen-, Herz-, Bauchspeicheldrüsen-, Gehirn- oder Darmwürmer gibt, die entsprechende Symptome beim Menschen verursachen.

Persönlich finde ich am häufigsten Ascariden (Fadenwürmer), Taenien vom Schwein (Bandwürmer) und Amöben (Protozoen). Auch Parasiten in unserem Körper befinden sich – wie alle Lebewesen – ständig in verschiedenen Lebensphasen: Eier, Larven, Erwachsene, Greise, was die Therapie ziemlich verkompliziert.

Infektionswege

Die meisten parasitären Infektionen bei Menschen entstehen im Ausland. Aber wie infizieren wir uns denn genau?

  1. Direkter körperlicher Kontakt:
    Mensch -> Mensch, Tier, Insekt -> Mensch
    Haustiere: Hunde, Katzen und andere Haustiere. „Da steckt der Wurm drin!“
    Menschen: Kleinkinder im Kindergarten (oral-faecaler Weg), Endoskope für Darm-Magenspiegelung. (Achtung: Die üblichen Desinfektionsmittel töten alles … außer Parasiten!)
  2. Kontaminierte Lebensmittel:
    a) Trinkwasser (Chlor tötet keine Parasiten), Salate, Obst und Gemüse (die mit diesem Wasser gewaschen werden oder aus Anbaugebiete mit tierischer oder menschlicher Düngung
    stammen), Eiswürfel;
    b) Rohe Nahrung: Fleisch: Rind und Schwein (Steaks, Tartar,
    Carpaccio); Fisch (Sushi, Tartar); Früchte asiatischer Herkunft; Rohmilch (beliebt ist der Kinderurlaub auf dem Bauernhof!)
  3. Kontaminierte Plätze:
    Sandkästen, Rasen, Camping- und Rastplätze, Sandstrände;
  4. Infizierter Staub:
    Landwirtschaft, Klimaanlagen, Stofftiere;
  5. Insekten:
    Fliegen, Flöhe, Mücken;
  6. Reisen in tropische und warme Länder:
    Es ist nicht immer Afrika, die Dominikanische Republik oder andere tropische Ziele, sondern auch Spanien (Canaren), Italien, Griechenland, Balkan, Türkei.

Ich kann Ihnen versichern, dass diese Liste bei weitem nicht komplett ist.

Wie machen Parasiten uns krank?

Sehr, sehr raffiniert. Sie manipulieren biochemisch unser Immunsystem derart, dass es sie nicht als Eindringlinge erkennt und sie somit nicht einmal angreift. So leben Parasiten wie in Abrahams Schoß. Unser armes Immunsystem ist noch nicht einmal in der Lage, Antikörper gegen Parasiten zu bilden. Deshalb bleiben Parasiten selbst im Labor sehr lange unentdeckt.

Manchmal verschließen Parasiten Gänge in unserem Körper komplett: Gallengänge, sogar den Darm, den Gehörgang, die Vagina und Blase. Das alles hat entsprechend gravierende Symptome. Einige Parasiten verursachen schwere Allergien, auch Nahrungsmittelallergien. Auch Allergien fallen nicht einfach vom Himmel.

Parasiten sind heimtückische Wesen, sie dringen so gut wie nie allein in uns ein, sie bringen Trittbrettfahrer mit: böse Darmbakterien, Borrelien (deswegen sollte man die Borreliose nie allein behandeln!), Toxine, Schwermetalle, Tiermikroben. All dies ist unbedingt in der Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen, will man wirklich gesund werden bzw. den Patienten erfolgreich behandeln. Schon seit 1913 weiß man, dass nicht nur Bakterien und Viren, sondern auch Parasiten Krebs verursachen, zum Beispiel Dickdarm, Leber, Gallengänge, Blase, Nieren.

Parasiten im Körper? Die Zeichen erkennen

Genug der Theorie. Bei welchen Symptomen sollten Sie und Ihr Arzt an Parasiten denken? Häufig sind die Anzeichen eher allgemeiner Art, trotzdem sollten Sie die Zeichen, die Ihr Körper Ihnen gibt, nicht unterschätzen.

  • Ein plötzlicher Leistungseinbruch bei Kindern, Jugendlichen oder Sportlern?
  • Sie fühlen sich ohne Grund müde und ausgelaugt, Ihr Gewicht verändert sich (nach oben wie nach unten).
  • Sie bekommen Schweißausbrüche, ohne in den Wechseljahren zu sein. Sie frösteln ohne Grund.
  • Sie vertragen plötzlich Nahrungsmittel nicht mehr, die Sie immer gut vertragen haben. Oder Sie bekommen von heute auf morgen Allergien?
  • Juckt es in Ihrem Ohr oder auf der Haut? Beobachten Sie Ekzeme auf der Haut?
  • Ein Organ spielt plötzlich „verrückt“? Das Herz rast oder tut weh, so dass Sie Lebensangst bekommen. Der Blutdruck steigt oder fährt „Karussell“? Sie bekommen keine Luft, Asthmaanfälle häufen sich (Lunge)? Migräneattacken, Schwindelanfälle, Sehstörungen (Gehirn)?

Typisch für einen Parasitenbefall ist: All diese unklaren Symptome treten plötzlich auf, verschwinden wieder … und treten später erneut auf. Häufig treten auch gezielte Symptome auf, die jede medizinische Fachrichtung betreffen können:

Schmerzmediziner

Erwachsene: Wirbelsäulenschmerzen, Tennis-Arm Syndrom, Gelenkschmerzen, Migräne, Ganzkörperschmerzen (Fibromyalgie), Polyneuropathie, Hexenschuss ohne Grund;
Kinder: Migräne-Kopfschmerz, Bauchschmerzen

Internist / Hausarzt

Bauchschmerzen, Magen-Darmkrankheiten wie Geschwüre, Divertikulose-itis, Colitis ulcerosa, M. Crohn, Heißhunger, Appetitlosigkeit, Reizdarm, Verstopfung oder Durchfall; ständig wechselnde Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, Laktose-, Fruktose-, Glutenintoleranz, Blutarmut (ohne offensichtliche Blutung)

Kinderarzt

Blässe, ADHS, Müdigkeit, Nervosität, neurologische Krankheiten, Infektanfälligkeit, Fieberkrämpfe, Otitis, Afterjucken, nächtliches Schreien, Angst

Hautarzt

Haut: chronische Ekzeme (Kopfhaut, Gehörgang), Haarausfall, Neurodermitis-Schübe; After: Juckreiz, Fissuren, Abszesse, Kondylome, Ekzeme

Psychiater

Plötzliche Depressionen ohne Voranzeichen, Angst-Panik-Zustände. Auch Augenarzt, Urologe oder HNO-Arzt können in ihrer Praxis Symptomen und Krankheiten, die auf eine Parasitose deuten, begegnen.

Wie lässt sich ein chronischer Parasitenbefall diagnostizieren?

Nun ja, ich habe bereits erwähnt, dass es nicht einfach ist. Die Symptome selbst aber können einen ziemlich sicheren Hinweis geben.

  1. Labor Blut: Selten findet man Hinweise wie erhöhte Immunglobulin E (man denkt eher an Allergien als an Parasitose), die Eosi- nophilen sind erhöht. Spezielle Laboruntersuchungen wie sero- logische Screening-Tests sind teuer und nur in Speziallabors möglich.
  2. CT, MRT, Ultraschall: Man kann Zysten, Abszesse, Granulome sehen, diese werden aber selten mit Parasiten in Verbindung gebracht.
  3. Stuhlprobe: Man sollte meinen, dass man hier endlich fündig wird. Weit gefehlt! Weil Parasiten nicht unbedingt willig sind, im Dickdarm (auch in Leber-Gallenblase, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse, Lunge, Gehirn und anderen Organen!) zu bleiben oder den Körper mit dem Stuhl zu verlassen.

Außerdem sind die normalen Stuhlprobengefäße, die der Patient selbst per Post ins Labor schickt, trocken, und das Ergebnis fast immer negativ. Für manche Parasiten ist der Postwegeinfach zu lang, sie sterben bereits 10 Minuten nach dem Stuhl- abgang und sind somit unter dem Mikroskop nicht mehr identi- fizierbar. Weshalb moderne Labors zunehmend eine spezielle Konservierungssubstanz (SAF) verwenden, die Wurmeier im Stuhlprobengefäß fixieren und bewahren, jedoch nicht abtöten.

Der Tripple Faeces Test

Mit dem Tripple Faeces Test (TFT) hat der Arzt eine größere Chance, Parasiten zu erkennen: immerhin 70–80 %. Alle anderen Diagnostikverfahren waren für mich eher enttäuschend. Die Patienten hatten glaubhafte und nicht zu ignorierende Beschwerden. Ich habe gesucht, nichts gefunden, habe weitergesucht … und bin in der Naturheilkunde fündig geworden.

In meiner Praxis haben sich elektrophysikalische Testungen mit der PSE-Methode (Psychosomatische Energetik nach Dr. Reimar Banis) und der IST-Diagnostik nach Dr. Ingrid Fonk, eine moderne Variante der Elektroakupunktur nach Dr. Voll (EAV), sehr bewährt.

Parasitendiagnostik – akut und chronisch

Ich selbst verwende in meiner Praxis zwei hervorragende Methoden, um Parasiten zu diagnostizieren.

  • Die Psychosomatische Energetik-Methode nach Dr. Reimar Banis
  • Die IST-Methode nach Dr. Ingrid Fonk

Für diese Diagnostikmethoden braucht der Naturheilkundler Testampullen, die ich in den Testsätzen von Frau Dr. Fonk (über die Klösterl Apotheke in München) und vom Heilpraktiker Alan Baklayan (über Dermavit in München) beziehe. So ausgerüstet bin ich innerhalb einer Stunde in der Lage, eine Parasitose zu finden und eine gezielte Parasitenkur festzulegen.

Parasitentherapie – akut und chronisch

Eine Parasitose lässt sich schulmedizinisch, homöopathisch, mit Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlich therapieren. Bei einem akuten Parasitosebefall (zum Beispiel bei Kindern oder frisch nach dem Urlaub) ist die gesamte Problematik damit nach einigen Tagen vorbei. Die häufigsten Parasiten, die ich in meinem Schmerzzentrum diagnostiziere, sind Fadenwürmer (z. B. Ascariden) und Protozoen (z. B. Giardia lamblia und Amöben), dann Bandwürmer.

Oft sind es Fadenwürmer, Protozoen und Bandwürmer

Vorweg sei gesagt, dass die Gesetzliche Krankenkasse (GKV) die Kosten der ganzheitlichen Diagnostik und Therapie leider nicht übernimmt. Es handelt sich also (noch?) um eine Maßnahme für Privatpatienten und Selbstzahler. Aber immer mehr Menschen haben private Zusatzversicherungen oder sind bereit, auch für ihre Gesundheit Geld auszugeben.

Folgende Vorgehensweise hat sich in meiner Praxis bei einem akuten Parasitenbefall bewährt.

  1. Ärztliche Befragung: 30 Minuten
  2. Darmdiagnostik mit Hilfe der PSE- oder IST-Methode: Dauer 45 Minuten. Die TFT-Methode für die Stuhldiagnostik wird meist – aus Kosten- und Zeitgründen – nicht durchgeführt. Beim Kin- dermadenwurm hilft diagnostisch die Klebestreifen-Methode (mit Tesa-Band).
  3. Therapie Wurmmittel passend zu dem Parasitentyp: Vermox, Cesol, Yomesan, Eskazol, Humatin
    Homöopathie: Abrotanum, Allium/Cuprum sulf., Aquilinum comp., Cina, Cuprum oxydatum nigrum D3, Quarz 50 %, Quassia
    Pflanzlich: Papain, Pararizol-Öl, Schwarzwalnuss-Tinktur, Wermut-Pulver, Nelken-Pulver (Juglandis-Dermavit), Beifuß- Pulver, Antiparasitenrezeptur (Fa. Formula), Berberis-Extrakt, Berberis-Samen, Grapefruitsamen, Oregano-Öl.
  4. Wiedervorstellung nach zwei Wochen. Oder Terminabsage, wenn keine Symptome mehr.

Grundsätze der Parasitentherapie

Regelmäßige Einnahme eines Wurmmittels (1–3 Mal pro Jahr), da der Mensch keine Immunität entwickeln kann. Auch eine prophylaktische Einnahme (Wurmmittel in Original oder als Globuli) empfehle ich bei Rezidivkrankheiten und vor/nach Urlaubsreisen in die Tropen, Sub-Tropen, Balkan, mediterraner Raum.

Eine gezielte Austestung mit der PSE-, IST- oder EAV-Methode ist der Einnahme von Medikamenten auf Verdacht vorzuziehen.

Wenn es immer so einfach wäre!

Bei chronischen Verläufen (20–30 Jahre und mehr Leidensweg) und wenn

a) viele Organe in Mitleidenschaft gezogen sind,

b) die gesamte Stoffwechsellage nicht mehr gesund ist und

c) auch noch die Psyche eine Rolle spielt, muss man ganzkörperlich nach den alten Naturgesetzen (be)handeln: Den Nährboden des Körpers säubern (das Milieu), die Entgiftung ankurbeln und dann erst der Wiederaufbau. Hier sind andere therapeutische „Kaliber“ gefragt. Der Parasit spielt nicht mehr die Hauptrolle. Trotzdem müssen wir ihn loswerden.

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Folgende Vorgehensweise hat sich in meiner Praxis seit Jahren bewährt.

Ganzheitliche Diagnostik und Therapie bei chronischen und komplizierten Verläufen

1. Erstkontakt

  • Ärztliche Befragung, Besprechung der Diagnostikstrategie. Dauer 60 – 90 Minuten.
  • Darmdiagnostik mit Hilfe der PSE- oder IST-Methode und Empfehlung einer passenden Parasitentherapie: schulmedizinisch, homöopathisch, pflanzlich (siehe oben).
    Dauer 45 Minuten.
  • Am häufigsten teste und rezeptiere ich Vermox, Cesol,
    Eskazol und Metronidazol.
  • Labor: Stuhl mit der TFT-Methode, immunologisch, mito- chondrial, rheumatologisch, Entgiftungsdiagnostik, auch genetisch, Hormone, Zahnherde, Schwermetalle und andere (je nach beklagter Symptomatik).
    Dauer der Blutentnahme 10 Minuten.
  • Psychosomatisch: PSE nach Dr. Banis, Herz-Raten-Variabilität, oder schulmedizinisch- psychologisch, ortsnah.

2. Wiedervorstellung nach 1–3 Wochen

  • Ärztliche Besprechung der Laborbefunde und der weiteren Therapiestrategie. Dauer 30 Minuten.
  • „Darmkontrolle“ mit Hilfe der PSE- oder IST-Methode und Verlaufsbeurteilung. Dauer 30 Minuten.
    Falls notwendig empfehle ich eine weitere Parasitentherapie. Teste ich keine Parasiten mehr, beginne ich mit dem Aufbau der Darmflora. Hier eignet sich zum Beispiel hervorragend die „Darmpflege-Kur“ von Supplementa mit den verschiedenen Enzympräparaten, je nach individueller Verträglichkeit
    (Gluten, Laktose, Fruktose). Dauer 45 Minuten.

Meine bewährte Begleittherapie läuft in zwei Phasen. Die Vorstellungstermine sind wöchentlich. Eine intensive kurmäßige Darmsanierung (täglich) ist ebenfalls möglich.

Phase I – Milieu säubern und Entgiftung ankurbeln

  • Colon-Hydro-Therapie, kurweise, intensiv
  • Ärztlich begleitete Fastenkur nach F.X. Mayr über zwei oder drei Wochen (als beste Reinigung des Körpers!)
  • Schröpftherapie
  • Zahnherdsanierung (bei einem biologisch arbeitenden Zahnarzt)
  • Schwermetallausleitung, intravenös (je nach Laborbefund) Je nach Verlauf beginnt nach 1–2 Monaten die Phase II der Behandlung.

Phase II – Wiederaufbau des Körpers

  • Infusionstherapie: mit Procain, Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Aminosäuren.
  • Einnahme von optimal dosierten Nahrungsergänzungs- mitteln (Fa. Supplementa) als 3-monatige oder längere Kur, immer unter Laborkontrolle.

Wie vermeide ich einen Parasitenbefall?

„Boil it, cook it, peel it or forget it.“ Alte Tropenregel

1. Essen und Trinken zu Hause und im Urlaub

  • Meiden Sie alle Sorten vom rohen Fleisch, Fisch, Krabben.
  • Bedenken Sie, dass Bio-Obst und Bio-Gemüse zwar pestizid- und herbizidfrei sind, nicht aber parasitenfrei!
  • Insbesondere auf Reisen: keinen Salat (wegen des Spülwassers!), nur gekochtes Gemüse essen, Getränke nur aus original verschlossenen Flaschen trinken, nur frisch gekochte Getränke (Tee, Kaffee) trinken, ungekochte Nahrungsmittel möglichst vermeiden.

2. Outdoor-Verhalten in Mitteleuropa

Langärmelige Kleidung tragen (Zecken gelten auch als Parasiten!), nur gewaschene Beeren essen, Pilze nur gekocht essen, Baden in warmen und stehenden Gewässern vermeiden. In den Tropen: nicht barfuß gehen, sich nie in Süßwässern aufhalten (auch nicht die Beine), Insektenschutzmittel und imprägnierte Moskitonetze verwenden, Schlafplätze auf dem Erdboden vermeiden, Hotelzimmer möglichst ohne Teppichfußböden oder Tapeten, am besten Zimmer in einem höheren Stockwerk buchen.

3. Zu Hause

Ist ein Familienmitglied wurmerkrankt: Leib- und Bettwäsche separat bei mindestens 60 °Celsius in der Waschmaschine waschen und täglich wechseln, um eine Wiederansteckung zu vermeiden. Kontaminiertes und nicht Waschbares in der Tiefkühltruhe bei -18 bis -20 °Celsius einfrieren. Regelmäßig Staub saugen.

Haustiere in der Wohnung: alle 3 Monate beim Tierarzt entwurmen lassen (auch wenn das lästig und kostspielig ist). Die Wohnung am besten täglich (!) saugen.

Zusammenfassung

Ein Parasitenbefall ist keine Schande und hat wenig mit der persönlichen Hygiene zu tun. Auch Deutschland ist ein Parasitenland, selbst wenn Ärzte hierzulande möglicherweise nicht genug daran denken und deshalb eventuell nicht gezielt danach suchen. Viele chronische Krankheiten und viele chronische Symptome können immer auch eine parasitäre Ursache haben. Parasiten sind keine Einzelgänger. Meist bringen sie Bakterien, Viren, Pilze und andere Parasiten (!) gleich mit. Daher verstehe ich die Parasitentherapie als ganzheitliche Herausforderung, die sehr ernst zu nehmen ist, wenn man wieder gesund werden möchte – oder als Arzt und Naturheilkundler seine Patienten möglichst erfolgreich behandeln will.

Schlussbemerkung

Lassen Sie mich abschließend noch einmal zurückkommen auf meine Mutter. Aus heutiger Sicht bin ich sicher, dass sie schon sehr lange an Parasitose litt. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätten mir die Methoden, mit denen ich heute arbeite, schon damals zur Verfügung gestanden, hätte ich wahrscheinlich mehr für sie tun können. Ich hatte damals keine Ahnung! Meine Mutter würde es verstehen, still und bescheiden wie sie war. Für mich war ihr Leidensweg und ihr Tod der erste Anstoß, mich in dem leicht exotischen Fachgebiet der Parasitologie zum Spezialisten fortzubilden. Und dafür bin ich dankbar. Nicht zuletzt meiner Mutter.

Literaturquellen

  1. Ingrid Fonk: Darmparasitose, AKSE Verlag, 2002
  2. Heinz Mehlhorn, Gerhard Piekarski: Grundriss der Parasitenkunde, Spektrum Akademischer Verlag, 6. Auflage, 2002
  3. Carl Zimmer: Parasitus Rex, Umschau/Braus, 2001
  4. Marlene Zuk: Was wäre das Leben ohne Parasiten, Warum wir Krankheiten brauchen, Spektrum Akademischer Verlag, 2008
  5. Julia Walochnik: Hotel Mensch, Parasiten, unerwünschte Gäste unseres Körpers, Überreuter, 2011
  6. Lucius Loos-Frank: Biologie der Parasiten, Springer, 2. Auflage, 2008
  7. Alan E. Baklayan: Parasiten – die verborgene Ursache vieler Krankheiten, Ganzheitlich Heilen Goldmann, 1999
  8. Peter Wenk, Alfons Renz: Parasitologie, Biologie der Humanparasiten, Thieme, 2003
  9. RP Analytic Labor Kerpen: Parasitäre Infektionen und TFT, 2012.
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NWzG Gesundheitsbrief  |  Nr. 45

  Darm     Parasiten     Parasitologie     Würmer  

Der menschliche Körper: Ein Paradies für Parasiten // Die Parasitologie. Ein Stiefkind der (Human)Medizin // Parasiten in Deutschland. Sind wir nicht sauber genug?...

 

Kategorien: Darm, Parasitenbefall und Verdauung.