Phy­to­ös­tro­ge­ne im Hor­mon­haus­halt bei Män­nern und Frau­en

Die­ser Arti­kel befaßt sich mit den viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben der Phy­to­ös­tro­ge­ne im Hor­mon­haus­halt bei Frau­en und Män­nerns. Der Begriff „Phy­to­ös­tro­ge­ne“ wur­de bereits in den 80er Jah­ren geprägt.

Phy­to­ös­tro­ge­ne in den Wech­sel­jah­ren

Hor­mon­er­satz­the­ra­pie – ein Mythos beginnt zu brö­ckeln …
Jahr­zehn­te­lang wur­de den Frau­en ver­mit­telt, dass die Wech­sel­jah­re eine Krank­heit sind. Wie bei Dia­be­tes die Insu­lin­pro­duk­ti­on nach­lässt und Insu­lin künst­lich zuge­führt wird, so wur­de den Frau­en, bei denen die Hor­mon­pro­duk­ti­on nach­ließ, die feh­len­den Hor­mo­ne ersetzt. Dabei igno­rier­te man die Tat­sa­che, dass die Unfä­hig­keit des Kör­pers Insu­lin zu pro­du­zie­ren, abnor­mal ist, wäh­rend das Ende der Fort­pflan­zungs­fä­hig­keit ein voll­kom­men nor­ma­ler Pro­zess ist. Natür­lich wur­den die Frau­en durch die Hor­mon­er­satz­the­ra­pie in Form einer Tablet­te, einer Creme oder eines Haut­pfläs­ter­chens in den meis­ten Fäl­len von den läs­ti­gen Sym­pto­men wie bei­spiels­wei­se Hit­ze­wal­lun­gen und Depres­sio­nen befreit. Auch ver­sprach man sich davon, dass die Frau­en von den durch den lang­fris­ti­gen „Hor­mon­man­gel“ ver­ur­sach­ten Krank­hei­ten wie Osteo­po­ro­se, Arte­rio­skle­ro­se, Alz­hei­mer und Schlag­an­fall ver­schont blie­ben.

Der Glau­ben, dass die Hor­mon­er­satz­the­ra­pie all die­se Wohl­ta­ten erbringt, erweist sich jedoch zuneh­mend als frag­wür­dig. So zei­gen bei­spiels­wei­se die Ergeb­nis­se einer lau­fen­den Stu­die an Frau­en in Framing­ham, Mas­sa­chu­setts, dass die Hor­mon­er­satz­the­ra­pie Frau­en nicht vor Osteo­po­ro­se schützt. Einer der Haupt­grün­de für deren Anwen­dung wird damit auf einen Schlag null und nich­tig. Ande­re aktu­el­le Ergeb­nis­se einer umfas­sen­den Stu­die geben Kri­ti­kern der Hor­mon­er­satz­the­ra­pie erneut Stoff. Dem­nach haben Frau­en über 65 Jah­ren, die eine Stan­dard-Kom­bi­na­ti­on von Östro­gen und syn­the­ti­schen Pro­ge­s­tin erhal­ten, ein dop­pelt so hohes Risi­ko eine Demenz (u.a. Alz­hei­mer) zu ent­wi­ckeln. Bis­lang kamen Medi­zi­ner nach Labor- und Tier­ex­pe­ri­men­ten bzw. klei­ne­ren Stu­di­en zu dem Ergeb­nis, dass Östro­gen eine Demenz bei post­me­no­pau­sa­len Frau­en auf­hal­ten kann. Die neu­en Erkennt­nis­se der Women»s Health Initia­ti­ve Memo­ry Stu­dy haben beim Natio­nal Insti­tu­te on Aging zur Auf­fas­sung geführt, dass die Kom­bi­na­ti­on älte­ren Frau­en als Schutz gegen Demenz nicht mehr ver­schrie­ben wer­den soll­te.

Die Hor­mon­er­satz­the­ra­pie soll­te ursprüng­lich dazu die­nen, nicht nur eine Demenz, son­dern auch Herz­er­kran­kun­gen sowie einen Schlag­an­fall bei Frau­en nach der Meno­pau­se zu ver­hin­dern. Immer wie­der tauch­ten aber Hin­wei­se auf, dass die Vor­tei­le der Lang­zeit­ver­wen­dung nicht bestehen oder die Neben­wir­kun­gen über­wie­gen. Wie eine signi­fi­kant erhöh­te Rate der Brust­krebs­er­kran­kun­gen. Ein Medi­ka­ment, wel­ches ihr Brust­krebs­ri­si­ko um 60 % ver­grö­ßert, scheint nicht so schlimm, wenn es ver­spricht, Ihr Risi­ko von Herz­er­kran­kun­gen zu ver­min­dern.

Je mehr der Mythos der Hor­mon­er­satz­the­ra­pie zu brö­ckeln beginnt des­to strah­len­der hebt sich dage­gen eine wun­der­ba­re Alter­na­ti­ve ab: die Ein­nah­me von Phy­to­ös­tro­ge­nen. Phy­to­ös­tro­ge­ne sind pflanz­li­che Hor­mo­ne, die ähn­lich wie syn­the­ti­sche Hor­mo­ne im weib­li­chen Kör­per wir­ken, aller­dings voll­kom­men ohne Neben­wir­kun­gen.

Die Ent­de­ckung der Phy­to­ös­tro­ge­ne

Der Begriff „Phy­to­ös­tro­ge­ne“ wur­de von dem fin­ni­schen Wis­sen­schaft­ler Her­man Adler­creutz in den 80iger Jah­ren geprägt. Ihm war auf­ge­fal­len, dass bei Japa­ne­rin­nen trotz nach­las­sen­der Hor­mon­pro­duk­ti­on in den Wech­sel­jah­ren typi­sche Sym­pto­me wie bei­spiels­wei­se Hit­ze­wal­lun­gen so gut wie nicht auf­tra­ten. Sie sind im Land der auf­ge­hen­den Son­ne so sel­ten, dass es nicht ein­mal ein eige­nes Wort dafür gibt. Als Ursa­che des Unter­schieds ent­pupp­te sich schon bald die soja­rei­che Kost. Soja ist der bes­te Lie­fe­rant für Phy­to­ös­tro­ge­ne. Die­se Pflan­zen­stof­fe kön­nen die Wir­kun­gen feh­len­der kör­per­ei­ge­ner Hor­mo­ne teil­wei­se erset­zen. Wenn Japa­ne­rin­nen aus ihrem Hei­mat­land, in dem Soja eines der Grund­nah­rungs­mit­tel ist, z.B in die USA aus­wan­dern und die dor­ti­gen Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten über­neh­men, bekom­men auch sie ver­mehrt Hit­ze­wal­lun­gen.

In vie­len Stu­di­en, die Adler­creutz seit­dem ver­öf­fent­licht hat, konn­te er nach­wei­sen, dass die Auf­nah­me von Phy­to­ös­tro­ge­nen durch die Nah­rung einen engen Zusam­men­hang mit dem Auf­tre­ten kli­mak­te­ri­scher Beschwer­den auf­weist. Je höher der Phy­to­ös­tro­gen­ge­halt, des­to weni­ger Beschwer­den tra­ten auf.

Heu­te ist klar, dass die­se pflanz­li­chen Hor­mo­ne noch viel mehr kön­nen als Wech­sel­jahrs­be­schwer­den zu lin­dern und dass auch Män­ner von ihnen pro­fi­tie­ren kön­nen.

Die Wech­sel­jah­re der Frau­en

Wie am Anfang schon erwähnt herrscht in der west­li­chen Medi­zin bis heu­te die Mei­nung vor, dass es sich bei den Wech­sel­jah­ren eher um eine Krank­heit als um einen phy­sio­lo­gi­schen Umstel­lungs­pro­zess han­delt. Tat­säch­lich sind sin­ken­de Östro­gen­wer­te in den Wech­sel­jah­ren ein ganz nor­ma­ler Pro­zess, von dem jede Frau betrof­fen ist. Die Bedeu­tung, die eine Frau den Wech­sel­jah­ren bei­misst, ist höchst unter­schied­lich, je nach den kul­tu­rel­len und sozia­len Ver­hält­nis­sen, in denen sie lebt und natür­lich auch nach der per­sön­li­chen Lebens­la­ge.

Hit­ze­wal­lun­gen, Herz­klop­fen, depres­si­ve Ver­stim­mun­gen und Schlaf­lo­sig­keit gehö­ren zu den psy­cho­ve­ge­ta­ti­ven Beschwer­den der Wech­sel­jah­re. Zwar läs­tig, sind sie aber nicht gefähr­lich – und hören vor allem mit Abschluss der hor­mo­nel­len Umstel­lung wie­der auf. Dane­ben gibt es aber auch eine Grup­pe von Ver­än­de­run­gen, die wir als hor­mon­man­gel­be­ding­te Erkran­kun­gen bezeich­nen. Hier­zu gehö­ren der Ver­lust an Kno­chen­dich­te (Osteo­po­ro­se) und die Ver­kal­kung der Blut­ge­fä­ße (Arte­rio­skle­ro­se). Auch der krank­haf­te Gedächt­nis­ver­lust im Alter (Mor­bus Alz­hei­mer) wird zuneh­mend mit einem Östro­gen­man­gel in Ver­bin­dung gebracht.

Wäh­rend die psy­cho­ve­ge­ta­ti­ven Stö­run­gen Aus­druck der hor­mo­nel­len Umstel­lung sind, han­delt es sich bei der Osteo­po­ro­se und der Arte­rio­skle­ro­se um Fol­gen des lang­fris­ti­gen Hor­mon­man­gels. Dies bedeu­tet, dass sich im Gegen­satz zu den Hit­ze­wal­lun­gen Osteo­po­ro­se und Arte­rio­skle­ro­se umso mehr ver­schlim­mern, je län­ger der Hor­mon­man­gel anhält. Eine Tat­sa­che , die umso bedeu­ten­der wird, je wei­ter die all­ge­mei­ne Lebens­er­war­tung steigt. So erlei­den Frau­en vor den Wech­sel­jah­ren – also so lan­ge die Östro­gen­pro­duk­ti­on der Eier­stö­cke noch anhält – so gut wie nie­mals einen Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall. Vie­le Gynä­ko­lo­gen erach­ten inzwi­schen die Arte­rio­skle­ro­se als die wich­tigs­te hor­mon­man­gel­be­ding­te Erkran­kung – noch vor der Osteo­po­ro­se.

Wie wir­ken Phy­to­ös­tro­ge­ne im weib­li­chen Kör­per?

Einen ganz beson­de­ren Vor­teil wei­sen Phy­to­ös­tro­ge­ne vor allem in der kri­ti­schen Pha­se zu Beginn der Wech­sel­jah­re auf. In die­ser Zeit kann es bereits zu star­ken psy­cho-vege­ta­ti­ven Beschwer­den kom­men auf­grund von Hor­mon­schwan­kun­gen. Mal sind die Östro­gen­spie­gel wegen der nach­las­sen­den Funk­ti­on der Eier­stö­cke nied­rig, dann wie­der stei­gen sie durch die Gegen­re­gu­la­ti­on der Hirn­an­hang­drü­se auf unna­tür­lich hohe Wer­te an. Die Bestim­mung eines Hor­mon­sta­tus hilft dabei nur wenig. Die Labor­un­ter­su­chung gibt ja immer nur den Augen­blicks­wert der Östro­gen­kon­zen­tra­ti­on zum Zeit­punkt der Blut­ab­nah­me an. Je nach­dem, ob dies in einem „Hor­mon­tief“ oder bei erhöh­ten Östro­gen­wer­ten abge­nom­men wur­de, kön­nen die­se Wer­te völ­lig unter­schied­lich aus­fal­len. Ent­spre­chend ist auch der Ersatz der feh­len­den Hor­mo­ne schwie­rig. Bei nied­ri­gen Östro­gen­spie­geln reicht die Dosie­rung häu­fig nicht aus, steigt die Östro­gen­aus­schüt­tung der Eier­stö­cke wie­der an, sind nied­rig dosier­te Hor­mon­er­satz­prä­pa­ra­te zu viel.

Phy­to­ös­tro­ge­ne sind in die­ser Pha­se häu­fig bes­ser geeig­net, weil sie nicht eine Hor­mon­sub­sti­tu­ti­on, also einen Hor­mon­er­satz, son­dern eine Hor­mon­mo­du­la­ti­on bewir­ken. Was heißt das?

Bei den Phy­to­ös­tro­ge­nen han­delt es sich um schwach wir­ken­de Östro­ge­ne, deren Wir­kung deut­lich weni­ger stark aus­ge­prägt ist als die kör­per­ei­ge­nen Östro­ge­ne. Sie beset­zen jedoch die glei­chen Hor­mon­re­zep­to­ren. Bei einem Östro­gen­man­gel wir­ken sie daher ver­gleich­bar wie schwa­che Hor­mon­er­satz­prä­pa­ra­te, die an den Rezep­to­ren (den Andock­stel­len der Zel­len) ihre östro­gen­ar­ti­ge Wir­kung ent­fal­ten. Bei über­mä­ßig hohen Östro­gen­spie­geln wir­ken Phy­to­ös­tro­ge­ne dage­gen wie Hor­mon­blo­cker, die die Östro­gen­re­zep­to­ren besetzt hal­ten, so dass die wesent­lich stär­ke­ren kör­per­ei­ge­nen Östro­ge­ne ihre Wir­kung nicht ent­fal­ten kön­nen.

Phy­to­ös­tro­ge­ne als Vor­beu­gung hor­mon­man­gel­be­ding­ter Erkran­kun­gen

Ein hoher Phy­to­ös­tro­gen­kon­sum schützt jedoch nicht nur vor den läs­ti­gen Hit­ze­wal­lun­gen. Er beugt auch – ganz wie die klas­si­sche Hor­mon­er­satzhe­ra­pie – orga­ni­schen Hor­mon­man­gel­er­kran­kun­gen vor. Hier­zu gehö­ren in ers­ter Linie die Osteo­po­ro­se und die Arte­rio­skle­ro­se. Der Beweis: Japans Frau­en wei­sen – obwohl sie durch den zier­li­chen Kör­per­bau beson­ders gefähr­det sind – deut­lich weni­ger Osteo­po­ro­se auf als Frau­en in west­li­chen Län­dern.

Ein wei­te­rer Grund, wes­halb Gynä­ko­lo­gen ihren Pati­en­tin­nen eine Hor­mon­er­satz­the­ra­pie emp­feh­len, ist die Tat­sa­che, dass Östro­ge­ne sich auch güns­tig auf die Blut­fet­te aus­wir­ken. Sie sen­ken das Cho­le­ste­rin und beu­gen somit einer Arte­rio­skle­ro­se vor. Phy­to­ös­tro­ge­ne haben genau den glei­chen Effekt. Sie wer­den inzwi­schen sogar gezielt zur The­ra­pie von Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen ein­ge­setzt. Im Gegen­satz zur klas­si­schen Hor­mon­sub­sti­tu­ti­on lässt sich die­ser Effekt der Phy­to­ös­tro­ge­ne jedoch nicht nur für Frau­en in den Wech­sel­jah­ren nut­zen. Die posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Phy­to­ös­tro­ge­ne auf die Blut­fet­te zei­gen sich in jedem Lebens­al­ter – auch bei Män­nern.

Phy­to­ös­tro­ge­ne als Schutz vor hor­mon­be­ding­ten Krebs­er­kran­kun­gen bei Frau­en und Män­nern

Unter den vie­len posi­ti­ven gesund­heit­li­chen Wir­kun­gen der Phy­to­ös­tro­ge­ne gibt es eine, die für beson­ders gro­ßes Auf­se­hen sorgt: Phy­to­ös­tro­ge­ne sind offen­sicht­lich in der Lage, bestimm­ten hor­mon­ab­hän­gi­gen Tumor­ar­ten vor­zu­beu­gen. Hier­zu gehö­ren neben dem Brust­krebs auch der Krebs des Gebär­mut­ter­kör­pers. Aber auch Män­ner sind vor Pro­sta­ta­krebs durch die Östro­ge­ne von Mut­ter Natur geschützt.

Krebs ist in den west­li­chen Indus­trie­staa­ten eine der häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen. Etwa ein Drit­tel aller Krebs­er­kran­kun­gen wird auf eine fal­sche Ernäh­rung zurück­ge­führt. In asia­ti­schen Län­dern, in denen Soja­pro­duk­te Bestand­teil der täg­li­chen Ernäh­rung sind, liegt die Krebs­ra­te weit unter der west­li­cher Staa­ten. In ver­schie­de­nen Stu­di­en konn­te ein Zusam­men­hang zwi­schen ver­mehr­ten Soja­kon­sum und ver­rin­ger­ten Krebs­ri­si­ko nach­ge­wie­sen wer­den. Dies trifft vor allem auf die hor­mon­be­ding­ten Krebs­ar­ten wie Pro­sta­ta- und Brust­krebs zu.

Das Pro­statakar­zi­nom ist nach dem Bron­chi­al­kar­zi­nom der zweit­häu­figs­te mali­gne Tumor bei Män­nern unter 50 Jah­ren. Jähr­lich gibt es in Deutsch­land etwa 21.000 Neu­erkran­kun­gen und 11.000 Todes­fäl­le. Neben dem gene­ti­schen Risi­ko wer­den äuße­re Fak­to­ren ange­schul­digt, ein laten­tes Kar­zi­nom in ein kli­nisch rele­van­tes umzu­wan­deln. Ver­glei­chen­de Unter­su­chun­gen haben gezeigt, dass im asia­ti­schen Raum weni­ger Män­ner an Pro­statakar­zi­nom erkran­ken als in den west­li­chen, z. B. Zen­tral­eu­ro­pa oder USA. Eine der wesent­li­chen Ursa­chen ist eine fett­rei­che, Koh­le­hy­drat ange­rei­cher­te Ernäh­rung, bei gene­rell ver­mehrt ver­brei­te­ter Fett­lei­big­keit.

Vor allem Iso­fla­vo­ne und Ligna­ne kön­nen jedoch einen deut­li­chen Ein­fluss auf eine Pro­sta­ta­krebs­bil­dung aus­üben. Ihre Kon­zen­tra­ti­on ist abhän­gig von der Ernäh­rungs­wei­se und beson­ders hoch in Bevöl­ke­rungs­grup­pen mit nied­ri­gen Erkran­kungs­ri­si­ko (Chi­na, Japan). Die vege­ta­ri­sche Ernäh­rung mit hohem Gehalt an Kör­ner, Lein­sa­men und Getrei­de führt zu beson­ders hohen Lign­an­kon­zen­tra­tio­nen, wäh­rend die asia­ti­sche Ernäh­rung auf­grund der zahl­rei­chen Soja­boh­nen­pro­duk­te (Tofu) eine auf­fal­lend hohe Kon­zen­tra­ti­on der Iso­fla­vo­ne (Daid­ze­in, Genistein) beinhal­tet. Die Sup­ple­men­tie­rung der Nah­rung mit ent­spre­chen­den Lebens­mit­teln zeig­te, dass auch ande­re Bevöl­ke­rungs­grup­pen die pro­tek­ti­ve Wir­kung der Iso­fla­vo­ne und Ligna­ne nut­zen kön­nen. Vor allem Genistein wirkt hem­mend auf die Ent­ste­hung von Enzy­men, die das Wachs­tum von Krebs­zel­len her­vor­ru­fen kön­nen und setzt damit an einem ganz fun­da­men­ta­len Pro­zess der Krebs­ent­ste­hung an. Auch gut­ar­tig ver­grö­ßer­te Vor­ste­her­drü­sen pro­fi­tie­ren von die­ser enzym­hem­men­den Wir­kung der Soja-Iso­fla­vo­ne. Denn die schwä­chen die Bil­dung des männ­li­chen Sexu­al­hor­mons Tes­to­ste­rons in der Pro­sta­ta und ande­ren Gewe­ben. Die­se enzym­hem­men­de Wir­kung ist einer der neue­ren Ansät­ze zur Hei­lung gut­ar­ti­ger Pro­sta­ta­ver­grö­ße­run­gen.

Der Begriff „Phy­to­ös­tro­ge­ne“ ist dem­nach eigent­lich unzu­rei­chend. Die Pflan­zen­hor­mo­ne agie­ren zwar teil­wei­se als Östro­ge­ne, des­halb sind sie bei Frau­en auch gegen Wech­sel­jahrs­be­schwer­den wirk­sam. Aber zur Vor­beu­gung gegen Brust­krebs ist vor allem eine anti­ös­tro­ge­ne Wir­kungs­wei­se ent­schei­dend. Wie kommt es zu die­ser schein­bar par­do­xen Wir­kung? Kann eine Sub­stanz gleich­zei­tig Östro­gen und Anti­ös­tro­gen sein? Sie kann. Ver­ant­wort­lich dafür sind zwei Mecha­nis­men. Zum einen ist die östro­ge­ne Wirk­sam­keit der Pflan­zen­hor­mo­ne deut­lich nied­ri­ger als die der kör­per­ei­ge­nen Östro­ge­ne. Je nach Phy­to­ös­tro­gen sind die­se um den Fak­tor 100 oder sogar 1.000 schwä­cher als das stärks­te kör­per­ei­ge­ne Östro­gen. Da sie sich jedoch an den sel­ben Rezep­tor bin­den bedeu­tet dies, dass bei hohen kör­per­ei­ge­nen Spie­geln die Phy­to­ös­tro­ge­ne die Rezep­to­ren blo­ckie­ren und somit die Brust­drü­se von den wesent­lich stär­ke­ren Hor­mo­nen ent­las­ten.

Der zwei­te Effekt ist noch ent­schei­den­der. Erst vor weni­gen Jah­ren fand die For­schung her­aus, dass es im mensch­li­chen Kör­per zwei ver­schie­de­ne Typen von Östro­gen­re­zep­to­ren gibt – den klas­si­schen Alpha-Rezep­tor sowie einen Beta-Rezep­tor. Die­se bei­den Rezep­to­ren sind in ver­schie­de­nen Kör­per­ge­we­ben unter­schied­lich ver­teilt, was wie­der­um zur Fol­ge hat, dass Sub­stan­zen, die haupt­säch­lich an einem Rezep­tor wir­ken, auch nur eine selek­ti­ve Östro­gen­wir­kung ent­fal­ten. Die­ses Prin­zip macht man sich bei einer neu­en, bereits erwähn­ten phar­ma­ko­lo­gi­schen Sub­stanz­grup­pe zunut­ze: den SERMs. Die­se Stof­fe ent­fal­ten am Ske­lett­sys­tem ihre östro­gen­ar­ti­ge Wir­kung und beu­gen so Osteo­po­ro­se vor. Auf die Gebär­mut­ter­schleim­haut hin­ge­gen, die ande­re Östro­gen­re­zep­to­ren besitzt, wir­ken die SERMs nicht, so dass unter ihrer Gabe auch kei­ne uner­wünsch­ten Blu­tun­gen auf­tre­ten. Und da die SERMs zudem an der Brust­drü­se wie Hor­mon­blo­cker wir­ken, ver­rin­gern sie das Brut­krebs­ri­si­ko deut­lich.

Zusam­men­fas­sung

Phy­to­ös­tro­ge­ne sind eine Alter­na­ti­ve für all jene Frau­en in den Wech­sel­jah­ren, die die klas­si­schen Hor­mon­prä­pa­ra­te nicht neh­men dür­fen, nicht neh­men wol­len oder die­se ein­fach nicht ver­tra­gen. Die Vor­tei­le der sanf­ten Pflan­zen­hor­mo­ne lie­gen dabei auf unter­schied­li­chen Gebie­ten. Zum einen erhö­hen Phy­to­ös­tro­ge­ne nicht das Brust­krebs­ri­si­ko. Für die klas­si­sche Hor­mon­sub­sti­tu­ti­on ist bei län­ge­rer Anwen­dung inzwi­schen ein leicht erhöh­tes Brust­krebs­ri­si­ko nach­ge­wie­sen. Für die Phy­to­ös­tro­ge­ne gilt das genaue Gegen­teil: Sie ver­min­dern das Risi­ko, an die­sem häu­figs­ten bös­ar­ti­gen Tumor der Frau zu erkran­ken deut­lich. Die Krebs vor­beu­gen­de Wir­kung der Phy­to­ös­tro­ge­ne macht es auch für Frau­en, die an einem Mam­ma­kar­zi­nom erkrankt sind, mög­lich, die­se Sub­stan­zen gegen Wech­sel­jahrs­be­schwer­den ein­zu­neh­men. Sie beu­gen damit sogar einem neu­er­li­chen Aus­bruch der Erkran­kung vor. Auch für die vie­len Frau­en, die ein erhöh­tes Brust­krebs­ri­si­ko auf­wei­sen, etwa durch ein fami­li­är gehäuf­tes Auf­tre­ten die­ses Tumors, sind Phy­to­ös­tro­ge­ne eine geeig­ne­te Alter­na­ti­ve.

Ein erhöh­tes Throm­bo­se­ri­si­ko ist durch Phy­to­ös­tro­ge­ne nicht zu erwar­ten.

Auch die Aus­wir­kun­gen der Pflan­zen­hor­mo­ne auf Herz und Gefä­ße, Blut­fet­te und Gerin­nungs­fak­to­ren sind durch­weg posi­tiv.
Män­ner und ihre Pro­sta­ta kön­nen von den Iso­fla­vo­nen und Ligna­nen, wie bereits dar­ge­stellt, eben­falls pro­fi­tie­ren. Bestimm­te Enzy­me, die das Wachs­tum von Krebs­zel­len anre­gen, wer­den durch die Phy­to­ös­tro­ge­ne gehemmt, so dass eine bös­ar­ti­ge Ent­wick­lung bereits im Keim erstickt wird.

Für eine Wir­kung der Phy­to­ös­tro­ge­ne, ist es von ent­schei­den­der Bedeu­tung, die­se nicht nur gele­gent­lich zu kon­su­mie­ren, son­dern regel­mä­ßig und in aus­rei­chen­der Men­ge zuzu­füh­ren.

Wo fin­den wir Phy­to­ös­tro­ge­ne?

Die Soja­boh­ne ist unbe­strit­ten die Num­mer Eins unter den Phy­to­ös­tro­gen­lie­fe­ran­ten. Ihr hoher Gehalt an die­sen pflanz­li­chen Hor­mo­nen macht es auch für uns Euro­pä­er mög­lich, eine aus­rei­chen­de Men­ge davon zu uns zu neh­men, ohne sich voll­stän­dig der asia­ti­schen Ernäh­rungs­wei­se zu ver­schrei­ben. Aber auch in Hül­sen­früch­ten (wie in Lin­sen, Kicher­erb­sen, Boh­nen) sowie in Voll­korn und Lein­sa­men als auch in Brok­ko­li und Weiß­kohl ste­cken Phy­to­ös­tro­ge­ne. Eben­so in Alfal­fa­spros­sen, Hop­fen, Sal­bei und Rot­klee sind die pflanz­li­chen Hel­fer reich­lich ent­hal­ten.

Phy­to­ös­tro­ge­ne gehö­ren bio­che­misch zur Grup­pe der Poly­phe­no­le. Die wich­tigs­ten Ver­tre­ter ihrer Art sind die Iso­fla­vo­ne und die Ligna­ne. Iso­fla­vo­ne sind im Pflan­zen­reich rela­tiv sel­ten. Die bei­den wich­tigs­ten Iso­fla­vo­ne hei­ßen Daid­ze­in und Genistein.

Iso­fla­vo­ne fin­den sich in nen­nens­wer­ten Men­gen nur in Hül­sen­früch­ten. Trotz viel­fäl­ti­ger Arten von Hül­sen­früch­ten hebt sich nur eine als Haupt­lie­fe­rant für Iso­fla­vo­ne ab – die Soja­boh­ne. Ver­schie­de­ne Stu­di­en haben gezeigt, dass Soja die ein­zi­ge Pflan­ze ist, mit der eine wirk­lich gute Iso­fla­von­ver­sor­gung erreicht wer­den kann.

Ligna­ne sind dage­gen in der Pflan­zen­welt wei­ter ver­brei­tet. Sie sind ein Grund­stoff für holz­ar­ti­ge Struk­tu­ren und fin­den sich des­halb vor allem in fes­ten pflanz­li­chen Pro­duk­ten wie Getrei­de­kör­nern, Lein­sa­men oder Wei­zen­kleie. Auch Bee­ren aller Art und Far­ben zeich­nen sich durch einen hohen Anteil an Ligna­nen aus.

Ernäh­rung mit Phy­to­ös­tro­ge­nen

Jetzt bleibt eigent­lich nur noch die Fra­ge: Wie ver­sor­ge ich mich mit Phy­to­ös­tro­ge­nen und wel­che Men­ge muss ich davon täg­lich zu mir neh­men? Durch einen Ver­gleich der ver­schie­de­nen Völ­ker wur­de deut­lich, dass die asia­ti­sche Ernäh­rung im Hin­blick auf die Ver­sor­gung mit Phy­to­ös­tro­ge­nen vor­bild­lich ist. Japa­ner und Chi­ne­sen neh­men täg­lich durch­schnitt­lich 50 – 60 mg Phy­to­ös­tro­ge­ne auf. Die medi­ter­ra­ne Kost ent­hält nur noch 15 – 30 mg und das Essen in den west­li­chen Indus­trie­län­dern nur 5 mg Phy­to­ös­tro­ge­ne pro Tag. Da in den asia­ti­schen Län­dern Wech­sel­jahrs­be­schwer­den und Brust­krebs deut­lich nied­ri­ger sind als in den west­li­chen Indus­trie­län­dern, geht man heu­te davon aus, dass die opti­ma­le durch­schnitt­li­che „Tages­ra­ti­on“ an Phy­to­ös­tro­ge­nen bei 50 – 60 mg pro Tag liegt. Ins­be­son­de­re vor, wäh­rend und nach der Meno­pau­se soll­ten Frau­en jedoch täg­lich 1 – 2 g Phy­to­ös­tro­ge­ne auf­neh­men.

Emp­feh­lens­wer­te Pro­duk­te mit Phy­to­ös­tro­ge­nen

Es gibt eine Rei­he von Prä­pa­ra­ten, die hoch­do­siert Phy­to­ös­tro­ge­ne ent­hal­ten. Das sind vor allem die aus Soja gewon­nen Pro­duk­te. Die­se ent­hal­ten, haupt­säch­lich das Iso­fla­von Genistein. Bei Wech­sel­jahrs­be­schwer­den soll­ten Frau­en, die sich für Phy­to­ös­tro­ge­ne ent­schie­den haben, täg­lich ein Soja-Prä­pa­rat mit hohem Iso­fla­von­ge­halt ein­neh­men.

Eine der reichs­ten Nah­rungs­quel­len für pflanz­li­che Hor­mo­ne ist der auch auf unse­ren hei­mi­schen Wie­sen und Fel­dern wach­sen­de Rot­klee. Für Ver­wen­der, die kei­ne Soja­pro­duk­te ein­neh­men möch­ten, aber auf die posi­ti­ven Eigen­schaf­ten von Iso­fla­vo­nen nicht ver­zich­ten wol­len, ist roter Klee eine will­kom­me­ne Alter­na­ti­ve.

Eine östro­gen­ar­ti­ge Wir­kung haben auch die tra­di­tio­nell dem Weib­li­chen zuge­ord­ne­tem Kräu­ter Dong Quai und Mönchs­pfef­fer, die bei schwä­che­ren kli­mak­te­ri­schen Beschwer­den, aber auch bei sons­ti­gen hor­mo­nel­len Unre­gel­mä­ßig­kei­ten ihre Wir­kung ent­fal­ten.

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NWzG Gesund­heits­brief  |  Nr. 3

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Kategorien: Hormone und Phytoöstrogene.