Glu­ten in der Nah­rung – Ursa­che chro­ni­scher Erkran­kun­gen

Gluten-Weizenallergie

Die­ser Arti­kel beschäf­tigt sich mit Glu­ten. Wenn man bedenkt, wel­chen Scha­den Glu­ten unse­rer Gesund­heit antun kann, ist eine grund­sätz­li­che Über­den­kung der Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten sicher­lich ange­bracht.
Autor: Klaus Diet­rich Runow

Ein­lei­tung

Zölia­kie, Glu­ten­sen­si­ti­vi­tät und Wei­zen­all­er­gie – immer mehr Men­schen kla­gen über Ver­dau­ungs­pro­ble­me durch Bestand­tei­le getrei­de­hal­ti­ger Nah­rungs­mit­tel. Der Haupt­übel­tä­ter für die­se Ent­wick­lung ist das Glu­ten, das in unse­rer Ernäh­rung ein ungu­tes Über­ge­wicht gewon­nen hat. Zum einen, weil unse­re Ernäh­rung zu reich an Back­wa­ren, Pas­ta und Piz­za ist, zum ande­ren, weil der heu­ti­ge Tur­bo­wei­zen unge­ahn­te Men­gen an Glu­ten ent­hält, mit denen unser Kör­per erst ein­mal fer­tig wer­den muss. Glu­ten beglei­tet unse­re Ernäh­rung auf Schritt und Tritt und es gilt bewusst Umwe­ge zu gehen, um dar­auf zu ver­zich­ten.

Wenn man aller­dings bedenkt, wel­chen Scha­den Glu­ten unse­rer Gesund­heit antun kann, ist eine grund­sätz­li­che Über­den­kung der Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten sicher­lich ange­bracht.

Bei allen unkla­ren neu­ro­lo­gi­schen Erkran­kun­gen, die nicht durch Umwelt­che­mi­ka­li­en, Medi­ka­men­ten- und Dro­gen­miss­brauch, chro­ni­sche Schlaf­stö­run­gen etc. ver­ur­sacht bzw. ver­stärkt wer­den, muss u. a. an eine Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit, Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie und eine Stö­rung der Darm­öko­lo­gie gedacht wer­den.

Neue Dia­gnos­tik- und The­ra­pie­an­sät­ze lie­fern wert­vol­le Hil­fe­stel­lun­gen um abzu­klä­ren, ob es sich bei den chro­ni­schen Beschwer­den des Pati­en­ten tat­säch­lich um eine Krank­heit oder „nur“ um ein Sym­ptom han­delt und ob man von der medi­ka­men­tö­sen sym­pto­ma­ti­schen The­ra­pie nicht doch zu einer Ände­rung des Lebens­stils bzw. des Ernäh­rungs­ver­hal­tens wech­seln soll­te? Die Sanie­rung des Dar­mes, eine Eli­mi­na­ti­on unver­träg­li­cher Nah­rungs­mit­tel sowie die Ein­nah­me von Nähr­stof­fen und ver­dau­ungs­för­dern­den Enzy­men stel­len wich­ti­ge Säu­len im Bereich der „Func­tio­n­al Medi­ci­ne“ (eng­li­sche Begriffs­er­klä­rung), der ange­wand­ten Umwelt- und Ernäh­rungs­me­di­zin, dar.

Der Neu­ro­lo­ge Dr. David Perl­mut­ter belegt mit neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen, dass Wei­zen unse­re Gesund­heit, spe­zi­ell unse­re Denk­leis­tung und unser Gedächt­nis, mas­siv angreift. Das gene­tisch ver­än­der­te Getrei­de des 20. und 21. Jahr­hun­derts zer­stört schlei­chend unser Gehirn. Eine Fol­ge kön­nen chro­ni­sche Kopf­schmer­zen, mas­si­ve Schlaf­stö­run­gen, Demenz oder Alz­hei­mer sein.
Dr. David Perl­mut­ter, Buch­au­tor „Dumm wie Brot“
Bei der Wei­zen­all­er­gie han­delt es sich um eine Über­re­ak­ti­on des Immun­sys­tems. Dabei wer­den jedoch kei­ne kör­per­ei­ge­nen Zel­len ange­grif­fen. Ähn­lich wie bei einer klass­si­schen All­er­gie reagiert der Kör­per auf den aus­lö­sen­den Stoff – in die­sem Fall Eiweiß­be­stand­tei­le des Wei­zens – mit der Bil­dung von Anti­kör­pern. Tref­fen die Anti­kör­per auf das feind­li­che Eiweiß ent­ste­hen oft höchst unan­ge­neh­me und krank machen­de Sym­pto­me.

Was ist eigent­lich Glu­ten, genau­er Glia­din?

Bei Glu­ten han­delt es sich um Spei­che­rei­wei­ße (Prol­ami­ne), die in ver­schie­de­nen Getrei­den vor­kom­men. Die längs­te Zeit, die der Mensch auf die­sem Pla­ne­ten ver­bracht hat, ernähr­te er sich glu­ten­frei. Vor 10.000 Jah­ren gab es einen evo­lu­tio­nä­ren Wan­del. Der Mensch wur­de sess­haft und es begann die Ära der Land­wirt­schaft, des Acker­baus und der Vieh­zucht und der damit ver­bun­de­ne Ver­zehr von glu­ten­hal­ti­gen Getrei­de­pro­duk­ten.

Ein Bestand­teil des Glu­tens ist Glia­din, das beson­ders in den Getrei­den der „Gras-Grup­pe“ (Gat­tung: Tri­ti­cum) nach­weis­bar ist: Wei­zen, Din­kel, Rog­gen, Kamut. Auch ande­re Pro­duk­te, von denen man es zunächst nicht erwar­tet, kön­nen zur Glu­ten­be­las­tung bei­tra­gen: Nudeln, Soja­sauce, Bier, Whis­key, Hefe­ex­trakt, Mal­to­d­ex­trin, Würs­te, Ham­bur­ger, Ketch­up, bestimm­te Medi­ka­men­te, Zahn­pas­ta und Lip­pen­stif­te (2,3). Hafer und Gers­te haben einen nied­ri­gen Anteil an Glu­ten (es gibt auch glu­ten­frei­en Hafer). Getrei­de­ar­ten wie Buch­wei­zen, Qui­noa, Ama­rant, Hir­se, Reis, Mais und Teff (Zwerg­hir­se) sind glu­ten­frei.

Glu­ten ist Aus­lö­ser für Zölia­kie, Glu­ten-Sen­si­ti­vi­tät und kann auch die Ursa­che für eine Wei­zen­all­er­gie sein. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis, was Getrei­de und spe­zi­ell Glu­ten in unse­rem Kör­per aus­lö­sen kann, hier ein Über­blick der Erkran­kun­gen die unmit­tel­bar damit in Zusam­men­hang ste­hen. Nach neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen kann die Auf­nah­me von Glu­ten aber auch dem schein­bar gesun­den Men­schen Pro­ble­me berei­ten, wie Prof. Dr. Fasa­no (Autoren­sei­te via Ama­zon USA) aus Bos­ton, Mas­sa­chu­setts, her­aus­ge­fun­den hat. Der Darm wird durch­läs­sig, was mas­si­ve gesund­heit­li­che Pro­ble­me zur Fol­ge hat.

Zölia­kie

Kurz gesagt: Men­schen mit Zölia­kie ver­tra­gen Glu­ten nicht, nicht mal in den kleins­ten Men­gen. Neben den für jede Nah­rungs­mit­tel-Unver­träg­lich­keit typi­schen Ver­dau­ungs­be­schwer­den wie Bauch­schmer­zen, Blä­hun­gen, Durch­fäl­len und/oder Ver­stop­fung tre­ten hier aller­dings noch auto­im­mu­ne (selbst­zer­stö­re­ri­sche) Reak­tio­nen auf. Das Pro­te­in Glia­din, ein Ein­zel­be­stand­teil des Glu­ten, das in allen Wei­zen­pro­duk­ten vom weichs­ten Toast­brot bis zum gröbs­ten Bio­brot vor­liegt, hat die zer­stö­re­ri­sche Fähig­keit, die Darm­schleim­haut durch­läs­sig bzw. löch­rig zu machen. Unbe­han­delt kann die Auto­im­mun­erkran­kung eine Lis­te an Fol­ge­er­kran­kun­gen nach sich zie­hen.

Glu­ten-Sen­si­ti­vi­tät

Gemein­sam haben Zölia­kie und Glu­ten-Sen­si­ti­vi­tät, dass in bei­den Fäl­len Glu­ten unver­träg­lich ist und der Ver­zehr zu star­ken Beschwer­den führt. Glu­ten-Sen­si­tiv­ät ist „nur“ eine Nah­rungs­mit­tel-Into­le­ranz und greift nicht die Schleim­haut des Dünn­darms an. Ins­be­son­de­re ist sie men­gen­ab­hän­gig, d. h. bei­spiels­wei­se, dass die Inten­si­tät der Sym­pto­me von der Ver­zehr­men­ge abhän­gig ist. Grund­sätz­lich bedeu­tet dies, dass Spu­ren und meist auch klei­ne­re Men­gen Glu­ten ohne Pro­ble­me tole­riert wer­den und kei­ne Beschwer­den machen.

Fest­ge­stellt wer­den kann die Glu­ten-Sen­si­ti­vi­tät nur durch ein Aus­schluss­ver­fah­ren, wenn Sym­pto­me vor­lie­gen, aber kei­ne Zölia­kie oder Wei­zen­all­er­gie nach­ge­wie­sen wer­den kann.

Glu­ten-Sen­si­ti­vi­tät wird gera­de erforscht. Eine wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung weist dar­auf hin, dass statt Glu­ten auch Pro­te­ine mit der Bezeich­nung Amyla­se-Tryp­sin-Inhi­bi­tor oder Ade­no­sin-Tri­phos­phat-Amyla­se (ATI) die Reak­ti­on aus­lö­sen könn­ten. Es han­delt sich hier­bei um Eiweiß-Mole­kü­le, mit denen sich Pflan­zen vor Schäd­lin­gen schüt­zen. Das Risi­ko für Fol­ge­er­kran­kun­gen ist ver­gleichs­wei­se gering, weil die Gewebs­zel­len im Dünn­darm nicht gezielt vom Immun­sys­tem zer­stört wer­den.

Wei­zen­all­er­gie

Bei der Wei­zen­all­er­gie han­delt es sich um eine Über­re­ak­ti­on des Immun­sys­tems. Dabei wer­den jedoch kei­ne kör­per­ei­ge­nen Zel­len ange­grif­fen. Ähn­lich wie bei einer klass­si­schen All­er­gie reagiert der Kör­per auf den aus­lö­sen­den Stoff – in die­sem Fall Eiweiß­be­stand­tei­le des Wei­zens – mit der Bil­dung von Anti­kör­pern. Tref­fen die Anti­kör­per auf das feind­li­che Eiweiß ent­ste­hen oft höchst unan­ge­neh­me und krank machen­de Sym­pto­me. Im schlimms­ten Fall führt die Über­re­ak­ti­on des Immun­sys­tems zu einem ana­phy­lak­ti­schen Schock. Ist der Orga­nis­mus ein­mal auf einen All­er­gie­aus­lö­ser emp­find­lich gewor­den, so wird die­ser All­er­gie­aus­lö­ser bei jedem erneu­ten Kon­takt vom Immun­sys­tem wie­der erkannt.

Dadurch wer­den immer wie­der aufs Neue Krank­heits­er­schei­nun­gen aus­ge­löst. Die Sym­pto­me kön­nen neben Ver­dau­ungs­be­schwer­den über­all im Kör­per auf­tre­ten, zu nen­nen sind hier u. a. lau­fen­de Nase, trä­nen­de Augen, asth­ma­ti­sche Beschwer­den, Ekze­me, Kopf­schmer­zen und vie­le ande­re.

Tabel­le 1:
Zahl­rei­che Zölia­kie­pa­ti­en­ten haben über­haupt kei­ne Beschwer­den im Darm­trakt, son­dern es sind ande­re Orga­ne betrof­fen:
Ner­venZere­bel­lä­re Ata­xie · Schi­zo­phre­nie · Depres­sio­nen
HautDer­ma­ti­tis her­pe­ti­for­mis
Schild­drü­seThy­reoi­di­tis
LeberAuto­im­mun­he­pa­ti­tis
Gelen­ke & Kno­chenKol­la­ge­no­sen inkl. rheu­ma­toi­der Arthri­tis
Bauch­spei­chel­drü­seDia­be­tes mel­li­tus

Auf dem Inter­na­tio­na­len Sym­po­si­um des „Insti­tu­te for Func­tio­n­al Medi­ci­ne“ im Mai 2013 in Dallas/Texas hat­te ich das Glück, einen der wohl wich­tigs­ten Vor­trä­ge mit kli­ni­scher Rele­vanz zu hören, der die Dia­gnos­tik und The­ra­pie in den nächs­ten Jah­ren revo­lu­tio­nie­ren wird. Prof. Alles­sio Fasa­no wur­de für sei­ne bahn­bre­chen­den Ent­de­ckun­gen des Zonu­lins mit dem Linus Pau­ling Preis geehrt. Zonu­lin ist ein Eiweiß, das die Ver­bin­dun­gen zwi­schen unse­ren Darm­zel­len, den so genann­ten Tight Junc­tions, regu­liert. Wenn Zonu­lin frei­ge­setzt wird, öff­nen sich die Abstän­de zwi­schen den Darm­zel­len und es kommt zu einer erhöh­ten Durch­läs­sig­keit. Dr.Fasano konn­te zei­gen, dass ein Aus­lö­ser für die Zonu­lin-Frei­set­zung der Kon­takt der Darm­zel­len zu Glu­ten ist.

Die fol­gen­de Tabel­le 2 zeigt, wel­che Haupt­krank­hei­ten laut Dr. Fasa­no und ande­ren Wis­sen­schaft­lern mit Zonu­lin und einer dadurch ver­ur­sach­ten erhöh­ten Darm­durch­läs­sig­keit in Ver­bin­dung ste­hen. Beson­de­res Augen­merk gilt den Auto­im­mun­erkran­kun­gen, bei deren Behand­lung unbe­dingt die Wie­der­her­stel­lung einer intak­ten Darm­bar­rie­re im Vor­der­grund ste­hen muss. Neben einer Balan­ce des Mikro­bi­oms, also der Gesamt­heit der Mikro­or­ga­nis­men im Darm, kom­men bei der The­ra­pie pflanz­li­che Sub­stan­zen, Mine­ral­stof­fe und die fett­lös­li­chen Vit­ami­ne A und D3 zum Ein­satz. Ein Man­gel die­ser Vit­ami­ne erhöht die Emp­find­lich­keit der Darm­schleim­haut und erhöht das Risi­ko für Auto­im­mun­erkran­kun­gen.

Tabel­le 2:
Krank­hei­ten, die mit Zonu­lin asso­zi­iert sind.
Auto­im­mun­erkran­kun­gen
  • M. Bech­te­rew (Spon­dy­l­i­tis anky­los­ans)
  • Asth­ma
  • Zölia­kie
  • Ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen
  • Mul­ti­ple Skle­ro­se
  • Rheu­ma­toi­de Arthri­tis
  • Sys­te­mi­scher Lupus ery­the­ma­to­des (SLE)
  • Typ 1 Dia­be­tes
Erkran­kun­gen des Ner­ven­sys­tems
  • Chro­nisch ent­zünd­li­che demye­li­ni­sie­ren­de Poly­neu­ro­pa­thie (CDIP)
  • Schi­zo­phre­nie
Krebs­er­kran­kun­gen
  • Gehirn­tu­mo­re
  • Brust­krebs
  • Glio­me
  • Ade­no­kar­zi­no­me der Lun­ge
  • Ove­r­i­al­kar­zi­nom
  • Pan­kre­as­krebs

Getrei­de­un­ver­träg­lich­keit: grund­sätz­lich ein Pro­blem für unse­re Gesund­heit

Es ist noch immer unge­klärt, wie und war­um die Tole­ranz von Pro­duk­ten mit Wei­zen, Rog­gen oder Gers­te ver­lo­ren geht. Umwelt­ein­flüs­se schei­nen den Aus­schlag dafür zu geben, dass das Immun­sys­tem eine Unver­träg­lich­keit ent­wi­ckelt. Indi­vi­du­en kön­nen Glu­ten etli­che Deka­den tole­rie­ren, bevor eine Krank­heit aus­bricht, die auf eine Unver­träg­lich­keit von Glu­ten zurück geht.

Die For­scher gehen davon aus, dass ein oder meh­re­re Umwelt­fak­to­ren abseits des Glu­tens eine Rol­le spie­len. Beson­ders kom­men die Anti­bio­ti­ka-Ein­nah­me, eine Ver­än­de­rung der Darm­flo­ra (Pil­ze, Para­si­ten), und eine Beein­träch­ti­gung des Darm­im­mun­sys­tems (nied­ri­ges IgA) in Betracht. Ein zuneh­men­des Pro­blem scheint die Min­de­rung der Akti­vi­tät der Bauch­spei­chel­drü­se (Pan­kre­as­insuf­fi­zi­enz) zu sein. Hier­bei kommt es zu einer Abnah­me der Pro­duk­ti­on bzw. Akti­vi­tät der Ver­dau­ungs­en­zy­me. Unver­dau­te Nah­rungs­be­stand­tei­le kön­nen nun in die tie­fe­ren Darm­ab­schnit­te gelan­gen und immu­no­lo­gi­sche Reak­tio­nen und Ent­zün­dun­gen her­vor­ru­fen.

Frü­her wur­de die Zölia­kie (Getrei­de­un­ver­träg­lich­keit) als rei­ne gastro­in­tes­ti­na­le Erkran­kung gese­hen, die in der Kind­heit als Darm­er­kran­kung (Mal­ab­sorp­ti­ons­syn­drom) nach dem Ver­zehr glu­ten­hal­ti­ger Getrei­de­pro­duk­te mit fol­gen­den Sym­pto­men asso­zi­iert war: Durch­fall, Bauch­schmer­zen, Gewichts­ab­nah­me, Gedeih­stö­run­gen und Blä­hun­gen. Die Dia­gno­se Zölia­kie bzw. Sprue wur­de durch posi­ti­ve Anti-Glia­din-Anti­kör­per im Blut und eine Gewe­be­pro­be im Dünn­darm (Zot­tenatro­phie) bestä­tigt. Durch eine glu­ten­freie Diät ver­bes­ser­ten sich die Beschwer­den und auch die Darm­zot­ten erhol­ten sich wie­der, wäh­rend nach erneu­tem Ver­zehr von Getrei­de­pro­duk­ten die Sym­pto­me wie­der­holt auf­tra­ten.

Das Risi­ko, an einer Getrei­de­un­ver­träg­lich­keit zu erkran­ken, nimmt stark zu. Zölia­kie bricht nicht, wie häu­fig ange­nom­men, haupt­säch­lich in der Kind­heit aus, viel­mehr steigt die Häu­fig­keit der Erkran­kung in der Alters­grup­pe ab 50 deut­lich an. Seit 1974 hat sich das Auf­tre­ten der Auto­im­mun­erkran­kung alle 15 Jah­re ver­dop­pelt.

In einer kana­di­schen Stu­die an 2.681 Erwach­se­nen, bei denen eine Zölia­kie mit­tels Dünn­darm­bi­op­sie fest­ge­stellt wer­den konn­te, dau­er­te es bis zur Dia­gno­se­stel­lung im Mit­tel 11,7 Jah­re! In einer ähn­li­chen Stu­die in den USA dau­er­te es bis zur Dia­gno­se­stel­lung 11 Jah­re (3). Wie viel Leid, Medi­ka­men­ten­ein­nah­me und Psy­cho­the­ra­pie hät­te den Pati­en­ten wohl erspart wer­den kön­nen? Wie vie­le Kos­ten sind durch die ver­spä­te­te Dia­gno­se­stel­lung dem Gesund­heits­sys­tem wohl ent­stan­den? Prof. Fasa­no und sei­nem Team an der Har­vard Medi­cal School in den USA ver­dan­ken wir es zu ver­ste­hen, wie sich die gene­ti­sche Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit, näm­lich die Zölia­kie, von der Wei­zen­all­er­gie unter­schei­det und die­se von einer drit­ten Vari­an­te, der Glu­ten­sen­si­bi­li­tät.

Chro­nisch kran­ke Pati­en­ten, die vor­her drei oder mehr Ärz­te auf­ge­sucht hat­ten, lit­ten in Wahr­heit an einer Glu­ten­sen­si­bi­li­tät – also an der Nicht-Zölia­kie-Glu­ten-Unver­träg­lich­keit. Vor­her hat­ten die Ärz­te bei ihnen ganz ande­re Erkran­kun­gen dia­gnos­ti­ziert:
  • Anämie / Blut­ar­mut (40 %)
  • Stress (31 %)
  • Reiz­darm­syn­drom (29 %)

Trotz moder­ner Unter­su­chungs­me­tho­den bleibt immer noch eine gewis­se Unsi­cher­heit. Auch wenn die klas­si­schen Zölia­kie­un­ter­su­chun­gen unauf­fäl­lig sind, kann ein klei­ner Anteil der Pati­en­ten den­noch an einer Zölia­kie lei­den, beson­ders wenn über die in Tab. 3 genann­ten Leit-Sym­pto­me berich­tet wird.

Tabel­le 3:
Leit­sym­pto­me: Ver­dacht auf Zölia­kie
  • Blut­ar­mut
  • Gewichts­ab­nah­me
  • Durch­fall

Die Rol­le der erhöh­ten Darm­durch­läs­sig­keit (Leaky Gut) bei chro­ni­schen Erkran­kun­gen

Nah­rungs­mit­tel – wie Getrei­de, Milch u. a. – ste­hen immer häu­fi­ger im Ver­dacht, ent­zünd­li­che Pro­zes­se im Darm zu ver­ur­sa­chen, die zu einer erhöh­ten Durch­läs­sig­keit der Darm­schleim­haut füh­ren. Es kommt zu einer Ver­let­zung bzw. Zer­stö­rung der Darm­bar­rie­re mit der Fol­ge eines ver­stärk­ten Ein­stroms unver­dau­ter Nah­rungs­be­stand­tei­le, Bak­te­ri­en­bruch­stü­cken und ande­ren Eiweiß­bau­stei­nen, die im Blut­kreis­lauf Ent­zün­dungs­re­ak­tio­nen und All­er­gi­en aus­lö­sen.

Die­ser Vor­gang wird als Leaky – Gut bezeich­net. Die Immun­zel­len des Dar­mes infor­mie­ren sofort die asso­zi­ier­ten Immun­zel­len des Gehirns wie die Glia­zel­len, die eben­falls Signal­stof­fe frei­set­zen und somit eine Ent­zün­dung und eine Stö­rung der Blut-Hirn-Schran­ke ver­ur­sa­chen. Mit einer Ver­let­zung der bei­den wich­ti­gen Bar­rie­ren unse­res Kör­pers (Darm/Blut und Blut/Hirn) wird eine Kas­ka­de von Abwehr­re­ak­tio­nen ein­ge­lei­tet, um den Ein­strom von Fremd­pro­te­inen zu stop­pen. Es stei­gen Anti­kör­per im Blut­kreis­lauf an und es kommt zur Bil­dung von unlös­li­chen Immun­kom­ple­xen, die sich im Gehirn abla­gern und dort zu chro­ni­schen Erkran­kun­gen füh­ren kön­nen, die frü­her nicht mit dem Darm in Ver­bin­dung gebracht wor­den sind. Man nennt die­se Reak­tio­nen extrain­tes­ti­na­le Sym­pto­me (sie­he Tab. 1). Dra­ma­tisch sind die chro­nisch neu­ro­lo­gi­schen Stö­run­gen wie Kopf­schmer­zen, Migrä­ne, Schwin­del, Ata­xi­en (Stö­run­gen der Bewe­gungs­ko­or­di­na­ti­on), epi­lep­ti­sche Anfäl­le und Ver­hal­tens­stö­run­gen wie ADHS (Auf­merk­sam­keits-Defi­zit-Hyper­ak­ti­vi­täts-Syn­drom), Autis­mus und chro­ni­sche Erschöp­fung (CFS).

Gehirn­ent­zün­dung durch Getrei­de

Ver­bun­den mit einer erhöh­ten Darm­durch­läs­sig­keit ver­stärkt sich auch die Durch­läs­sig­keit der Blut-Hirn-Schran­ke, erwähnt der Neu­ro­lo­ge Dr. David Perl­mut­ter, Autor des kürz­lich erschie­nen Buches „Grain Brain“ (1) wäh­rend des 10. Inte­gra­ti­ve Health­ca­re Sym­po­si­ums in New York im Febru­ar 2014. Dr. Perl­mut­ter teil­te mir dort mit, dass er sich zukünf­tig ganz beson­ders um das Phä­no­men „Leaky Gut“ küm­mern wol­le, denn nach sei­ner Auf­fas­sung ist u. a. eine Getrei­de las­ti­ge Ernäh­rung ein Haupt­grund für die Zunah­me von Alz­hei­mer und ande­ren For­men der Demenz. Eine exzes­si­ve Getrei­de­kost füh­re u. a. über den Glu­ko­se­an­stieg im Blut (Hyper­gly­kä­mie) zur Insu­lin­re­sis­tenz und chro­ni­scher Ent­zün­dung.

BILDER EINFÜGEN

Das Gehirn reagiert extrem emp­find­lich auf die durch chro­nisch hohe Glu­ko­se­wer­te ver­ur­sach­ten gly­ko­li­sier­ten Pro­te­ine wie das gly­ko­li­sier­te Hämo­glo­bin (HbA1c). Die­se ner­ven­schä­di­gen­den Reak­tio­nen wür­den durch Glu­ten ver­stärkt. Glu­ten schä­di­ge als mito­chon­dria­les Gift die Ener­gie­zen­tra­len unse­rer Zel­len. Hier­durch kom­me es schließ­lich zu einer Abnah­me des Volu­mens bestimm­ter Hirn­area­le wie Hip­po­cam­pus und Amyg­da­la.
Perl­mut­ter sieht in Glu­ten eine grund­sätz­lich hirn­schä­di­gen­de Sub­stanz. Er prä­sen­tier­te in New York Kern­spin-Auf­nah­men (MRT) von einem Pati­en­ten, der an chro­ni­schem migrä­ne­ar­ti­gen Kopf­schmerz litt. Man sah groß­flä­chi­ge, mil­chi­ge Ver­än­de­run­gen (kon­flu­ie­ren­de Läsio­nen), die an Mul­ti­ple Skle­ro­se oder ein Tumor­ge­sche­hen erin­ner­ten. Es han­del­te sich hier­bei jedoch um einen Pati­en­ten mit einer Glu­ten­sen­si­bi­li­tät (Abb.2).

Nah­rungs­mit­tel stö­ren Gehirn­stoff­wech­sel

Gehirn­stö­run­gen durch mor­phin­ähn­li­che Kom­po­nen­ten in der Nah­rung: Exor­phi­ne begüns­ti­gen Hyper­ak­ti­vi­tät, Autis­mus, Depres­sio­nen und sogar Schi­zo­phren.

Unver­dau­te Eiwei­ße aus Getrei­de und auch Kuh­milch wie z. B. Glu­teno­mor­phi­ne oder Caso­mor­phi­ne kön­nen zu Stö­run­gen im Gehirn­stoff­wech­sel füh­ren. Wenn es im Darm u. a. durch die Frei­set­zung von Zonu­lin zu einer erhöh­ten Durch­läs­sig­keit kommt, wer­den gleich­zei­tig die Bar­rie­ren in den Lun­gen und im Gehirn (Blut-Hirn-Schran­ke) beein­träch­tigt.

Nicht nur klas­si­sche All­er­gi­en, Glu­ten­an­ti­kör­per etc. son­dern auch Ver­dau­ungs­stö­run­gen kön­nen Hyper­ak­ti­vi­tät, Autis­mus, Depres­sio­nen und sogar Schi­zo­phre­nie aus­lö­sen bzw. ver­stär­ken. Die­se so genann­ten Poly­pep­ti­de stam­men aus Getrei­de und Kuh­milch und wer­den als Exor­phi­ne (bzw. Exo­mor­phi­ne) bezeich­net. Je nach Her­kunft hei­ßen sie Glu­ten­mor­phi­ne (aus Getrei­de) oder Caso­mor­phi­ne (aus Kuh­milch). Bei den Exor­phi­nen han­delt es sich um opi­at­ähn­li­che Pep­ti­de, die bei einer gestör­ten Ver­dau­ungs­leis­tung aus Nah­rungs­pro­te­inen gebil­det wer­den.

Beson­ders bei einer erhöh­ten Durch­läs­sig­keit der Darm­schleim­haut (Leaky Gut) kön­nen die­se Poly­pep­ti­de zu Stö­run­gen im Gehirn­stoff­wech­sel füh­ren. Glu­ten­mor­phi­ne behin­dern den Rei­fe­pro­zess des Gehirns und z. B. das Glu­ten­mor­phin A5 ist asso­zi­iert mit Stö­run­gen der Auf­merk­sam­keit und Hyper­ak­ti­vi­tät. Eine ande­re Frak­ti­on, die Glia­di­no­mor­phi­ne, wird beson­ders bei einer erhöh­ten Darm­durch­läs­sig­keit (Leaky Gut) nach­ge­wie­sen. Die­se kön­nen zu Ver­hal­tens­stö­run­gen bei Kin­dern füh­ren. Eine wei­zen­freie Diät führt rela­tiv rasch wie­der zu einem Absin­ken der Glia­di­no­mor­phi­ne. Neben einer Eli­mi­na­ti­ons­di­ät emp­feh­le ich mei­nen Pati­en­ten unbe­dingt auch die Ein­nah­me von Enzy­men zur Ver­bes­se­rung der Ver­dau­ungs­leis­tung (3).

Fall­bei­spie­le aus mei­ner Pra­xis zur Glu­ten­sen­si­ti­vi­tät

Bri­git­te G. (53) lei­det seit Jah­ren an dif­fu­sen kör­per­li­chen und neu­ro­lo­gi­schen Beschwer­den, die dazu führ­ten, dass sie mit der Dia­gno­se „psy­cho­so­ma­ti­sches Belas­tungs­syn­drom“ seit Anfang 2014 Erwerbs­min­de­rungs­ren­te bezieht. Sie erzähl­te mir, dass kei­ner der behan­deln­den Ärz­te auf die Schil­de­run­gen ihrer aus­ge­präg­ten Unver­träg­lich­keits­re­ak­tio­nen näher ein­ge­gan­gen sei. Bri­git­te berich­tet, dass nach dem Ver­zehr von Kuchen, Tor­ten, Eis und ver­schie­de­nen Fer­tig­nah­rungs­mit­teln häu­fig neu­ro­lo­gi­sche Reak­tio­nen, näm­lich Stö­run­gen des Ori­en­tie­rungs­sinns, auf­ge­tre­ten sei­en. Sie hat­te den Ver­dacht, dass auch ihre ande­ren Beschwer­den etwas mit Nah­rungs­mit­teln oder Zusatz­stof­fen zu tun haben muss­ten und begann, sich noch genau­er zu beob­ach­ten. Auf­fäl­lig war, dass immer wie­der nach dem Ver­zehr von Crois­sants oder Back­wa­ren aus dem Super­markt ein Ste­chen und Bren­nen am gan­zen Kör­per – genau­er gesagt ein Bren­nen unter der Haut auf­ge­tre­ten ist. Bri­git­te konn­te sich nicht vor­stel­len, dass alles nur psy­chos­mo­ma­tisch sei, so wie es ihre Ärz­te dia­gnos­ti­ziert hat­ten. Sie ent­schied sich, auf alle glu­ten­hal­ti­gen Nah­rungs­mit­tel zu ver­zich­ten und stell­te mit gro­ßem Erstau­nen fest, dass sich vie­les bes­ser­te, sogar die star­ken Gedächt­nis- und Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen waren rasch abge­klun­gen.

Bei Manue­la L. (62) wur­de bereits vor 30 Jah­ren Asth­ma bron­chia­le fest­ge­stellt. Sie wur­de auf die übli­chen Asth­ma­me­di­ka­men­te (z. B. Anti­hist­ami­ni­ka, Cor­ti­son­s­pray) ein­ge­stellt. Manue­la woll­te sich nicht mit einer sol­chen Dia­gno­se abfin­den und frag­te ihre Ärz­te, ob sie nun sol­che Medi­ka­men­te bis ins Ren­ten­al­ter ein­neh­men sol­le. Der ärzt­li­che Kom­men­tar lau­te­te: „Sei­en Sie froh, dass wir eine Dia­gno­se haben und somit Ihnen auch gezielt wir­ken­de Medi­ka­men­te ver­ord­nen kön­nen.“ Hier­mit muss­te sie sich zunächst zufrie­den geben. Aller­dings ver­schlech­ter­ten sich die Beschwer­den im Lau­fe der Zeit deut­lich. Die Bron­chi­al­schleim­haut wur­de immer emp­find­li­cher. Mitt­ler­wei­le reagier­te sie hef­tig bereits auf gerin­ge Men­gen an Par­füm, Far­ben, Kunst­stoff­aus­düns­tun­gen und Lösungs­mit­tel. Man könn­te dies als Mul­ti­ple-Che­mi­ka­li­en-Sen­si­bi­li­tät (MCS) bezeich­nen. Beson­ders ein­schnei­dend waren die Erschöp­fungs­sym­pto­me, die als plötz­lich auf­tre­ten­de blei­er­ne Müdig­keit auf­tra­ten.

Mich per­sön­lich erin­ner­ten die Beschwer­den an eine Nar­ko­lep­sie. Hier­bei fal­len die Pati­en­ten in einen plötz­li­chen Tief­schlaf. Dass sol­che Reak­tio­nen sehr gefähr­lich sind, muss nicht beson­ders betont wer­den. Den­ken wir an Auto­fah­rer, die nach dem Ein­at­men von che­mi­schen Sub­stan­zen oder dem Ver­zehr von Nah­rungs­mit­teln plötz­lich der­ar­tig reagie­ren!

Manue­la erhöh­te die Dosie­rung der ver­ab­reich­ten Arz­nei­mit­tel, was jedoch kei­ne wesent­li­che Bes­se­rung bewirk­te. Der Durch­bruch kam, nach­dem wir uns für umwelt­me­di­zi­ni­sche Blut­un­ter­su­chun­gen zur Abklä­rung von All­er­gi­en und Schad­stoff­be­las­tun­gen ent­schie­den hat­ten. Bei meh­re­ren Nah­rungs­mit­teln – ein­schließ­lich Glu­ten – konn­ten posi­ti­ve Anti­kör­per­wer­te nach­ge­wie­sen wer­den. Das bedeu­tet, dass sich das Immun­sys­tem gegen die­se Nah­rungs­mit­tel im Sin­ne einer ent­zünd­li­chen Abwehr­re­ak­ti­on wehrt. Da die Reak­tio­nen häu­fig – nicht wie bei einer klas­si­schen all­er­gi­schen Sofort­re­ak­ti­on – erst mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung auf­ge­tre­ten waren, konn­te Manue­la die Ursa­che und Wir­kung nicht so ein­fach erken­nen.

Ich habe neben einer Ernäh­rungs­um­stel­lung emp­foh­len, spe­zi­el­le Enzy­me zur Unter­stüt­zung der Ver­dau­ungs­leis­tung, freund­li­che Darm­bak­te­ri­en (Pro­bio­ti­ka) und bestimm­te Nähr­stoff­prä­pa­ra­te zur Sta­bi­li­sie­rung der Darm­bar­rie­re ein­zu­neh­men.

Durch eine kon­se­quen­te Eli­mi­na­ti­ons­di­ät, die auch glu­ten­hal­ti­ge Getrei­de umfasst, trat eine rasche Bes­se­rung ein. Die Erschöp­fungs­sym­pto­me sind sehr schnell abge­klun­gen. Manue­la berich­te­te noch über einen über­ra­schen­den Neben­be­fund: der mit­un­ter hef­ti­ge ana­le Juck­reiz war durch die glu­ten­freie Ernäh­rung end­gül­tig ver­schwun­den – eine wirk­li­che Erleich­te­rung.

Auf die regel­mä­ßi­ge Ein­nah­me der emp­foh­le­nen Nähr­stoff- und Enzym­prä­pa­ra­te möch­te sie nicht ver­zich­ten. Sie hat fest­ge­stellt, dass gele­gent­li­che Diät­feh­ler z. B. bei einem Restau­rant­be­such kei­ne Beschwer­den mehr aus­lös­ten. Manue­la weiß, dass die Enzy­me auch all­er­ge­ne Bestand­tei­le in Nah­rungs­mit­teln ver­dau­en und somit unschäd­lich machen kön­nen.

Fazit: Kein Asth­ma, kei­ne Asth­ma­me­di­ka­men­te, kein ana­ler Juck­reiz, kei­ne Erschöp­fung. Also ein erheb­li­cher Gewinn an Lebens­qua­li­tät durch die glu­ten­freie Kost und eine Darm­pfle­ge mit Pro­bio­ti­ka, Mine­ral­stof­fen und Enzy­men.

Anmer­kung des Autors:
Die geschil­der­ten Fäl­le zei­gen, dass wir Ärz­te uns bei chro­ni­schen Beschwer­den immer die Fra­ge stel­len müs­sen, ob es sich wirk­lich um eine Krank­heit oder „nur“ um ein Sym­ptom han­delt und ob nicht nor­ma­le Grund­le­bens­mit­tel wie Getrei­de oder Milch die Ursa­che oder der Ver­stär­ker der Sym­pto­me sein kön­nen?

Glu­ten-Dia­gnos­tik bei chro­ni­schen Erkran­kun­gen

Da die meis­ten Zölia­kie­pa­ti­en­ten kei­ne kli­ni­schen Sym­pto­me zei­gen, geht der Neu­ro­lo­ge Dr. Perl­mut­ter davon aus, dass die heu­ti­ge Zahl an Zölia­kie­pa­ti­en­ten 20fach höher ist als noch vor zwei Jahr­zehn­ten. Er zitiert den Dr. Rod­ney Ford aus Neu­see­land, der schätzt, dass mitt­ler­wei­le jeder zehn­te an einer Glu­ten­sen­si­bi­li­tät lei­det (1).
In unse­rem Insti­tut legen wir daher Wert auf moder­ne Dia­gnos­tik, die über das kas­sen­üb­li­che Spek­trum hin­aus­geht. Bei chro­ni­schen Erkran­kun­gen soll­ten Spei­chel-, Blut- und Stuh­lana­ly­sen durch­ge­führt wer­den, um fol­gen­de Berei­che abzu­klä­ren:

  • Glu­ten- und Nah­rungs­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten
  • Gestör­te Darm­flo­ra (Dys­bio­se, Can­di­da, Para­si­ten)
  • Pan­kre­as­insuf­fi­zi­enz (Enzym­man­gel)
  • Eine erhöh­te Durch­läs­sig­keit (Leaky Gut)

Bei der Getrei­de­un­ver­träg­lich­keit müs­sen wir all­er­gi­sche von immu­no­lo­gi­schen bzw. all­er­go-toxi­schen Reak­tio­nen unter­schei­den. Um den kom­pli­zier­ten Sach­ver­halt zu ver­ein­fa­chen, tei­le ich die Reak­tio­nen in vier gro­ße Grup­pen ein:

  • Zölia­kie,
  • Wei­zen- bzw. Getrei­de­all­er­gie,
  • Glu­ten­sen­si­bi­li­tät,
  • Pep­t­i­dun­ver­träg­lich­keit (Glu­ten- und Caso­mor­phi­ne).

Die fol­gen­den medi­zi­ni­schen Unter­su­chun­gen gehö­ren zur Basis­dia­gnos­tik:

1. Zölia­kie

Es han­delt sich um eine Immun­erkran­kung. Weil sie vie­le Orga­ne betrifft, wird sie als Mul­ti­sys­tem­er­kran­kung bezeich­net. Bei einer posi­ti­ven Zölia­kie­dia­gno­se ist eine lebens­lan­ge glu­ten­freie Diät erfor­der­lich!
Zur Abklä­rung einer Zölia­kie wird eine Dünn­darm­spie­ge­lung vor­ge­nom­men. Es zeigt sich häu­fig eine Rück­bil­dung der Darm­zot­ten (Zot­tenatro­phie). Aller­dings kann auch bei Vor­lie­gen einer intak­ten Zot­ten­land­schaft eine Zölia­kie nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Spe­zi­el­le Blut­ana­ly­sen kön­nen wei­te­re Klar­heit schaf­fen. Bei akti­ver Zölia­kie las­sen sich bei den meis­ten Pati­en­ten (über 90 %) Anti­kör­per im Blut gegen das Enzym Gewebs­trans­glut­ami­na­se (tTGA-IgA) nach­wei­sen . Dar­über hin­aus ist es hilf­reich, auch nach wei­te­ren Anti­kör­pern gegen eine spe­zi­el­le Form des Gliadins, das dea­m­i­dier­te Glia­din Pep­tid (DGP), zu suchen. Hier­bei wer­den Anti­kör­per des Typs IgA und IgG bestimmt.

Fol­gen­de Unter­su­chun­gen sind zu emp­feh­len:

  • Anti-Gewebs­trans­glut­ami­na­se-Anti­kör­per (tTGA-IgA)
    Wich­tig: 7 % der Trans­glut­ami­na­se-nega­ti­ven Per­so­nen haben eine Zölia­kie.
  • Dea­m­i­dier­tes Glia­din (DGP)
  • Gene­ti­sche Ana­ly­se: HLA-Typi­sie­rung (DQ 28) Wich­tig: Ein nega­ti­ver gene­ti­scher Test (HLA-Typi­sie­rung) spricht stark gegen eine Zölia­kie.

Ein posi­ti­ver gene­ti­scher Test ist aber kein 100 %-iger Zölia­kie­be­weis, denn auch 25 – 40 % gesun­der Men­schen tra­gen die gene­ti­schen Merk­ma­le, näm­lich die Alle­le für HLA DQ2 und DQ8.

2. Wei­zen bzw. Getrei­de­all­er­gie

Haupt­re­ak­tio­nen: Grä­ser­pol­len­all­er­gie und Bäcker­asth­ma. Es besteht eine All­er­gie gegen Albu­min und Glo­bu­lin in der äuße­ren Scha­le des Korns. Dia­gnos­tik: Blut- und Haut­tests (IgE- und Prick-Test), Lym­pho­zy­ten-Trans­for­ma­ti­ons-Tests (LTT), Abklä­rung einer Kreuz­all­er­gie u. a. durch neue mole­ku­la­re All­er­gie­tests.

3. Glu­ten­sen­si­bi­li­tät

  • Nicht-Zölia­kie-Glu­ten-Sen­si­bi­li­tät
    (NCGS = Non-Celiac-Glu­ten-Sen­si­ti­vi­ty)

Die Dia­gnos­tik zur Abklä­rung einer Glu­ten­sen­si­bi­li­tät befin­det sich noch im For­schungs­sta­di­um. Ergän­zend zu den o.g. Anti­kör­per­tests, die zum Aus­schluß einer Zölia­kie und der Wei­zen­all­er­gie ana­ly­siert wer­den, emp­feh­le ich den Lym­pho­zy­ten-Trans­for­ma­ti­ons-Test (LTT) auf Glu­ten sowie die Bestim­mung von Zonu­lin im Blut (s. o.).

4. Pep­t­i­dun­ver­träg­lich­keit / Ver­dau­ungs­stö­run­gen

  • Glu­ten­mor­phi­ne und Caso­mor­phi­ne
  • Pep­ti­d­ana­ly­sen im Urin
  • Über­prü­fung der Ver­dau­ungs­leis­tung (Pan­kre­as­insuff­zi­enz)

5. Stuhl- und Ver­dau­ungs­ana­ly­se

  • Gene­ti­scher Stuhl­test
    mit Bestim­mung der Arten­viel­falt (Diver­si­ty Asso­cia­ti­on) unter Ein­satz moder­ner Ana­ly­se­tech­ni­ken wie Mal­di-Tof (Matrix-unter­stütz­te Laser Resorp­ti­on/Io­ni­sa­ti­on-Time of Flight).

Darm­the­ra­pie: Das 4-R-Kon­zept

  1. Remo­ve / Weg­las­sen (Nah­rung)
  2. Replace / Hin­zu­fü­gen (Enzy­me)
  3. Reino­cu­la­te / Neu­be­sie­de­lung
    (freund­li­che Bakterien/Probiotika)
  4. Repair / Repa­ra­tur (Glut­amin, Vit­ami­ne und Mine­ral­stof­fe)

(Der Darm denkt mit, K. D. Runow, Süd­west­ver­lag, Mün­chen
Quel­le: Insti­tut für Func­tio­n­al Medi­ci­ne, Federal Way, WA, USA)

Remo­ve (Eliminieren/Weglassen)

Nah­rungs­mit­tel, die all­er­gi­sche bzw. pseu­do­all­er­gi­sche Reak­tio­nen ver­ur­sa­chen müs­sen gemie­den wer­den. Das Weg­las­sen kann durch­aus auch Grund­nah­rungs­mit­tel wie Milch (bzw. Milch­zu­cker), Getrei­de (Glu­ten), Ei, Nüs­se, Zucker etc. betref­fen. Hefepil­ze soll­ten mit Anti­pilz-Prä­pa­ra­ten behan­delt wer­den (zunächst pflanz­li­che Mit­tel ver­su­chen). Glei­ches gilt für Para­si­ten und ande­re stö­ren­den Kei­me. Eli­mi­niert wer­den müs­sen auch Toxi­ne. Schwer­me­tal­le (z. B. Amal­gam­fül­lun­gen) füh­ren zu einer täg­li­chen Belas­tung des Darms mit Queck­sil­ber, Sil­ber, Zinn und Kup­fer.

Replace (Ersetzen/Hinzufügen)

Die­ser The­ra­pie­be­reich bezieht sich in ers­ter Linie auf die Unter­stüt­zung der Ver­dau­ungs­leis­tung durch Enzy­me. Unser Kör­per stellt ab der Puber­tät in jedem Lebens­jahr­zehnt 10 – 13 % weni­ger Enzy­me her. Somit kommt es ganz natür­lich im Lau­fe des Älter­wer­dens zu Pro­ble­men mit der Ver­dau­ungs­leis­tung. Bei einem Man­gel an Magen­säu­re kann die Ein­nah­me von Enzy­men, Pep­sin, Betain-HCl, pflanz­li­che Mit­tel (Diges­ti­va) hilf­reich sein. Zusätz­lich sind eine faser­rei­che Kost und auch eine aus­rei­chen­de Was­ser­zu­fuhr zu emp­feh­len. Dar­über hin­aus kön­nen Umwelt­gif­te, wie Schwer­me­tal­le, die Ver­dau­ungs- und Stoff­wech­sel­en­zy­me stö­ren bzw. inak­ti­vie­ren. Mei­nen Pati­en­ten emp­feh­le ich die neu­en pH-sta­bi­len, Pflan­zen basier­ten Enzy­me, die bereits im Magen aktiv mit der Ver­dau­ungs­för­de­rung begin­nen. Dies ist ein wesent­li­cher Vor­teil gegen­über den han­dels­üb­li­chen Enzy­men, die aus tie­ri­schen Bauch­spei­chel­drü­sen gewon­ne­nen wer­den.

Reinoc­cu­la­te (Neu­be­sie­de­lung)

Die freund­li­che Darm­bak­te­ri­en­flo­ra soll­te durch die Ein­nah­me von pro­bio­ti­schen Bak­te­ri­en­stäm­men (z. B. Lak­toba­zil­len, Bifi­do­bak­te­ri­en) etc. unter­stützt bzw. wie­der­be­sie­delt wer­den. Bifi­do­bak­te­ri­en ver­min­dern die durch Glia­din­pep­ti­de ver­ur­sach­ten Ent­zün­dungs­re­ak­tio­nen im Darm­epi­thel.

Durch die häu­fi­ge Ver­ord­nung von Anti­bio­ti­ka kommt es bei immer mehr Men­schen zu einer Beein­träch­ti­gung ihrer Darm­flo­ra – ein Zustand, der über vie­le Mona­te anhal­ten und zum Teil erheb­li­che Beglei­ter­kran­kun­gen ver­ur­sa­chen kann.

Aus die­sem Grund hal­te ich es für sinn­voll, im Rah­men einer mikro­bio­lo­gi­schen Stuh­lana­ly­se auch die Ver­tei­lung der freund­li­chen Bak­te­ri­en und auch die Arten­viel­falt (Micro­bi­al Diver­si­ty Asso­cia­ti­on) zu unter­su­chen. Bei deut­lich ernied­rig­ten Antei­len an freund­li­chen Bak­te­ri­en­stäm­men emp­feh­le ich die Ein­nah­me von hoch­do­sier­ten pro­bio­ti­schen Prä­pa­ra­ten, die u. a. Lak­toba­zil­len und Bifi­do­bak­te­ri­en ent­hal­ten.. Es soll­ten grund­sätz­lich ver­meh­rungs­fä­hi­ge Bak­te­ri­en sein. Man­che Pro­duk­te ent­hal­ten zehn bis zwölf ver­schie­de­ne Bak­te­ri­en­stäm­me mit einer hohen Keim­zahl von bis zu 20 Mil­li­ar­den Bak­te­ri­en pro Kap­sel.

Nach sechs bis acht Wochen kann der Erfolg der The­ra­pie durch eine erneu­te mikro­bio­lo­gi­sche Stuhl­kon­trol­le über­prüft wer­den. Wenn sich die ein­ge­nom­men Bak­te­ri­en nicht hin­rei­chend auf der Darm­schleim­haut ver­mehrt haben soll­ten, muss auf ein ande­res Pro­bio­ti­kum umge­stellt wer­den bzw. soll­ten auch die ande­ren the­ra­peu­ti­schen Maß­nah­men über­prüft wer­den.

Repair (Repa­ra­tur)

… der Darm­schleim­haut und der immun­kom­pe­ten­ten Zen­tren in der Darm­wand.

Bei einer durch All­er­gi­en, Gif­te und mikro­bio­lo­gi­sche Fehl­be­sie­de­lung etc. ent­zün­de­ten Darm­schleim­haut set­ze ich Fisch­öl (Ome­ga-3-Fett­säu­ren), pflanz­li­che Sub­stan­zen, Mine­ral­stof­fe und Vit­ami­ne ein. Neben Vit­amin C, Zink, Selen, Glutathion und Coen­zym-Q10 dür­fen die fett­lös­li­chen Vit­amin A, D3, E (gemisch­te Toco­phe­ro­le, Toco­tri­eno­le) und Vit­amin K2 (Men­aqui­non-7) bei der Behand­lung der Darm­schleim­haut nicht feh­len.

Aus der Grup­pe der pflanz­li­chen Wirk­stof­fe emp­feh­le ich ger­ne Kur­ku­ma (Cur­cu­min, Tur­me­ric). Kur­ku­ma wird aus der Gelb­wur­zel, die auch als gel­ber Ing­wer bezeich­net wird, gewon­nen. Kur­ku­ma ist der Haupt­an­teil im Cur­ry. Dar­über hin­aus emp­feh­le ich Lakritz (mög­lichst ohne Gly­cyrrhi­zin).

Glut­amin unter­stützt die Darm­bar­rie­re

Beson­ders hilf­rei­che Sub­stan­zen zur Unter­stüt­zung der Darm­bar­rie­re sind Glut­amin, Phos­pha­ti­dyl­cho­lin und die kurz­ket­ti­ge Fett­säu­re Buty­rat (But­ter­säu­re).

Glut­amin ist ein wich­ti­ger Stick­stoff­trä­ger und gehört zu den pro­te­in­bil­den­den Ami­no­säu­ren. Es kann vom Kör­per selbst her­ge­stellt oder auch durch die Nah­rung zuge­führt wer­den. Glut­amin ist nicht Glut­amin­säu­re! Bei­de Ami­no­säu­ren haben unter­schied­li­che Funk­tio­nen im Orga­nis­mus. Glut­amin­säu­re besitzt nur eine Ami­no­grup­pe, Glut­amin hat zwei Ami­no­grup­pen. Glut­amin­säu­re ist ein Mit­tel gegen geis­ti­ge Ermü­dung und Erschöp­fung, wäh­rend Glut­amin für die Inte­gri­tät der Darm­schleim­haut und des Immun­sys­tems von Bedeu­tung ist. Wäh­rend Glut­amin­säu­re und Glut­ama­te (auch als Geschmacks­ver­stär­ker bezeich­net) bei Kin­dern zu Hyper­ak­ti­vi­tät und Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen füh­ren kön­nen, wirkt Glut­amin im zen­tra­len Ner­ven­sys­tem ent­gif­tend durch den Abbau von Ammo­ni­ak. Glut­amin wird in der Nie­re durch das Enzym Glut­ami­na­se in Glut­amin­säu­re und ein Ammo­ni­um­i­on trans­for­miert. Hier­durch kommt es zu einem Anstieg des pH-Wer­tes, wobei einer Über­säue­rung (Aci­do­se) ent­ge­gen­ge­wirkt wird. Glut­amin ist not­wen­dig, um Vit­amin B3 (Nia­cin) in Niko­tin­amid umzu­wan­deln. Niko­tin­amid ist ein Bestand­teil wich­ti­ger Coen­zy­me: NAD, NADH, NADP, NADPH.

Nied­ri­ge Glut­amin­wer­te kön­nen bei einer pro­tein­ar­men Diät sowie bei gastro­in­tes­ti­na­len Stö­run­gen auf­tre­ten. Ist der Orga­nis­mus einem beson­de­ren meta­bo­li­schen Stress aus­ge­setzt, so kommt es zu erhöh­ten Stick­stoff­ver­lus­ten und als Fol­ge davon zu einem Glut­amin-Man­gel. Bei Glut­amin-Defi­zi­ten kann eine muko­sa­le Atro­phie auf­tre­ten, wodurch die Bar­rie­re­funk­ti­on des Dar­mes ver­min­dert wird. Hier­durch besteht die Gefahr, dass ver­mehr­te Darm­kei­me oder Nah­rungs­be­stand­tei­le in die Blut­bahn gelan­gen. Die Gabe von Glut­amin­prä­pa­ra­ten hat sich bei chro­nisch ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen mit einer erhöh­ter Darm­durch­läs­sig­keit als nütz­lich erwie­sen.

Glut­amin dient Zel­len mit hoher Zell­tei­lungs­ra­te, beson­ders den Schleim­haut­zel­len (Muko­sa-Zel­len) des Dünn­dar­mes und den Lym­pho­zy­ten als Ener­gie­sub­strat und wird daher in Pha­sen erhöh­ter immu­no­lo­gi­scher Akti­vi­tät ver­mehrt ver­braucht. Nach star­kem kör­per­li­chen Stress kann der Glut­amin­spie­gel im Plas­ma absin­ken (beson­ders bei Sport­lern). Die Ein­nah­me von Glut­amin kann die Bil­dung von sekre­to­ri­schem IgA (sIgA) ver­stär­ken und hat somit einen immun­stär­ken­den Effekt. Dar­über hin­aus hat Glut­amin einen för­dern­den Ein­fluss auf die Mus­kel­bil­dung.

Phos­pha­ti­dyl­cho­lin unter­stützt die Darm­bar­rie­re

Zu den wich­ti­gen Darm­schutz­sub­stan­zen, die früh­zei­tig ver­ab­reicht wer­den soll­ten, gehö­ren Fet­te, die man unter dem Namen Lezit­hin bzw. Phos­pha­ti­dyl­cho­lin kennt. Es han­delt sich um Phos­pho­li­pi­de, die in den Mem­bra­nen pflanz­li­cher und tie­ri­scher Zel­len als Struk­tur­bau­stei­ne vor­kom­men. Im Darm wir­ken sie als Schutz­schicht ähn­lich wie der Sur­fac­tant in der Lun­ge. Eine aus­rei­chen­de Ver­sor­gung mit Phos­pha­ti­dyl­cho­lin schützt die Darm­epi­the­li­en vor einem zu inten­si­ven Kon­takt zu Fremd­pro­te­inen aus Bak­te­ri­en und Nah­rungs­mit­teln im Darm. Hier­durch kommt es zu einer anti­ent­zünd­li­chen Wir­kung, die auch der Ent­ste­hung von Auto­im­mun­erkran­kun­gen ent­ge­gen­wirkt. Bei einer Unter­su­chung an Pati­en­ten mit Coli­tis ulce­ro­sa, einer ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kung, zeig­te sich im Bereich der Rekt­um­schleim­haut eine um 70 % redu­zier­te Phos­pha­ti­dyl­cho­lin-Kon­zen­tra­ti­on.

Eine Auf­stel­lung natür­li­cher Wirk­stof­fe gegen eine erhöh­te Darm­durch­läs­sig­keit sind in Tabel­le 4 auf­ge­lis­tet:

Darm­schutz mit natür­li­chen Wirk­stof­fen

Tabel­le 4:
Wirk­stoff­emp­feh­lun­gen
  • Pro­bio­ti­ka (freund­li­che Darm­bak­te­ri­en: Lak­toba­zil­len,
    Bifi­do­bak­te­ri­en)
    Alter­na­ti­ve – Pro­bio­ti­ka mit Stäm­men, die kein D-Lak­tat
    pro­du­zie­ren:
  • Lak­toba­zil­lus Rham­no­sus (ent­hält lebens­fä­hi­ge freund­li­che Bak­te­ri­en­stäm­me; 10 Mil­li­ar­den KBE)
  • Capryl­säu­re gegen Pil­ze
  • Ore­ga­no (70 % Car­va­crol) – gegen Para­si­ten
  • Quer­ce­tin anti­all­er­gisch, Gefäß­schutz, ent­gif­tet Metal­le
  • Coen­zym Q 10 – Mito­chon­dri­en­schutz
  • Glutathion ent­gif­tet, schützt Ner­ven
  • Ome­ga-3-Fett­säu­ren: anti­ent­zünd­lich
  • Curcuma/Turmeric: anti­ent­zünd­lich, Krebs­schutz
  • Res­ver­a­trol: anti­ent­zünd­lich, Krebs­schutz
  • Vit­amin C, Glut­amin, Phos­pha­ti­dyl­cho­lin, Buty­rat:
    gegen Leaky-Gut
  • Pflanz­li­che Wirk­stof­fe zur Unter­stüt­zung der zel­lu­lä­ren
    Signal­struk­tur (epi­ge­ne­ti­sche Wirk­stof­fe): Quer­ce­tin,
    Brok­ko­li, Res­ver­a­trol, Poly­phe­no­le, Grü­ner Tee (EGCG).

Quel­len

  1. Grain Brain, David Perl­mut­ter,
    Litt­le, Brown & Co, USA, Sep­tem­ber 2013
  2. Zonu­lin! The Wheat Conund­rum Sol­ved (Well, Most­s­ly …),
    Joseph Piz­zor­no, Inte­gra­ti­ve Medi­ci­ne, Vol. 12, No. 4, August 2013
  3. Der Darm denkt mit. K.-D.Runow,
    Süd­west­ver­lag, Mün­chen, 7. Auf­la­ge 2014
  4. Glu­ten­Free­dom
    Ales­sio Fasa­no und Susie Fla­her­ty,
    Wiley, 1. Auf­la­ge, April 2014
  5. Die gan­ze Wahr­heit über Glu­ten
    Ales­sio Fasa­no und Susie Fla­her­ty,
    Süd­west­ver­lag, Mün­chen, April 2015
  6. Had­jiv­as­si­liou Mari­os et al; Glu­ten-rela­ted neu­ro­lo­gic dys­func­tion, Hand­book of Cli­ni­cal Neu­ro­lo­gy, Vol. 120, Else­vier B.V. , 2014
  7. Had­jiv­as­si­liou Mari­os et al: Hea­da­che and CNS white mat­ter abnor­ma­li­ties asso­cia­ted with glu­ten sen­si­ti­vi­ty.
    Neu­ro­lo­gy 2001; 56:386 – 388

Buch­emp­feh­lun­gen

Die gan­ze Wahr­heit über Glu­ten
Ales­sio Fasa­no und Susie Fla­her­ty,
Süd­west­ver­lag, Mün­chen, April 2015

Glu­ten Free­dom
Ales­sio Fasa­no und Susie Fla­her­ty
Ver­lag: Wiley, 1. Auf­la­ge, April 2014

Der Darm denkt mit. Wie Bak­te­ri­en, Pil­ze und
All­er­gi­en das Ner­ven­sys­tem beein­flus­sen.
Klaus- Diet­rich Runow,
Süd­west­ver­lag, Mün­chen, 7. Auf­la­ge, März 2014

Wenn Gif­te auf die Ner­ven gehen – Wie wir Gehirn
und Ner­ven­sys­tem durch Ent­gif­tung schüt­zen kön­nen
Klaus-Diet­rich Runow,
Süd­west­ver­lag, Mün­chen, 5. Auf­la­ge, Mai 2014

Grain Brain
David Perl­mut­ter
Ver­lag: Litt­le, Brown and Com­pa­ny, 1. Auf­la­ge, Sep­tem­ber 2013
Deut­sche Aus­ga­be: Dumm wie Brot
Ver­lag: Mosa­ik, Febru­ar 2014

Krebs – Eine Umwelt­krank­heit?
Risi­ko – mini­mie­ren. The­ra­pie opti­mie­ren.
Klaus-Diet­rich Runow,
Süd­west­ver­lag, Mün­chen, 2013

Kategorien: Allergie, Darm, Krankheiten und Verdauung.